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Thema Väter: Katholischer Familienverband lädt zur Jahreshauptversammlung nach Krems

Foto: Referent Matthias Geitzenauer

Krems, 10.10.2018 (dsp) Dieses Jahr gibt es bei der Jahreshauptversammlung des Katholischen Familienverbandes der Diözese St. Pölten einen Väterschwerpunkt, Referent ist Männerberater Matthias Geitzenauer. Dazu sind am 20. Oktober in der Pfarre Krems-St. Paul alle Interessierten eingeladen. Hier ein Interview zum Thema Väter ...


Programm:
17.00 Uhr VATER SEIN – zwischen Ideal und Realität  Auf der Suche nach dem eigenen Drehbuch ... Die Vaterrolle befindet sich in einem Wandel. Zwischen herkömmlichen Bildern und den verschiedenen Ideen vom „idealen Vater“ eröffnet sich ein breites Feld, auf dem heutige Väter versuchen, ihre Rolle zu finden. Welche Anforderungen stellen wir an die Rolle? Was kann sie in der Realität leisten? Welche Rahmenbedingungen innerhalb der Familie und in der Gesellschaft sind hilfreich um die „Rolle des Lebens“ nicht zu verpassen. Der Blick auf gegenwärtige Wirklichkeiten und auf Erfahrungen aus der Männerberatung sollen dazu beitragen, gelebte und ersehnte Vaterrollen neu zu betrachten und eigene Schritte zur Weiterentwicklung zu entdecken. 
Referent: DSA Matthias Geitzenauer MBA, Männerexperte und erfahrener Männerberater
19.00 Uhr  Hl. Messe
 
Interview mit Matthias Geitzenauer
 
Es ist allgemein bekannt, dass Kinder sehr von einem aktiven Vater profitieren. Wie genau unterstützen Väter eine gute Entwicklung bei ihrem Nachwuchs?
Väter unterscheiden sich in ihrem Erziehungsverhalten und in ihrem Spielverhalten mit Kindern durchaus von Müttern. Durch diese Unterschiedlichkeit bekommen Kinder die Möglichkeit, eine andere Art der Sicherheit im Umgang mit sich selbst und im Umgang mit ihrer Umwelt zu erwerben. Kinder, die aktive, wohlwollende Väter erlebt haben, profitieren davon ihr ganzes Leben.
 
Viele Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Kommt es mehr DARAUF an wie viel Zeit sie mit dem Kind oder den Kindern verbringen oder eher auf die Qualität der Beziehung?
Kinder bauen Beziehungen zu den Menschen auf, die für sie da sind. Das betrifft sowohl die Qualität, als auch die Quantität der miteinander verbrachten Zeit. Qualität heißt, sich auf die Kinder einzulassen, und mit ihnen auch die Mühen des Alltags zu bewältigen. Kinder merken, ob sie sich auf ihre Väter verlassen können, wenn diese sie versorgen und sie unterstützen, schwierige Aufgaben zu bewältigen. Das braucht die Zeit der Väter und ihre Aufmerksamkeit.
 
Was können Mütter tun, die sich wünschen, dass ihr Partner mehr Engagement bei der Kindererziehung zeigt?
Zu allererst liegt die Verantwortung bei den Vätern und sie sind es auch, die einen wichtigen Teil ihres Lebens versäumen, wenn sie sich nicht für ihre Kinder engagieren. Wenn aber Mütter außerhalb der Familie eine wichtige Rolle einnehmen – zum Beispiel in der Arbeit – wird es häufig zu einer Selbstverständlichkeit, dass die Väter mehr Präsenz zu Hause zeigen.
 
Die Kampagne des Familienverbandes "Vater SEIN" will Väter dabei unterstützen die VATER Rolle nach eigenen Vorstellungen aktiv zu gestalten. Wie geht es den Vätern mit den vielfältigen Erwartungen, die die Gesellschaft an sie stellt?
Die gesellschaftlichen Erwartungen an Männer scheinen zurzeit doppelt präsent zu sein: Da sind die herkömmlichen Erwartungen wie die, der Familienerhalter zu sein, im Beruf präsent und flexibel einsetzbar zu sein, oder die, zum Häuselbauer zu werden. Zugleich besteht aber auch der Anspruch, ein aktiver Vater zu sein, eine Aufgabe, die genauso Zeit und Aufmerksamkeit braucht. Der Versuch, alle Erwartungen zu erfüllen führt leicht in die Überforderung.
 
