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Familienverband stellt Väterrolle in den Fokus

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Krems, 18.10.2018 (dsp) In Politik und Gesellschaft gab es in den vergangenen Jahrzehnten viele gute Schritte, die ein heute eindeutig positiv besetztes Bild des aktiven Vaters bewirkt haben, "am Ziel sind wir aber noch lange nicht": Das hat der Männerberater Matthias Geitzenauer dargelegt. Geitzenauer wird am 20. Oktober um 17 Uhr in einem öffentlichen Vortrag in der Pfarre Krems-St. Paul im Rahmen der Jahreshauptversammlung des diözesanen Katholischen Familienverbandes über die Vaterrolle im Wandel referieren.

Immer selbstverständlicher zeigten Väter heute mehr Präsenz zu Hause, besonders wenn Mütter außerhalb der Familie wichtige Rolle einnehmen, berichtete der langjährige Leiter einer Familienberatungsstelle. Die nötigen Vorbedingungen, um für ihre Kinder "gut da sein zu können", seien für beide Elternteile ähnlich: Zuvorderst gehörten dazu "Zeit, flexible Arbeitszeiten orientiert an den Bedürfnissen der Kinder und Kinderbetreuungseinrichtungen, die ihrem Alltag gerecht werden". Zusätzlich müssten auch die Frauengehälter ausreichend hoch sein, damit Männer im Beruf zurückstecken könnten, und es brauche ein "Bewusstsein, dass Kinder ein Recht auf ihre Väter haben".

Väter, die sich nicht für ihre Kinder engagieren, "versäumen einen wichtigen Teil ihres Lebens", betonte Geitzenauer. Von einem aktiven Vater profitierten jedoch vor allem die Kinder, und zwar "ein ganzes Leben": Da Väter ein anderes Erziehungs- und Spielverhalten mit den Kindern als Mütter an den Tag legten, könnten Kinder aus dieser Unterschiedlichkeit eine andere Sicherheit im Umgang mit sich selbst und der Umwelt erwerben. Wichtig sei, sich auf Kinder einzulassen, gemeinsam Mühen und schwierige Aufgaben des Alltags zu bewältigen und, aus Kindersicht, zu spüren, dass man sich auf den Vater verlassen kann.

Doppelte Anforderungen

Allerdings seien Väter derzeit in doppelter Weise gesellschaftlichen Erwartungen ausgesetzt: "Da sind die herkömmlichen Erwartungen wie die, der Familienerhalter zu sein, im Beruf präsent und flexibel einsetzbar zu sein, oder die, zum Häuselbauer zu werden. Zugleich besteht aber auch der Anspruch, ein aktiver Vater zu sein - eine Aufgabe, die genauso Zeit und Aufmerksamkeit braucht", bemerkte der Männerexperte. Der Versuch, alle Erwartungen zu erfüllen führe leicht in die Überforderung. Möglichkeiten der Reflexion seien hier besonders entlastend - in einer Männerberatung oder auch im regelmäßigen Austausch mit anderen Männern, die sich ebenfalls darum bemühten, verantwortungsbewusste Väter zu sein.

Es sei eine wichtige Aufgabe der Kirche, die Familie zu schützen als "Ort, wo unsere Kinder lernen, wie Beziehungen funktionieren", so der derzeit in Melk und Wien tätige Supervisor, Mediator und Coach. Sie solle gesellschaftliche Entwicklungen in Bezug auf ihre Elterntauglichkeit prüfen und gegensteuern, wo Gesetze zulasten von Familien gehen oder gar dazu geneigt sind, Väter aus dem Familienleben zu drängen.

Vorbilder in der Bibel

Durchaus enthalte die Bibel viele Vätervorbilder, erklärte Geitzenauer, der hier vor allem den Nährvater Jesu, Josef, hervorhob: Er sei bescheiden im Hintergrund geblieben, habe nicht viel Aufsehen um seine Vaterschaft gemacht, Maria bereits in der Schwangerschaft umsorgt und später den kleinen Jesus. Auf "Basis einer guten Vater-Sohn-Beziehung" habe Josef Jesus das Handwerk des Zimmermanns wie auch die anderen für ein bodenständiges Leben erforderlichen Fähigkeiten beigebracht, "und er ließ ihn ziehen, als der junge Mann etwas anderes im Sinn hatte als Zimmermann zu werden".

Auf ähnliche Weise verweise auch das Gleichnis vom barmherzigen Vater, der sich über die Rückkehr des verlorenen Sohnes freut, auf die "stabile Bindung, die es unseren Kindern ermöglicht, in die Welt hinaus zu gehen, in der Sicherheit, wieder Aufnahme zu finden wenn was schiefläuft." Die Vermischung der Begriffe "Vater" und "Gott" in der Bibel ist laut Geitzenauers Auffassung jedoch keine praktikable Anleitung für das Vatersein: "Kinder brauchen keine Götter, sondern Menschen zum Angreifen mit Fehlern und Schwächen."

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