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Ökumene: „Gemeinsam durch Verschiedenheit“

Altabt Michael Roházka, Metropolit Arsenios Kardamakis, Altabt Gregor Henckel Donnersmarck

Loosdorf, 07.09.2018 (dsp) „Vielfalt ist kein Hindernis für die Einheit, im Gegenteil: Sie kann helfen eine Einheit zu finden.“ Das betonte der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria und Exarch von Ungarn, Erzbischof Arsenios Kardamakis bei einem ökumenischen Gespräch im Rahmen der Ausstellung „Byzanz & der Westen“ auf der Schallaburg.
Das ganze Gespräch zum Nachhören

Weitere Gesprächspartner waren Altabt Michael Proházka vom Stift Geras, Vizerektor am Collegium Orientale in Eichstätt sowie Priester des römischen und byzantinischen Ritus, und Altabt Gregor Henckel Donnersmarck vom Zisterzienserstift Heiligenkreuz, ein oftmaliger Ort der Begegnung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche. Moderiert wurde das Gespräch vom Historiker Marcel Chahrour, Veranstalter war die Diözese St. Pölten.

Seit der Teilung des Römischen Reiches im 4. Jahrhundert entwickelten sich die lateinische Kirche des Westens und die griechische Kirche des Ostens auseinander. Traurige Höhepunkte dieser Trennung waren das große Schisma 1054 oder die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzritter im Jahre 1204. Im Fokus des Gesprächs „Gemeinsam durch Verschiedenheit“ standen die Annäherung und die gegenseitige Bereicherung der Ost- und Westkirche über all die Jahrhunderte.

Persönliche Beziehungen im Zentrum der Ökumene

„Respekt, Vertrauen und persönliche Beziehungen bauen die Ökumene auf“, so Metropolit Arsenios Kardamakis. „Persönliche Beziehungen haben viel mehr geschafft als theologische Diskussionen.“ Dabei gelte es, die Vielfalt zu respektieren und die Einheit pflegen. „Aber eins werden im Sinne von Gleichheit wäre nicht wünschenswert.“ Vielfalt und Einheit fänden sich auch innerhalb der Orthodoxie, erklärte der Erzbischof: in verschiedenen Völkern, Sprachen, Bräuchen und liturgischen Traditionen. „Diese helfen uns alle, orthodox zu leben.“

Auch Altabt Gregor Henckel Donnersmarck hob die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen hervor: Es gelte, sich weniger theologisch als menschlich zu begegnen und Vorurteile abzubauen, „weil man sich kennt und gemeinsam betet“. In der Zeit als er Vizerektor von „Pro Oriente“ und auch Abt war, habe es einige Treffen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche in Heiligenkreuz gegeben, Höhepunkt sei der Staatsbesuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus gewesen. Auch die Kreuzreliquie des Stiftes habe man schon in der griechisch-orthodoxen Kathedrale in Wien gemeinsam verehrt.
Es gehe nicht um Streit, sondern um Austausch, so Henckel Donnersmarck: „Alle christlichen Konfessionen wollen orthodox, das heißt rechtgläubig sein, evangelisch – auf das Evangelium aufbauen – und katholisch, für alle zugänglich.“ Unterschiede gebe es eher in Fragen der Kultur.

„Wo Monokultur vorhanden ist, geht die Natur zugrunde, wo Vielfalt ist, ist Leben“, betonte Altabt Michael Proházka. „Den Weg, den wir bisher schon so positiv gegangen sind, sollten wir trotz theologischer Probleme weitergehen.“ Wie das 2. Vatikanische Konzil im Dokument „Orientalium Ecclesiarum“ sage, sollte die katholische Kirche mehr aus den Schätzen des Ostens schöpfen. Es gebe zahlreiche Traditionen, die vom Osten in den Westen gekommen seien. So gebe es auch auch viele griechische Elemente in der römischen Liturgie, wie etwa das „Kyrie“. Auch über den Handel der Genueser und Venezianer habe gegenseitige Befruchtung stattgefunden. „Konflikte kamen erst gegen Ende des 1. Jahrtausends auf.

Das Stift Geras sei als „Grenzlandkloster“ ein Ort des Brückenschlages zwischen Ost und West. Angeregt durch Ikonen-Schreibkurse sei schließlich eine byzantinische Kapelle eingerichtet worden, wo man den byzantinischen Ritus in deutscher Sprache erleben könne, so Proházka. Nach Papst Johannes Paul II. sei die Teilnahme an der byzantinischen Liturgie nicht nur erlaubt, sondern erwünscht: „Die Kirche braucht beide Lungenflügel, Ost- und Westkirche, zum Atmen.“
In diesem Zusammenhang erinnerte Henckel Donersmarck daran, dass der Anstoß für das Konzilsdokument über die Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ „nicht der evangelische Gottesdienst, sondern die byzantinische Liturgie“ gewesen sei . „Wir können voneinander lernen. Die katholische Kirche kann die Feierlichkeit wieder entdecken; das Geheimnis muss gefeiert werden.“

Erzbischof Arsenios betonte, dass es nicht nur Wissens- und Kulturtransfer von Byzanz in den Westen, sondern auch umgekehrt gegeben habe. „Die Byzantiner waren Römer, wir sind immer noch Römer. In Jerusalem werden wir römisch-orthodox genannt. Vieles von liturgischen Riten haben wir vom Westen übernommen, etwa aus der ambrosianischen Liturgie.“ Auch auf dem Gebiet der Philosophie habe es bedeutende Einflüsse aus dem Westen gegeben.

Ökumene des Blutes“ im Nahen Osten

Die aktuelle Lage der Christen im Nahen Osten bewertete Erzbischof Arsenios als „kritisch“. „Fast alle Christen waren gezwungen ihre Häuser und Städte zu verlassen.“ Besonders schlimm sei die Situation im Irak, in Syrien seien Christen „trotz zahlreicher Schwierigkeiten“ vor Ort geblieben. Im Westen sei es die wichtigste Aufgabe, die Aufbauarbeiten der rückkehrenden Christen zu unterstützen. „Wir müssen die Christen im Gebet unterstützen, aber auch mit Taten.“

Altabt Proházka sieht eine große Gefahr darin, dass „junge Menschen keine Zukunft sehen und in den Westen kommen. Es ist unsere Aufgabe, diese zu motivieren zu bleiben, sonst übernimmt der Islam das ganze Gebiet.“ Dazu Kardamakis: „Ein Ort, wo das Christentum blutete, ist leider ein Ort geworden, wo der Islam herrscht.“

Für Altabt Henckel Donnersmark sei im Nahen Osten eine „Ökumene des Blutes“ entstanden, da die Christen dort „gemeinsam dem Martyrium ausgeliefert“ seien. Eine der Folgen sei, dass orthodoxe und katholische Kirchen Ostern gemeinsam feierten. „Ökumene wächst aus der gemeinsamen Erfahrung der Verfolgung.“