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Priesterstudientagung der Diözese St. Pölten thematisiert Jugend

Priesterstudientagung in St. Pölten

St. Pölten, 19.02.2018 (dsp) Die Priesterstudientagung der Diözese St. Pölten im Bildungshaus St. Hippolyt beschäftigt sich vom 19. bis 21. Februar mit dem Thema Jugend. Unter dem Titel „Die Jugendlichen von heute und morgen. Wie sie leben, denken und glauben“ machen sich über 120 Priester sowie Diakone und Pastoralassisten/innen im Vorfeld der Weltbischofssynode über Jugendliche Gedanken. Weihbischof Anton Leichtfried, in der Diözese zuständig für die Priesterfortbildung, nannte es eine „hervorragende Einstimmung“ auf die Synode. Außerdem sei das Thema ein „Dauerbrenner“ in den Pfarren und habe viele Facetten. Das habe er speziell bei vielen Visitationen bemerkt.

Pfarrgemeinderäte würde besonders interessieren: Wie geht es weiter mit der Jugend? Wie können wir den Glauben an die nächste Generation weitergeben, wie können wir sie in die Kirche eingliedern? Oft gebe es Schmerz und Sorge, dass das nicht gelinge. Es sei aus Sicht von Weihbischof Leichtfried auch nicht sinnvoll, nostalgisch auf gute alte Zeiten zu verweisen. „Als ich Kaplan war, war alles besser“ gelte nicht. Er sei auch dagegen, „Schuldige“ zu finden, wenn es in der Jugendpastoral nicht gut laufe: etwa bei der Kirchenleitung, bei der Gesellschaft allgemein oder beim Pfarrer. Manchmal habe er auch den Eindruck, dass Jugendliche zwar zahlreich zur Heiligen Messe kommen, gleichzeitig aber nicht stören sollten.

Warum interessiere uns die Jugend? „Weil wir das Beste für sie wollen; sie sollen den Sinn ihres Lebens finden können.“ Da spiele der Glaube und das Kennenlernen eine besondere Rolle. Voraussetzung sei freilich unser ehrliches Interesse an der Jugend und das ohne Verzweckung. Es gebe so viele Jugendwelten, die uns sehr fremd seien, sagte Leichtfried: Damit wolle sich die Diözese in diesen Tagen beschäftigen. Die Tage sollten helfen, Jugendlichen vielleicht mit einem guten Wort zu helfen. Zentral sei ein "echtes Interesse an Jugendlichen und das Wohlwollen, dass uns Jugendliche wichtig sind".

Referenten bei der Priesterstudientagung sind die renommierte Wiener Soziologin Beate Großegger, Prof. P. Michael Kaplanek SDB aus Budweis, der im stark atheistisch geprägten Umfeld Tschechiens als Priester wirkt und viele Erfahrungen in der Jugendpastoral in der Großstadt hat, sowie Carl Rauch vom Medienhaus der Erzdiözese Wien. Er bringt den Priestern die Lebenswelt Internet näher und in welchen Medien die Jugendlichen von heute leben. Wichtig ist der Diözese bei diesen Tagen auch der gegenseitige Austausch und die Begegnung.

Wandel als einzige Konstante

Im Vortrag von Großegger hieß es, die einzige Konstante für Jugendliche sei der dynamische Wandel, es gebe weniger Orientierungsmöglichkeiten. Die Jugend heute sähe sich vielfach als verunsicherte, angepasste, planlose, erschöpfte und erfolgsorientierte Generation. Das zeige der Generationenmonitor des Instituts für Jugendkulturforschung (2015). Die Jugend heute sei geprägt durch ein gehobenes Wohlstandsniveau bei gleichzeitig unsicheren Zukunftsperspektiven und fragiler ökonomischer Situation.

Das Leben würde härter und schneller werden, so Großegger. Beispiele seien das Zeitphänomen „Multitasking" und die Verdichtung von Anforderungen, um in kürzerer Zeit noch mehr zu schaffen, oder das Zeitphänomen „digitaler Stress“: immer online zu sein mutiere vom Spiel zum Zwang. Es gebe eine hohe Informationsdichte bei gleichzeitigem Mangel an Selektions(kompetenz). Dazu komme das Zeitphänomen „Gegenwartsschrumpfung“: Was heute gültig ist, ist morgen vielleicht ohnehin schon überholt – Halbwertszeiten des relevanten Wissens würden immer kürzer werden. Das bedeute Stress für Jugendliche, man spreche in diesem Zusammenhang vom „erschöpften Selbst“. Burnout und Depression seien die Konsequenz.

Digitale Technologien würden unsere Epoche prägen, wie Großegger ausführte: Sie verändern die Art und Weise, wie Jugendliche sich informieren und unterhalten, aber auch wie sie miteinander umgehen. Auch Jugendkulturen verändern sich. Die jugendkulturellen Gleichaltrigengruppen leben in ihrer Mehrzahl eine leise, stille Jugend – mit Rückzug in die digitalen Lebenswelten. Mobiles Internet boome, Entertainment komme zuerst – das Smartphone bediene die taktilen Bedürfnisse der digitalen Jugend.

Kirchliche Jugendarbeit habe drei Ansatzpunkte:
• Moratorium und Eigenzeit: Kirche als Dienstleisterin – Bereitstellung von Infrastrukturen (kein Normendruck!)
• Exklusionsgefährdete Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Milieus als Zielgruppe kirchlicher Sozialarbeit
• Engagementbereite junge Menschen als Zielgruppe kirchlicher Jugendarbeit

Fragen, die wir uns dringend stellen müssten:
• Wohin gehen das Bildungs- und das Erwerbsystem? Was bedeutet das für die Menschen?
• Wird das Leitbild der „juvenilen Gesellschaft“ zum Fleischwolf?
• Wie positioniert sich kirchliche Jugendarbeit in diesem Szenario?

Wo kann man ansetzen?

Es gelte ein „neues Ehrenamt“ in organisiertem Rahmen zu propagieren, das sich von einem „verstaubten Image“ befreit.

Freiwilligenorganisationen:
• Im ländlichen Raum als „Goodie“ für engagierte Jugendliche (auch) Freizeitarbeit anbieten (z.B. Freiwillige Feuerwehr)
• Neue Angebote für neue Arbeits-und Lebensweisen der „Millennials“ (Generation, die die Geburtsjahre 1995 bis 2010 umfasst) schaffen: „multilokale Wohnformen“ – Ideen-Input + Beteiligungsmöglichkeiten auch für „Teilzeitortsansässige“

Projektbezogene lokale Initiativen zu sehr konkreten, persönlich relevanten Themen punkten bei Jung und Alt:
• mehr Performativität ins Ehrenamt: handlungs- und erlebnisorientierte Angebote
• konkret, statt abstrakt arbeiten und den für alle Beteiligten sofort spürbaren Wert herausstreichen – Beispiel „Lerncafés“
• offen für neue, junge Engagementformen und Engagementfelder sein: z.B. Tauschbörsen im Kontext junger Sharing-Ökonomie
• Mehrwert des Generationenmix: bei Information und Mobilisierung von digitalen Kompetenzen der Jungen und Verbindlichkeit der Älteren profitieren

Es sei auch zu beachten, dass die heutige Jugend nicht besser oder schlechter sei als Generationen vor ihr. „Sie sei anders", wie Großegger betonte.