Viele Väter haben eine mehr oder weniger genaue Vorstellung, was für eine Art von Vater sie sein möchten. Viele wollen auch eine andere Beziehung als sie selbst zu ihrem eigenen Vater hatten. Was unterstützt Väter ihren eigenen Weg zu finden?
Kinder zeigen den Vätern, was sie brauchen, wenn genug Kontakt besteht. Wie sie aber mit der Unterschiedlichkeit und der Vielzahl an Anforderungen von außen zurechtkommen, das bedarf der Reflexion zum Beispiel in der Männerberatung oder – wenn möglich – im regelmäßigen Austausch mit anderen Männern, die dasselbe Interesse haben, verantwortungsbewusste Väter zu sein.
 
Welche Verbesserungen politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen wären aus Ihrer Sicht wichtig?
Seit den 1970-er Jahren haben sowohl die Politik als auch die Gesellschaft schon große Verbesserungen umgesetzt, die den Boden aufbereitet haben dafür, dass heute das Bild des aktiven Vaters eindeutig positiv besetzt ist. Auch wenn die Richtung seither stimmt, am Ziel sind wir noch lange nicht. Für die Zukunft gilt:
Väter und Mütter brauchen sehr ähnliche Dinge, um für ihre Kinder gut da sein zu können. Zeit, flexible Arbeitszeiten orientiert an den Bedürfnissen der Kinder. Sie brauchen Kinderbetreuungseinrichtungen, die ihrem Alltag gerecht werden.
Damit aber Männer im Beruf zurückstecken können, müssen die Gehälter der Frauen ausreichend hoch sein.  Es braucht das Bewusstsein, dass Kinder ein Recht auf ihre Väter haben. Dieses Recht nimmt uns alle in die Pflicht, nicht nur die Väter.

 Kirche & Väter

 
Welche Botschaften sollte die Kirche transportieren, damit Väter gestärkt werden in ihrer Rolle?
Eine ganz wichtige Aufgabe der Kirche ist der Schutz der Familie als den Ort, wo unsere Kinder lernen, wie Beziehungen funktionieren, wie ein menschliches Miteinander möglich ist. Nachdem wir ja wissen, was Mütter und Väter brauchen, um beide gut für ihre Kinder da sein zu können, ist es eine Aufgabe der Kirche, gesellschaftliche Entwicklungen in Bezug auf ihre Elterntauglichkeit zu prüfen.
 
Und wenn Gesetze zulasten von Familien gehen oder gar dazu geneigt sind, Väter aus dem Familienleben zu drängen, braucht es eine kirchliche Gemeinschaft, die gegensteuert.
 
Kann die Bibel ein Ratgeber sein für die Erziehung von Kindern?
In der Bibel wird der Begriff des Vaters häufig mit dem des Gottes vermischt. Die Väter, die Kinder brauchen, sollen aber eben keine Götter, sondern Menschen zum Angreifen mit Fehlern und Schwächen sein. Daher verweise ich gerne auf die Vaterfigur in der Bibel, die am eindeutigsten auf die irdischen Aufgaben reduziert ist. Jesus selbst wurde in seiner irdischen Existenz von einem wahren Vorbild eines Vaters aufgezogen. Josef blieb bescheiden im Hintergrund, machte nicht viel Aufsehen um seine Vaterschaft. In der Schwangerschaft bereits umsorgte er Maria, später dann den kleinen Jesus. Und genau so, wie er ihm das Handwerk des Zimmermanns beibrachte, so brachte er ihm wohl auch in viel gemeinsamer Zeit und Mühe – heute würde man sagen auf Basis einer guten Vater-Sohn-Beziehung - die anderen für ein bodenständiges Leben erforderlichen Fähigkeiten bei. Und er ließ ihn ziehen, als der junge Mann etwas anderes im Sinn hatte, als Zimmermann zu werden.
 
So gibt es weitere Vorbilder wie den Vater, der sich über die Rückkehr des verlorenen Sohnes freut. Er verweist auf die stabile Bindung, die es unseren Kindern ermöglicht, in die Welt hinaus zu gehen, in der Sicherheit, wenn was schiefläuft, wieder Aufnahme zu finden.
 
Zur Person:
DSA Matthias Geitzenauer, MBA ist verheiratet, Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder, er lebt und arbeitet in Melk und in Wien als Supervisor, Mediator und Coach. Von 2011 bis 2018 leitete er die Familien- und Männerberatung „Rat und Hilfe“. In Wien unterstützt er Menschen mit psychischen Problemen und ihre Arbeitgeber. Mehr über ihn erfahren sie auf der Website: www.selbst-erkenntnis.at

Foto: Referent Matthias Geitzenauer