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Ein reuiger Mörder - sagenhafte Geschichte aus dem Mostviertel

Foto: Winklarner Pfarrgemeinderat Alois Zehetner und die Bauersleute Rosmarie und Franz Herbst.

Winklarn, 07.08.2018 (dsp) Im Zuge der Renovierung der ältesten Kapelle von Winklarn bei Amstetten, verweisen die Bauersleute Franz und Rosmarie Herbst auf ein altehrwürdiges Bild, mit dem sich eine schaurige und reuige Sage verbindet. Diese Geschichte hat es auch tatsächlich in die Sagenwelt des Mostviertels geschafft.

Auf Holz gemacht und schon ziemlich verblichen, stellt es die Heilige Dreifeilatigkeit mit der Muttergottes Maria dar. Im linken Auge des Marienbildes ist eine kleine Vertiefung von bräunlichem Aussehen. Vermutlich stammt das Bild aus dem 18. Jahrhundert (laut unseren diözesanen Experten dürfte es allerdings nicht recht wertvoll sein).

Man erzählt sich:
Ein Bürger von Ulmerfeld (Nachbarort von Winklarn) lebte vor langer Zeit in recht ärmlichen Verhältnissen. Er, seine Frau und die große Kinderschar hatten nicht viel zu essen. Was Wunder, wenn er sich in einer üblen Stunde von einem Mitglied einer Räuberbande zu anfänglichen kleinen Streichen verleiten ließ? Mitgefangen, mitgehangen. Bald gehörte er der Bande an und beteiligte sich auch an den großen gemeinsamen Raubzügen. Eines Nachts wurde ein reisender Kaufmann von der Bande angefallen. Im Handgemenge erschlug das neue Bandenmitglied den Reisenden. Diese ruchlose Tat brachte aber die Wandlung des Räubers. Er lief ohne Beute davon, gepeinigt von den Qualen der Reue irrte er im Walde umher. Seine Seelenangst trieb ihn zum Bildstock der Muttergottes, um dort Ruhe zu finden. Dabei rutschte er auf den Knien zum Bildstock hin, verrichtete dort ein inniges Gebet um Erlösung von seiner schrecklichen Sünde und küsste das Bild der Gottesmutter auf den Mund. Durch das oftmalige Küssen wetzte er mit seiner großen Nase die Vertiefung am linken Auge der Gottesmutter aus und bräunte diese Einbuchtung – weil er ein leindenschaftlicher Schnupfer war – dabei mit Schnupftabak.

Das Bild hat also über Jahrhunderte bei der Kapelle (Bildstock) gehangen, seit 1922 ist es im Hof der Familie Herbst zu finden. Im Rahmen der Renovierung der Kapelle wurde an diese Episode erinnert.

Hinweis: bei dem Gnadenbild handelt es sich um eine übliche Darstellung eines Votivbildes, das in diesem Fall die Gnadenbilder von Sonntagberg und Maria Taferl verbindet. Das ist nicht unüblich für Votivbilder und weist auf den Brauch der „Mehrortswallfahrten“ hin. Dabei besuchte der Votant/die Votantin mehrere Wallfahrtsorte, um die Chance der Erhörung des Bittgesuches zu erhöhen.

Bei der Kapelle soll sich auch ein Wunder ereignet haben: eine Wieselburgerin mit Fußleiden zog einst mehrmals hin und - so erzählte sie - wurde geheilt.

Foto: Winklarner Pfarrgemeinderat Alois Zehetner und die Bauersleute Rosmarie und Franz Herbst.