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Legendärer Amstettner Arbeiterpriester Franz Sieder wird 80

Franz Sieder

Amstetten, 10.01.2018 (dsp) Franz Sieder, der berühmte Amstettner Arbeiterpriester, wird am 13. Jänner 80 Jahre alt. Viele würdigen ihn, etwa aufgrund seines Einsatzes für soziale Gerechtigkeit. Der Brückenbauer zwischen Arbeitswelt und Kirche wird für seine Kumpelhaftigkeit und Kollegialität geschätzt. Viele  Bekannte und Wegbegleiter aus Kirche und Gewerkschaft würdigten den „roten Kaplan“, wie er manchmal genannt wird, ebenfalls. Immer wieder wird sein Wirken als „ein Leben für die Verkündigung des Evangeliums in der Arbeitswelt“ gesehen. Er gilt als großer Aussöhner zwischen Arbeitswelt, Sozialdemokratie und Kirche. Friede ist ihm ein zentrales Bedürfnis, dies predigt er etwa bei den jährlichen Friedensgottesdiensten im Wiener Stephansdom.

Wer ihm gratulieren möchte: am 13. und 14. Jänner zelebriert er Gottesdienste in der St. Stephans-kirche in Amstetten. Am 13. Jänner (10 Uhr) werden zwei neue Bücher von ihm in der Arbeiterkammer Amstetten präsentiert: Vom Werk „Propheten in Kirche und Sozialdemokratie“ ist er Herausgeber, von mein „Herz schlägt links“ ist er selber Verfasser.

Durch Handeln zum Glauben führen

Der Amstettner erzählt, wie fasziniert er von den französischen Arbeiterpriestern gewesen sei. Davon habe es zeitweise über 1000 gegeben. Sie wollten die Botschaft des Evangeliums nicht  durch Worte, sondern durch Handeln zu den Arbeiter/innen bringen. Gerade Arbeiterpriester müssten glaubwürdig sein, so Sieder. Man habe die Themen nicht so sehr diskutiert, sondern sei vielmehr vom Alltagsleben ausgegangen und habe praktisch gewirkt. Besonders inspirierend sei dabei der belgische Kardinal Joseph Leon Kardinal Cardijn (gest. 1967) gewesen. Er erinnert an einen Spruch Cardijns: „Jeder junge Arbeiter ist mehr wert als alles Gold der Erde!“ Sieder arbeitete selbst auch in zahlreichen Betrieben mit: in einer Wäscherei, bei den Böhlerwerken oder in einem großen Hendl-Betrieb.

Zentrales „Herzensanliegen“ Sieders sei in seiner Verkündigung der Einsatz für Gerechtigkeit gewesen. Mit Papst Franziskus habe er jetzt eine große Freude, weil er das lebe und dazu aufrufe, an die Ränder der Gesellschaft hinauszugehen. Er wünsche sich, dass die Anliegen der Arbeitswelt noch stärker in der Pastoral zum Tragen kommen.

Rote Vespa, Legende, Unikat

Priester Franz Sieder aus Amstetten gilt im Mostviertel und darüber hinaus schon ein wenig als lebende Legende - ua. kennt man den Priester überall, weil er eine spezielle Erscheinung hat: lange weiße Haare und rotes Moped-Vespa. Er ist kompromisslos für die Armen und für die Unterdrückten da, gilt in politischen Fragen als streitbar und ist wahrscheinlich einer der letzten Arbeiterpriester, 2016 ging er als Betriebsseelsorger in Pension. Berühmt sind seine handgeschriebenen Plakate, die er am Amstettner Bahnhof platziert und auf denen er sich kein Blatt vorm Mund nimmt. Viele Passanten lesen die sozialkritischen Botschaften Sieders dort und diskutieren heftig darüber. Ein großes Publikum erreichte er immer wieder mit seinen wirtschafts-, gesellschaftspolitischen und ethischen Veranstaltungen.

Der Jubilar hielt unzählige Predigten und Reden zu sozialer Gerechtigkeit aus der Sicht des christlichen Glaubens. Einige davon sind in den zwei Büchern „Gegen den Strom“ gesammelt. Legendär ist auch sein Einsatz für den arbeitsfreien Sonntag. Im Mostviertel ist der Geistliche weit durch sein Wirken als „Aushilfspriester“ für Gottesdienste bekannt.

Sieder kam 1938 in Ober-Grafendorf zur Welt, studierte Theologie in St. Pölten und empfing am 29. Juni 1962 die Priesterweihe. Nach dreijähriger Kaplanstätigkeit in der Pfarre Amstetten-St. Stephan war er von 1965 bis 1976 freigestellter Kaplan für die Katholische Arbeiterjugend, seit 1976 wirkt er als Betriebsseelsorger für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Mostviertels. Als überzeugter Pazifist war Sieder maßgeblich am Aufbau von Pax Christi Österreich und Pax Christi der Diözese St. Pölten beteiligt, seit 1989 ist er Geistlicher Assistent von Pax Christi Österreich. Weiters betätigt er sich seit 20 Jahren im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialismus (ACUS). Jahrelang war er auch Krankenhausseelsorger und engagiert sich seit einigen Jahren als Geistlicher Assistent für die Katholische Arbeiterbewegung Niederösterreich.