November
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Mehrheit der Österreicher glaubt an Gott

73 Prozent aller Österreicher glauben an Gott: Dies geht aus den neuen Daten der rund alle zehn Jahre durchgeführten Europäischen Wertestudie hervor. Der Vergleich mit dem Jahr 1990 - damals bekannten sich 77 Prozent aller Befragten dazu, an Gott zu glauben - zeigt einen konstant bleibenden Wert. Anders verhält es sich in Bezug auf die religiöse Praxis.


Laut Studie nahm die Zahl jener, die regelmäßig beten und Gottesdienste besuchen, im Zeitraum der vergangenen drei Jahrzehnte ab. Für die Studienautorin Regina Polak keine Überraschung, denn die "Entkoppelung" von Glaube und der zu ihm gehörenden Praxis sei in Westeuropa keine Neuheit. Seit 1990, der ersten Welle der Europäischen Wertestudie in Österreich, erforscht die Wiener Pastoraltheologin das religiöse Leben der Österreicher.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: 1990 gaben noch 19 Prozent der Befragten an, einmal in der Woche den Gottesdienst zu besuchen; 2018 waren es nur noch 15 Prozent. Und auch die Zahl jener, die täglich beten, ging zwischen 1999 und 2018 von 20 auf 16 Prozent zurück. Die Studie zeigt auch klar, dass Religiosität immer weniger an Institutionen gebunden ist. So deklarierten sich noch vor zehn Jahren 73 Prozent der Befragten als römisch-katholisch, 2018 waren es nur noch 63 Prozent. Ähnlich verlief die Entwicklung bei Personen ohne Bekenntnis. Die Zahl ist von 2008 bis 2018 von 16 auf 21 Prozent gestiegen.

Unverändert hoch ist hingegen das Selbstverständnis religiös zu sein geblieben. Sich selbst als religiös bezeichneten 2018 demnach 63 Prozent. Das ist im Vergleich zu 1990 nur ein Rückgang von sechs Prozent. Gleiches gilt für den Glauben an ein Leben nach dem Tod und den Himmel. Konkret stieg die Zahl jener, die an ein Weiterleben nach dem Tod glauben, zwischen 1990 und 2018 sogar von 44 auf 53 Prozent. Und auch die Zahl jener, die an einen Himmel glauben, nahm von 1990 bis 2018 von 39 auf 41 Prozent zu.

Religion wirkt identitätsstiftend

Dass der Glaube an Gott in der österreichischen Gesellschaft konstant hoch geblieben ist, erklärt Polak im Gespräch mit der Nachrichtenagentur "Kathpress" damit, dass Menschen gerade in Krisenzeiten von Natur aus nach Sinn, Orientierung und Gemeinschaft suchten. Religion wirke in einer Zeit der Pluralisierung für viele auch identitätsstiftend.

Angestoßen von den Anschlägen auf das "World Trade Center" im Jahr 2001 und die durch Migration zunehmende religiöse Pluralität in westlichen Gesellschaften sei Religion generell gesellschaftlich und politisch "hoch relevant" geworden. Polak rechnet künftig mit "heftigen Debatten" darüber, "wie öffentlich Glaube sein darf, wer politisches Handel als christlich bezeichnen darf oder in welcher Form sich Religions-Vertreter zu politischen Debatten äußern dürfen". Phänomene dieser Entwicklung seien etwa jetzt schon die Kopftuch-Debatte oder die Frage danach, ob der Islam zu Europa passe.

Bemerkenswert sei der steigende Zulauf zu religiösen Organisationen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. 2008 engagierten sich zwölf Prozent in Pfarren und kirchennahen Einrichtungen, in der Befragungswelle für die aktuelle Wertestudie nannten hier plötzlich 35 Prozent ein derartiges Engagement. Polak geht davon aus, dass hinter diesem Boom vor allem Freiwillige stehen, die sich im Zuge der Flüchtlingskrise vor drei Jahren bei der Caritas oder in Pfarren einbrachten. Auch in Deutschland lasse sich eine ähnliche Entwicklung feststellen. Dort erkläre man den Zulauf damit, dass Kirche dort punkte, wo sie klar Stellung bezieht. "Das kommt durchaus bei den Menschen gut an", so die Studienautorin.

Die Europäische Wertestudie ist eine wissenschaftliche Initiative, die es seit 1981 gibt. Sie beschäftigt sich mit den Schwerpunkten Arbeit/Beruf, Familie/Beziehung, Religion und Politik. In Österreich wurde die Studie bisher vier Mal durchgeführt: 1990, 1999, 2008 und 2018. Für die aktuelle Welle der Wertestudie wurden in Österreich im Zeitraum von 8. Jänner bis 19. April 2018 1.948 Personen befragt. (Info: www.werteforschung.at)