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Katholischer Familienverband: „Vätern die Rolle ihres Lebens ermöglichen“

Katholischer Familienverband mit Vorstand, Vorsitzender Ursula Kovar, Familienlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister

St. Pölten, 21.10.2018 (dsp) Der Katholische Familienverband der Diözese St. Pölten hielt seine Jahreshauptversammlung 2018 in der Pfarre Krems-St. Paul ab. Man wolle Freude an und mit Kindern in der Gesellschaft vermitteln, betonte die Vorsitzende Ursula Kovar. Denn Kinder und Familien seien die Zukunft des Landes. Zentrales Thema der Tagung waren die Väter, welche auch der Jahresschwerpunkt der größten Familienorganisation des Landes sind.

Das Land nehme viel Geld in die Hand, um Familien zu unterstützen, so Familienlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Auch ihr sei das Väter-Thema wichtig, erklärte die Politikerin. Das Thema sei außerdem im Sinne der Frauen.
Vorsitzende Kovar präsentierte zahlreiche Projekte und Veranstaltungen des vergangenen Jahres: von der kostenlosen Steuerberatung für Familien über die Kinderspielstadt in St. Pölten mit 1200 Kindern bis hin zum Leihomadienst, der Kovar ein besonderes Anliegen ist. Das Angebot werde immer beliebter, sei niederschwellig und ideal, wenn in der Betreuung Lücken entstehen.

Der Katholische Familienverband freute sich über viele Teilnehmer und Ehrengäste: neben Christinane Teschl-Hofmeister ua. „Hausherr“ Toni Hofmarcher oder Helmut Prader, Geistlicher Assistent des Katholischen Familienverbandes Österreichs, der abschließend einen Gottesdienst mit den Teilnehmern feierte.
Der Katholische Familienverband zählt in der Diözese St. Pölten knapp 3000 Mitgliederfamilien und ist in einem Großteil der Pfarren aktiv.

Nur 5 Prozent der Väter in Karenz

Männerberater Matthias Geitzenauer wies in seinem Vortrag den Wandel der Väterbilder nach. Bis in die 1920er-Jahre sei der Vater als Familienkaiser bzw. Familienvorstand gesehen worden, Industrialisierung oder Zweiter Weltkrieg brachten große Veränderungen mit sich. Im Zuge der Werte Gleichberechtigung, Gewaltfreiheit und Demokratisierung habe sich ab den 1970er-Jahren auch die Sicht auf die Väterrolle massiv ändern müssen. Mit der verstärkten Beschäftigung mit Babys und einer intensiveren Beziehung würden die Väter viele neue soziale Komponenten lernen, sie werden fürsorglicher und es würde zu mehr Selbstsicherheit führen. Geitzenauer kritisiert, dass im Jahr 2015 in Österreich weiterhin nur knapp 5 Prozent der Väter in Karenz gingen.

Alte Rollenbilder würden noch immer mitspielen: Verpflichtung als Familienernährer, Haus bauen oder erfolgreich in der Firma zu sein. Das bedeute auch, sich durchsetzen zu müssen und Gefühle wegzuschieben. Andererseits würden immer mehr in neue Rollen schlüpfen, Väter gehen zu Elternabenden oder fahren mit dem Kinderwagen im Freien. Das Problem sei, dass die Kombination von alter und neuer Rolle zur Überforderung führen könne.

Was brauchen Väter? Wichtig sei die frühe Bindung zu den Kindern. Sie müssten weiters Zeit mit Kindern verbringen, aber nicht nur mit Spielen. Kinder würden spüren, wenn Väter auch in schwierigen Zeit da sind und Mütter bräuchten Verlässlichkeit von Vätern. Erst dann könnten Frauen loslassen und zum Beispiel in die Arbeit gehen. Geitzenauer appelliert auch an Unternehmen, Männern etwa bei Teilzeit entgegenzukommen. Der Männerberater betont außerdem: Väter bräuchten Räume, um sich mit anderen auszutauschen.

Abschließend forderte Geitzenauer: „Es muss Vätern die Chance ermöglicht werden, die Väterrolle zu leben, denn es ist die Rolle des Lebens!“

Foto: Katholischer Familienverband mit Vorstand, Vorsitzender Ursula Kovar, Familienlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister