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Klöster öffnen Pforten zum "Tag des Denkmals"

Zahlreiche Stifte und Klöster Österreichs öffnen zum "Tag des Denkmals" am 30. September ihre Pforten und laden alle Interessierten bei freiem Eintritt zu einer Reise in die Kulturgeschichte.

Spezielle Programmpunkte und Führungen ermöglichen besondere Blicke auf das klösterliche kulturelle Erbe und machen Denkmalschutz und -pflege erlebbar, hieß es in einer Ankündigung der Tourismusvereinigung "Klösterreich". Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Schätze teilen - Europäisches Kulturerbejahr".

In Niederösterreich beteiligen sich die Stifte Altenburg, Göttweig, Klosterneuburg, Lilienfeld und Zwettl an der Initiative, in Oberösterreich die Stifte Lambach, St. Florian und Schlägl, in der Steiermark Stift St. Lambrecht, in Kärnten Stift St. Paul im Lavanttal und in Tirol Stift Stams. Im Zentrum der Veranstaltung stehen besonders jene Kunstwerke, die den über Jahrhunderte reichenden Beitrag der Klöster zu Sinnstiftung und Spiritualität vermitteln.

Im Waldviertler Stift Altenburg ist der sogenannte "lateinische Brief" aus dem Jahr 1144 die Hauptattraktion: Der damalige Bischof Reginbert von Passau schrieb darin, dass die "nobilissima domina" Hildburg, Witwe des Grafen Gebhard von Poigen-Rebgau, auf ihrem Gutsbesitz in Altenburg eine Mönchszelle nach der Regel des Hl. Benedikt erbaut und an die erste Mönchsgemeinschaft übergeben hat. Dies war vor 900 Jahren der Beginn klösterlichen Lebens in Altenburg. Neben dem Kloster besuchen die stündlichen Führungen ab 10 Uhr auch die vielen Höfe und Gärten des Klosters.

Im Wachau-Stift Göttweig, dessen historische Fassade soeben fertig renoviert wurde, gewähren Mönche in Sonderführungen Einblicke in die ebenfalls bereits über 900-jährige Geschichte des Klosters. Es gibt Kurzführungen in die diesjährigen Sonderausstellungen "Stift Göttweig brennt - Schicksalsjahr 1718" und "Luther in Stift Göttweig", für einen Sonderpreis (4,- Euro) auch in das Museum im Kaisertrakt.

Das Stift Klosterneuburg lenkt zum "Tag des Denkmals" den Blick in die Schatzkammer und hinter die Kulissen: Viele der hier vorzufindendenden Monstranzen, Vortragekreuze, Weihnachtskrippen und auch der Leopoldi-Ornat werden zu Festanlässen weiterhin liturgisch verwendet, teilte das Stift mit. Im benachbarten Paramentendepot wird die für den Erhalt nötige Infrastruktur vorgezeigt. (Führungen um 11, 14 und 15 Uhr).

Stift Lilienfeld, 1202 vom Babenbergerherzog Leopold VI. gestiftet, macht seine Besucher mit dem Skriptorium vertraut, sowie mit der wertvollsten Handschrift des Klosters, der "Concordantiae Caritatis" des Abtes Ulrich von Lilienfeld (1308-1358). Der Hauptraum der eindrucksvollen Klosterbibliothek wurde um 1700 mit intarsierten Bücherschränken, Stuck und Deckenfresken künstlerisch ausgestaltet. Auch der mittelalterliche Kreuzgang, die Kirche, das Dormitorium der Laienbrüder, der Kapitelsaal und das Brunnenhaus können bei den Führungen besichtigt werden.

Die Stiftsbibliothek mit ihrer Sonderausstellung "Gefunden, nicht gesucht" ist Ziel von Führungen im Stift Zwettl. Zu sehen sind u.a. der Entwurf Ferdinand Andris zur Michaelsfigur des "Zacherlhauses" in Wien (1908), bislang unbekannte Werke des Kremser Schmidt und der 2017 zurückgekehrte Rest der Antikensammlung von Gustav Schacherl (gest. 1917). Weiters kommen notwendige Pflegemaßnahmen in der Barockbibliothek ebenso zur Sprache wie Konservierungsstrategien im Umgang mit empfindlichen Dokumenten des Stiftsarchivs.

Oberösterreich: Rom, Salz und Jubiläum

"Rom durch die Jahrhunderte" lautet das Motto am "Tag des Denkmals" im Stift St. Florian. Verborgene Schätze aus den Stiftssammlungen werden präsentiert, zudem gibt es eine Führung durch die Sonderausstellung "Was von den Römern geblieben ist". Um 14:30 Uhr findet ein Orgelkonzert in der Stiftskirche statt.

Um den Weg des Salzes dreht sich der 30. September für Besucher des am Traunfluss gelegenen Lambach: Das "weiße Gold" passierte hier einst, von Hallstatt kommend, das Kloster. In selbem gibt es zum "Tag des Denkmals" Führungen, ein Kinderprogramm in der mittelalterlichen Schreibstube und geführte Wanderungen zu vier verschiedenen Kirchen im Umfeld.

Im Stift Schlägl steht am Programm des 30. September ein Pontifikalamt um 10 Uhr, ein Mittagessen im Stiftskeller, die Stiftsführung am Nachmittag, ein Konzert in der Stiftskirche und abschließend eine Pontifikalvesper. Das Prämonstratenserkloster im Böhmerwald feiert dieses Jahr sein 800-Jahr-Jubiläum und blickt aus diesem Anlass auf die "wechselvolle Geschichte des Klosters und seine Bedeutung für das Obere Mühlviertel in der Vergangenheit und Gegenwart" zurück.

Moderne Architektur und vergessener Festsaal

Moderne Architektur und ihre Verbindung zur historischen Substanz sieht man am 30. September im Stift St. Lambrecht. Führungen mit Christian Brugger vom Bundesdenkmalamt, Architekt Peter Reitmayr und Prior P. Gerwig Romirer bringen den Besuchern den Umbau des Seminarzentrums "Schule des Daseins", die Revitalisierung der gotischen Peterskirche und die Adaptierung der Mönchszellen näher. Man habe hier "Gespür für das Alte und Bereitschaft zu Neuem" gezeigt, heißt es in der Ankündigung.

In einen 1730 errichteten Festsaal in einem Gartenhaus, das einst zu Wohnzwecken umgebaut war und nach langem Vergessen erst 2017 bei der Instandsetzung des Daches wiederentdeckt wurde, gehen die "Tag des Denkmals"-Führungen im Stift Stams. Der barocke Saal wird zu diesem Anlass erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Generalthema "Schätze teilen" nimmt sich das kärntnerische Stift St. Paul im Lavanttal besonders zu Herzen, mit Verweisen auf das Historienbild, in dem Kaiser Franz I. Fürstabt Berthold Rotter das Kloster übergab. Ein weiteres Kaiserdekret bereits aus 1809 wies den Benediktinern von St. Blasien im Schwarzwald die Stiftsgebäude inklusive der Stiftsbibliothek und Kunstsammlungen von europäischem Rang zu. Der Fokus wird dabei auf das Jubiläum "250. Geburtstag von Kaiser Franz II./I." gelegt.

(18.09.2018, KAP)