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Digitalisierung: Chancen und Gefahren für Arbeitnehmer

Digitalisierung: Chancen und Gefahren für Arbeitnehmer

St. Pölten, 30.10.2018 (dsp) „Schöne digitale Welt – Fluch und Segen“ - damit beschäftigte sich ein hochkarätiger Studientag der Katholischen Arbeitnehmer/innen-Bewegung (KAB) in der Arbeiterkammer St. Pölten. Die Journalistin Ingrid Brodnig und der Ökonom Stephan Schulmeister orten massive Herausforderungen für Kirche, Politik und Gesellschaft durch die Digitalisierung und deren Missbrauch. Sie sprachen über Chancen und Gefahren für die Demokratie – auch in Hinblick auf die Chancen, die diese noch in den Kinderschuhen steckende Entwicklung mit sich bringe.

Kaum ein Bereich der modernen Welt mit all seinen offenen und ungeahnten Möglichkeiten stünde derzeit so sehr in Diskussion wie der digitale Fortschritt. Nicht wegen des Fortschritts, sondern wegen seiner Nutzung, die nicht immer zum Wohl des Menschen gereiche, hieß es bei der Tagung. Jede neue Technologie laufe Gefahr, auch missbraucht zu werden. Falschmeldungen – Fake News – und Manipulationen im Internet würden bereits schockierende Auswirkungen zeigen.

Brodnig: Gefahren durch digitale Medien

Mit den Gefahren für die Demokratie durch die digitale Welt befasste sich die Journalistin Ingrid Brodnig. An konkreten Beispielen zeigte sie, wie „irreführende Artikel“ bewusst gesteuert würden, um Personen zu desavouieren oder gleich ganze Gruppen zu kriminalisieren. Solche Falschmeldungen würden vorhandene Feindbilder nutzen und schaffen, verbunden mit neuen aktuellen Faktoren, emotionale Erregung. Dennoch, so Brodnig, sei derzeit nur ein kleiner Teil der Bevölkerung damit konfrontiert. Jene Gruppe, die im Internet 73 Prozent der Postings setzt, würden in Österreich nur etwa ein Fünftel der Nutzer ausmachen. Doch hätten Analysen über den jüngsten US-Wahlkampf gezeigt, dass dies „ein echtes Problem“ darstellen könne. Solche Fake News seien zum überwiegenden Teil im politisch rechten Lager angesiedelt, sagte Brodnig.

Schulmeister: Technische Innovation bedingt soziale Innovation

Der zweite Teil des KAB-Studientages war dem Thema „Digitalisierung in der Arbeitswelt“ gewidmet. Der bekannte Ökonom Stephan Schulmeister ging dabei der Frage nach, wie sich die Digitalisierung auf Fragen der Arbeitszeit und Sicherung des Sozialstaates auswirke. Durch die Digitalisierung würden sich viele Veränderungen in der Arbeits- und Lebenswelt ergeben. Nach Aussagen von Experten seien wir erst am Beginn dieser Entwicklung. Es würden schon viele Studien weltweit dazu erstellt, deren Aussagen sehr divergieren: von der Einsparung der Hälfte aller Arbeitsplätze bis zur Schaffung zusätzlicher neuer Arbeitsplätze.

Schulmeister weist in diesem Zusammenhang auf eine bedenkliche Entwicklung hin: Bei der technischen Innovation gebe es nur eine Vorwärtsentwicklung, ein Zurück auf einen früheren Stand gebe es dagegen nicht, was im Grunde genommen auch in Ordnung sei. Jedoch würden wir bei der sozialen Frage seit den 1970er Jahren einen Rückschritt erleben durch die Einführung eines weltweit agierenden neoliberalen Wirtschaftssystems.

Im Sinne von „Sehen – Urteilen – Handeln“ war ein Ziel der Veranstaltung, neben dem Aufzeigen der aktuellen Situation Handlungsanleitungen zu erarbeiten. Das Internet sei nach etwa 25 Jahre noch lange nicht ausgereift, weist Brodnig abschließend hin. Vieles müsse noch nachjustiert werden. Dafür brauche es aber neue Gesetze und Regelungen sowie Sicherheitsmechanismen, damit es nicht zum Schaden für die Nutzer werde.