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Adventkranz
 
 

Expertin: Kirchliche Museen immer auch Orte der Verkündigung

Statue Heiliger Koloman im Stift Melk

Melk, 20.03.2018 (dsp/KAP) Die Museen und Ausstellungen in Österreichs Klöstern und Stiften ziehen jährlich Kulturinteressierte aus aller Welt an, sind dabei jedoch als integrale Bestandteile lebendiger Ordensniederlassungen "ganz besondere Kunstorte": Darauf hat Helga Penz, die Leiterin des Referats für die Kulturgüter der Orden in Österreich, am Dienstag im Interview mit "Kathpress" hingewiesen. Penz hatte zuvor beim "NÖ Museumstag" in Stift Melk referiert, bei dem am Sonntag Vertreter zahlreicher Klöster und Stifte ihre neuesten Museumsprojekte präsentierten.

Ihr Kloster für Besucher zu öffnen, stelle für Ordensgemeinschaften eine besondere Herausforderung dar: "Stets muss man sich bemühen zu vermitteln, dass das Haus an sich ja kein Museum und nicht nur historisch relevant ist, sondern weiter als geistlicher Ort dient", so die Archivarin des Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg. Besonders wenn Besucher aus anderen Kulturkreisen kommen, muss auch scheinbar Selbstverständliches erklärt werden - konkret also etwa nicht nur Epoche, Alter und Künstler eines Bildes, Altares oder Klostertraktes, sondern auch dessen bis heute weiter bestehende religiöse Funktion. "Nie ist es nur museal, immer gibt es auch den Kontext", betonte Penz.

Auch auf die Stiftmuseen trifft dies zu: "Was hier ausgestellt ist, gehört dem Kloster und hat immer spezielle Bedeutung." Kirchliche Museen seien als "Orte der Verkündigung" zu verstehen und erlebbar, was durchaus den Grundsätzen moderner Museumspädagogik entspreche: "Heute begreift man, dass Museum nicht nur Orte der Belehrung, sondern auch Erlebnisorte sein sollen. Die in einem religiösen Objekt beinhaltete Geschichte ist meist ein spannendes Glaubenszeugnis, das den Dingen eine besondere Aura verleiht", so die Kunsthistorikerin.

Viele Klöster hätten sich schon lange vor dem Entstehen von Museen den Aufgaben der Bewahrung, Sammlung, Ausstellung und Vermittlung von Gegenständen gewidmet - unter anderem, um Gästen die eigene jahrhundertelange Geschichte näher zu bringen. Klöster seien zudem seit jeher Orte der Wissenschaftspflege gewesen, wie die Studienkabinette und naturkundlichen wie auch kunsthistorischen Sammlungen eindrucksvoll beweisen. Eigene Museumstrakte entstanden ab dem 19. Jahrhundert, darunter die 1818 eröffnete Seitenstettener Stiftsgalerie, "das älteste kunsthistorische Museum Niederösterreichs", wie Penz hervorhob.

Neue Projekte in den Klöstern

Speziell um diese "außergewöhnlichen Sammlungen" der Stiftsmuseen und ihre neuen Projekte ging es auch am 23. NÖ-Museumstag, zu dem sich am Sonntag 200 Museumsfachleute sowie Vertreter der Landespolitik und des Fremdenverkehrs im Stift Melk versammelten. Vertreter des Gastgeberklosters präsentierten dabei u.a. die Tourismusprogramme, Konzerte, Veranstaltungen sowie die Ausstellungen und Sonderführungen seiner Stiftsbibliothek sowie auch das "Wachaulabor", in dem Schüler des Stiftsgymnasiums jährlich wechselnde Ausstellungen selbst realisieren.

Deutliche Lebenszeichen gaben jedoch auch zahlreiche weitere Stifte: So berichtete etwa Bernhard Rameder über aktuelle Forschungen und eine mögliche Neuaufstellung des barocken Kunst- und  Naturalienkabinetts im Stift Göttweig oder Martin Haltrich über die Nutzung von Österreichs größter aktiver Klosterbibliothek im Stift  Klosterneuburg durch Studenten und Wissenschaftler. Die Sammlungen barocker Möbel sowie jene von Gemälden, Vögeln, Mineralien, Münzen und Kupferstichen auf Stift Lilienfeld stellte Irene Rabl vor, Eva Voglhuber und Barbara Taubinger die 2016 nach Restaurierung wiedereröffnete Schatzkammer Sonntagberg, die über 700 Votivgaben von WallfahrerInnen beherbergt. Über zeitgemäße Präsentationen von Sammlungsbeständen auf Stift Herzogenburg sprach schließlich Ulrich Mauterer.