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Interview ORF Niederösterreich

noe.ORF.at: Herr Bischof, in wenigen Tagen übergeben Sie nach 14 Jahren das Amt des Bischofs von St. Pölten an Alois Schwarz. Wenn Sie da auf die vergangenen 14 Jahre zurückblicken, was ist denn aus Ihrer Sicht besonders gelungen?

Klaus Küng: Ich würde sagen, dass sich eigentlich die Atmosphäre in der Diözese verändert hat. Für mich war das ein fast symbolisches Erleben, wie ich die erste Priesterweihe halten konnte. Das war schon einige Jahre nach Beginn – ich glaube, das dritte oder vierte Jahr - mit den Kandidaten, die schon vorher da waren und der Klerus hat sich beteiligt. Es herrschte eine gute Atmosphäre und da habe ich gemerkt, der Heilungsprozess ist im Gange und dafür bin ich eigentlich sehr dankbar.

noe.ORF.at: Wenn Sie zurückblicken: Was ist nicht gelungen? Was hätten Sie gerne geschafft und ist nicht möglich gewesen?

Küng: Ich bin manchmal sehr ungeduldig. Ich habe natürlich zuerst in der Diözese Feldkirch - die überhaupt nicht die schlechteste ist, sondern eine gute, sprich das sogenannte „Muster-Ländle“ - meine Erfahrungen und Beobachtungen gemacht, weil ich irgendwo bemerkt habe, dass wir eine Veränderung der Pastorale, in der die Familie immer stärker zu tragen kommt, brauchen. Das habe ich natürlich versucht umzusetzen und so einfach ist das nicht. Ich bin überzeugt, da gibt es ein Potenzial für die Zukunft.

noe.ORF.at: Was war denn damals eigentlich, als Sie hierhergekommen sind, Ihr Zugang? Das war eine äußerst schwierige Situation nach der Amtszeit von Bischof Kurt Krenn. Es gab Gräben in der Diözese. Wie sind Sie das damals angegangen?

Küng: Ich habe versucht mir ein objektives Bild von den Gegebenheiten zu machen. Ich glaube, dass Papst Johannes Paul II. mich auch deswegen ausgesucht hat für diese Aufgabe, weil er wusste, dass ich keine schlechte Beziehung zu Bischof Kurt hatte und, dass jene, die zu ihm stehen, auch Vertrauen haben. So war das eigentlich vor allem ein Zuhören. Diese ersten Monate waren sehr intensiv – mit sehr vielen Gesprächen, die ich natürlich alle dokumentieren musste. Ich habe mir dann eigentlich sehr bald ein Bild gemacht und glaube, die ersten Schritte gesetzt zu haben. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, zum Bischof der Diözese ernannt zu werden. Das war eine neue Situation.

noe.ORF.at: Was war in St. Pölten so anders als in Feldkirch, wo Sie 1989 geweiht worden sind und Bischof von Feldkirch geworden sind? Da gab es sogar Proteste und viele Bedenken gegen Sie. In St. Pölten war das ganz anders. Haben Sie sich verändert?

Küng: Ich glaube, dass das eine wichtige Erfahrung war, die mich auch gelehrt hat: Als Bischof kann man nichts erreichen, wenn es kein Vertrauen gibt. Das war für mich ein Lernprozess, dass sogar hinter jedem Protest ein Körnchen Wahrheit steckt und, wenn es einem gelingt, das bewusst zu machen und auch das anzuerkennen, dann führt das dazu, dass man sich auf einmal näher kommt und sich auch respektiert.

noe.ORF.at: Ihr Nachfolger ist Alois Schwarz, den Sie seit vielen Jahren aus der Bischofskonferenz kennen. Er ist seit 17 Jahren Bischof in Klagenfurt gewesen. Wie sehen Sie denn seine bisherige Tätigkeit? Wie haben Sie ihn erlebt?

Küng: Ich bin immer vorsichtig mit Urteilen aus der Ferne. Ich habe schon auch mitbekommen, dass es manche Turbulenzen gegeben hat. Ich kann das aus der Ferne nicht beurteilen. Da müsste man alle Seiten kennen – das ist nicht meine Aufgabe. Ich glaube, dass er ein Erfahrener ist, der auch die ganzen Gegebenheiten unserer Zeit kennt und ich sehe das auch so. Papst Franziskus hat ihn ernannt und dann ist das auch so anzunehmen. Ich bin zuversichtlich, dass das gut gehen wird.

noe.ORF.at: Was sehen Sie denn jetzt als größte Herausforderungen für die kommende Zeit für die Diözese St. Pölten?

Küng: Ich glaube, das ist eine Herausforderung, ähnlich wie in den meisten Diözesen im mitteleuropäischen Raum. Die Volkskirche ist in vielen Dingen zurückgegangen. Das muss durch ein Überzeugungschristentum ersetzt werden. Ich sehe das als eine ganz große Chance für die Zukunft und die Leute müssen sich auf die Hinterfüße stellen. Sie müssen überlegen, wie sie leben und ich bin zuversichtlich, dass sie da draufkommen und die Kirche hat ihren Auftrag, ihnen beizustehen und die Kirche wird eben dadurch erneuert. Daraus ergibt sich eine „Pfarre neu“ und eine „Kirche neu“, könnte man sagen.

noe.ORF.at: Sie haben schon gesagt, dass Sie nach Wien übersiedeln. Was haben Sie in den nächsten Jahren vor?

Küng: Ich freue mich darauf zur priesterlich bischöflichen Arbeit im spirituellen Sinn ohne Leitungsverpflichtung zurückzugehen. Ich bin auch in der Hoffnung, dass es ein bisserl ruhiger wird, um auch durchatmen zu können, um Zeit für ein Gebet oder für Lektüre zu haben.

Das Gespräch führte Robert Ziegler.