Dankgottesdienst zum Abschied von Bischof Küng
Lange Nacht der Museen im Diözesanmuseum
Erntedankfest
 
 

Morgengedanken im ORF-Regionalradio

Faschingsonntag, 11. Februar 2018

Heute ist Faschingsonntag.

Ich kenne einige Pfarrer, die eine Spezialbegabung haben, die halten heute eine Faschingspredigt in gereimten Versen.

Das kann natürlich nicht jeder. Manche haben auch Bedenken, Reime und Humor in den Gottesdienst zu tragen. Die Aufgabe der Kirche ist: wie können wir möglichst gut für möglichst alle Menschen die Frohe Botschaft Christi verkünden.

Wie gesagt, ich kenne einige Pfarrer, die das sehr gut können: Das Wort Gottes in gereimter Form verkünden. Das klingt auf einmal ganz anders, ungewohnt neu. Und wenn man dann auch einmal schmunzeln, lächeln, oder gar lachen kann, dann lockert das auf. Im Idealfall: Es lockert das Erdreich meines Lebens auf, und so können die Saatkörner des Wortes Gottes leichter und noch viel tiefer in mein Leben hineinfallen und Frucht bringen.

Ich wünsche Ihnen einen frohen, fröhlichen Sonntag!

 

Faschingmontag, 12. Februar 2018

Manche Menschen können so wunderbar gut Witze erzählen.

Ich denke da an einen besonders begnadeten Witzeerzähler. Auch wenn ich diesen seinen Witz schon dreimal gehört habe, ich muss jedesmal neu lachen, wie er diesen Witz erzählt. Da sind immer wieder neue Details dabei, und er erzählt das so, als wäre es zum ersten Mal.

Worüber lachen wir bei einem Witz eigentlich: meistens über menschliche Schwächen. Ein Detail, das manchmal gar nicht lustig ist, wird so übertrieben, dass wir lachen müssen.

Was ist ein guter Witz: wenn zum Schluss alle mitlachen können. Ein Lacher nicht auf Kosten von anderen, sondern mit allen.

Am besten ist es natürlich, wenn ich über mich selber lachen kann, in den verschiedenen Situationen im Laufe eines Tages. Denn dann ist für mein Leben lang für Unterhaltung gesorgt.

 
Faschingdienstag, 13. Februar 2018

Heute ist Faschingdienstag. In manchen Gegenden ist das nicht der einzige lustige Tag, sondern der Abschluss von vielen Tagen, ja einer ganzen, der fünften Jahreszeit, wie der Karneval in Köln etwa genannt wird.

Viele sind heute verkleidet, manchmal auch am Arbeitsplatz. Fasching, die Zeit, einmal eine andere Rolle einzunehmen: wie fühle ich mich als Prinzessin, als Clown? In manchen Gegenden gibt es einen eigenen Faschingsbürgermeister. Die Rollen werden getauscht. Die Welt einmal aus anderer Perspektive! Und eine alte, auch kirchliche Tradition: einmal richtig Kritik anbringen, auch an der Chefetage, in Faschingskleidern und mit viel Humor. Ein geeignetes Ventil, um Druck abzubauen.

Köstlich und wichtig, diese unsere Welt immer wieder aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen, die anderen ein bisschen auf die Schaufel zu nehmen und uns selber auf die Schaufel nehmen zu lassen.

Wann haben Sie heute zum ersten Mal gelacht?!

 

Aschermittwoch, 14. Februar 2018

Heute ist Aschermittwoch. Wie klingt das für Sie? Etwa: Schluss mit lustig – heute ist wieder grauer Alltag, so grau wie das Aschenkreuz?

Es ist gut, dass es im Lauf des Jahres noch Unterschiede gibt. Wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass es alles - zu jeder Zeit gibt: Erdbeeren und Kirschen zu jeder Zeit.

Die Fastenzeit ist keine traurige Zeit, sondern eine Trainingszeit für mehr Freude: eine Freude, die tiefer geht und länger hält.

„Abschminken“: so kann ein Motto für die Fastenzeit lauten. Ich stelle mich der Wirklichkeit, in der Früh im Spiegel und überhaupt.

Und eines ist sehr erfreulich: niemals ist es so leicht, einen Vorsatz zu fassen und zu halten wie in der Fastenzeit: Ah, Fastenzeit, ok, 40 Tage rauchfrei, 40 Tage bleifrei. Das wird jetzt akzeptiert wie sonst nie im Jahr.

Der 1. Vorsatz für heute ist leicht zu halten: Einmal tief durchatmen und ein Kreuzzeichen. Schon geschafft! Ich gratuliere!

 

Donnerstag, 15. Februar 2018

Wir stehen am Beginn der Fastenzeit. Eine Trainingszeit für mehr Freude, für eine Freude, die tiefer geht und länger hält.

Man könnte auch sagen eine Trainingszeit für „Mehr durch Weniger“. Das klingt komisch und unrealistisch. Wir sind, geimpft durch den Zeitgeist, und da bin ich selber nicht ausgenommen, geprägt von Botschaften wie: Noch mehr, noch schneller, noch mehr Spaß, die Zeit noch mehr auskitzeln, Reizmaximierung, Spaßmaximierung.

Die Fastenzeit bietet uns Trainingseinheiten für mehr und größere Freude. Ein besonders schwieriges Training: Freude an weniger Lärm und mehr Stille. Freude an weniger Ablenkung und mehr bei mir selber sein Können.

Was brauche ich alles nicht, um glücklich zu sein? Was macht mir wirklich Freude?

Ich sage heute früh danke für jene Menschen, die mir Freude bereiten.

 

Freitag, 16. Februar 2018

Freude und Hoffnung! So beginnt einer der wichtigsten Texte des 2. Vatikanischen Konzils über die Aufgabe der Kirche in der Welt von heute. Freude und Hoffnung, und so heißt es weiter, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.

Christliche Freude ist nicht eine Freude durch die rosa Brille, wo ein Großteil der Wirklichkeit ausgeblendet wäre.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.

Beim Glauben geht es nicht um Pessimismus oder Optimismus, das ist eher eine Frage der Persönlichkeitsprägung. Sondern um eine Entscheidung für den Realismus: für das Leben, so wie es ist. Und für die Hoffnung, die von Gott kommt und für jeden Menschen gilt. Und da kommt auch unsere Freude her.

 

Samstag, 17. Februar 2018

Die Fastenzeit ist eine Trainigszeit für mehr Freude.

Was macht mir Freude? Worüber kann ich mich am meisten freuen?

Da gibt es die Schadenfreude. Im Dialekt gesagt, ich stelle dem andern ein Haxel, er fällt hin und liegt da – und ich bin im Zentrum der Aufmerksamkeit. So ist es bei den Volksschulkindern bis hin zu den Erwachsenen am Arbeitsplatz. Der andere liegt am Boden und ich stehe gut da.

Zugegeben: Schadenfreude ist eine Form von Freude. Aber: unterste Stufe. Ausbaufähig.

Ausbaustufe Freude: ich freue mich über und mit anderen Menschen mit: das hast du super gemacht! Welche Freude!

Höchste Ausbaustufe: ich mache jemandem eine Freude, ohne dass sie oder er weiß, dass ich dahinterstecke! Um ihm, um ihr eine Freude zu machen!

Gott, schenke mir Fantasie für das Gute! Wem möchte ich heute eine Freude machen?!