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„Christen und Marxisten vereint jüdische Tradition der Befreiung“

Amstetten, 18.05.2018 (dsp) Auf Einladung von ACUS Amstetten (Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie) referierte der bekannte deutsche katholische Theologe, Buchautor und Mathematiker Kunibert (Kuno) Füssel über das Verhältnis von Karl Marx zum Christentum. Anlass der Diskussion, zu der der bekannte „Rote Kaplan“ Franz Sieder einlud, war der 200. Geburtstag von Marx.

Füssel, der ein Spezialist für das Verhältnis Marxismus und Christentum ist, ist inspiriert von Johann Baptist Metz, dem Begründer der politischen Theologie. Füssel erzählte den Lebensweg von Marx nach, der ein getaufter Jude war und der viele Anleihen aus der hebräischen Bibel genommen habe. Theologische Fragestellungen seien durchaus bei Karl Marx vorgekommen, auch wenn Marx ein radikaler Religionskritiker gewesen sei. Er habe vom schwäbischen Pietismus Anleihen genommen, den er in der Schule kennengelernt habe. Dieser sei vom Vorrang der Glaubenspraxis vor dem Spekulativen geprägt gewesen, das sieht Füssel heute auch bei Papst Franziskus, den er würdigt. „Es ging Karl Marx also um die Priorität der Praxis.“ Füssel berichtet, dass – wenig bekannt – sogar im Raum stand, dass Marx einen theologischen Lehrstuhl in Bonn annehmen sollte.

Der Gesellschaftstheoretiker und Philosoph Marx sei zwar ein „radikaler Religionskritiker“ gewesen, aber bei der Begrifflichkeit müsse man genauer hinschauen. Darüber hätte man mit Marx vernünftig diskutieren können. Gott sei eine relationale und dynamische Größe und nicht nur ein höheres Wesen. Karl Marx habe die biblische Exodus-Tradition der Befreiung gut gekannt. Marx habe nicht die Abschaffung der Religionen gefordert, sondern vielmehr ein verhimmlischtes Leben für die Menschen, also eine Umwandlung der Gesellschaft, bei der die Mächtigen vom Thron gestoßen werden. Inspiriert sei er von der Abschaffung der Menschenopfer gewesen, wie es in der Heiligen Schrift bei der Erzählung von Abraham und Isaak zu lesen ist. Marx war also gegen eine Theolgoie des Opfers. Marx habe weitere Bibelstellen immer wieder als Begründung gewählt.

Aus Sicht Füssels vereine Christen, Marxisten und Kommunisten, dass sie in der jüdischen Tradition der Befreiung stünden, sie seien in der jüdischen Tradition der Befreiung. Eine Annäherung zwischen den Gruppen könne es durch praktisches Engagement für Befreiung geben, so Füssel. Er wünsche sich „vereint freie Menschen, um eine gerechte und freie Gesellschaft zu erreichen“. Gut zu leben bedeute, sein Leben in Gemeinschaft und Freiheit umfassend gestalten zu können. Hier würden sich Befreiungstheologie, Christentum und Karl Marx gut treffen. Für das Heute bedeute das: „Ohne Gerechtigkeit kein Friede, wichtig ist der Kampf gegen Ausbeutung und für Befreiung.“ Füssel nennt ein Beispiel: „Menschen sterben für uns im Kongo, weil sie Edelmetall schlürfen. Was man dagegen tun kann? Konsumverzicht und Ökologisierung der Welt sind Rezepte dagegen.“

Foto: Günter Kiermaier, Kuno Füssel, Franz Sieder, Rudolf Schiller (ACUS), Leopold Gratzer (ACUS)