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Missionar aus dem Waldviertel: Pfarren in Kasachstan so groß wie Kärnten

Foto: Vortrag in Maria Laach - Pater Leopold Kropfreiter und "Missio"-Diözesandirektor Christian Poschenrieder

Maria Laach, 27.04.2018 (dsp) Pater Leopold Kropfreiter SJM fesselte seine vielen Zuhörer bei Vorträgen in Harbach, Arbesbach und Maria Laach, er kam auf Einladung des katholischen Hilfswerkes „Missio“. Der gebürtige Arbesbacher ging 2008 nach seiner Priesterweihe als Missionar in das mehrheitlich muslimische Kasachstan, einem Land, das 33 mal so groß wie Österreich ist und als das größte Binnenland (ohne Meereszugang) gilt. Er wirkt in den beiden Pfarren Korneewka und Tonkoschurowka, die die Größe von Kärnten haben.

Das riesige Land ist das eine Extrem, das andere sind die enormen Temperaturunterschiede: Im Sommer sind es 40 Grad plus, im Winter 40 Grad minus. Auch hier bringt der Pater von den "Servi Jesu et Mariae" seine Zuhörer zum Lachen: Ein kleines Training habe er mit seinem Aufwachsen in Arbesbach schon gehabt.

Der 38-jährige Priester kann von einer langen Geschichte des Christentums in dem zentralasiatischen Land erzählen. Es gebe sogar Spuren vom Christentum aus dem zweiten Jahrhundert, im 6. Jahrhundert haben nestorianische Christen bereits kirchliche Strukturen aufgebaut und im 12. und 13. Jahrhundert kamen die Franziskaner. Die meisten Katholiken seien aufgrund von Deportationen nach Kasachstan gekommen: 1936 waren es Polen und Ukrainer, später Deutsche – bis in die 1990er Jahre lebte eine Million in dem Land. Viele tausende Wolgadeutsche seien in der Steppe sich selbst überlassen worden, sie mussten zuerst in Erdhöhlen hausen, wo viele an Krankheiten und Hunger starben. Der christliche Glaube habe ihnen Hoffnung gegeben. Später erfuhren die Katholiken im Geheimen, wo ein Priester lebte und nahmen Fahrten von bis zu 1000 km auf sich, um diesen aufzusuchen.

Diese Volksgruppen würden jetzt wieder absiedeln. Die Herausforderung für Kropfreiter und die katholische Kirche sei es, weiter auf die kasachische Gesellschaft zuzugehen. Es freue ihn jedenfalls, dass es viele Erwachsenentaufen gebe. Begeistert erzählte der Arbesbacher vom kürzlich gefeierten Ostergottesdienst: Die mehrstündige Osterliturgie sei ein großartiges Fest gewesen - inklusive mehrere Taufen. Nach dem strengen Winter sei die Feier ein wahres Auferstehungserlebnis gewesen. Kasachstan hat vier Diözesen, in seiner Diözese ist Kropfreiter Diözesanjugendseelsorger. Und: er spielt in der kasachischen Priesterfußballnationalmannschaft, die jährlich an der Priester-EM teilnimmt. Die Kirche wolle den Menschen eine Perspektive und Würde geben, viele Kasachen seien von dem Satz „Gott liebt Dich!“ schlichtweg beeindruckt.

Schweres Erbe aus der Sowjetzeit

Pater Kropfreiter weiß um die vielen Probleme im Land, viele würden sich nach den Sowjetzeiten mit ihrer Ordnung und den Kolchosen zurücksehnen. Von einer früheren Pfarre berichtet er, dass diese über 100 Bettlern täglich eine Mahlzeit ermöglichte. Vor allem die Alkoholsucht zerstöre viele Familien, auch die Umweltzerstörungen aufgrund von Schwerindustrie oder als Erbe von hunderten Atombombentests seien schlimm. Die Menschen leben gerade am Lande bescheiden, seien aber trotzdem extrem gastfreundlich. An vieles habe er sich erst gewöhnen müssen: etwa an die durch Flöhe recht lebendigen Pelzmäntel oder an die kulinarischen Schmankerl wie Tieraugen oder -ohren.

Ab Herbst wird Kropfreiter die einzige christliche Schule des Landes leiten, die sich in seiner Pfarre befindet. Die Schule befindet sich übrigens in einem ehemaligen Parteigebäude der Kommunisten. Die Schule biete jungen Leuten große Chancen, so könnten Absolventen auch in Österreich studieren. Der Pater ist unermüdlich unterwegs. Er organisiert Jugendlager, Sozialaktion und besucht Pfarrangehörige im weitläufigen Pfarrgebiet – wie gesagt in der Größe von Kärnten. Erst bei minus 30 Grad bleibt er zuhause, auch ein Waldviertler habe Respekt vor lebensgefährlicher Kälte.

Pater Leopold Kropfreiter ist der jüngste von 12 Missionaren aus der Diözese St. Pölten, die in den unterschiedlichsten Gegenden der Welt wirken. „Missio“-Diözesandirektor Christian Poschenrieder kündigte beim Vortrag Kropfreiters in seiner Pfarre Maria Laach an, dass es im nächsten Jahr einen Missionsmonat in den österreichischen Diözesen geben soll.

Hilfsmöglichkeit für Sozialprojekte

Der junge sympathische Priester bittet um Hilfe für 6 Familien. Dies ermöglicht die Schulbildung von Kindern und so kann Kohle und Holz für die armen Menschen gekauft werden:
IBAN: AT96 6000 0000 0701 5500
BIC: BAWAATWW
Aktionscode: KAS-DP (unbedingt erforderlich)

Foto: Vortrag in Maria Laach - Pater Leopold Kropfreiter und "Missio"-Diözesandirektor Christian Poschenrieder