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Caritasdirektor Ziselsberger mahnt Freiheit für Asia Bibi ein

Caritasdirektor Hannes Ziselsberger

St. Pölten-Pakistan, 09.11.2018 (dsp) Der St. Pöltner Caritasdirektor Hannes Ziselsberger fordert deutliche Schritte zu mehr Religionsfreiheit in Pakistan ein. Die aktuellen Vorfälle rund um Asia Bibi würden zeigen, "dass Religionsfreiheit ein hohes Gut ist, das verteidigt werden muss", so Ziselsberger. Er hoffe sehr, dass Asia Bibi und ihre Familie "schon bald in Freiheit, Sicherheit und Frieden leben können".

"Gleichzeit hoffe ich, dass auch künftig die Regierung Pakistans nicht einem kleinen, gewalttätigen Mob nachgibt, sondern klar zum Ausdruck bringt, dass Religionsfreiheit ein Menschenrecht ist, dass allen Menschen im Land zusteht", so Ziselsberger weiter.

Über das aktuelle Befinden von Asia Bibi gab es am Donnerstag unterschiedliche Berichte. Die pakistanische Regierung hatte Berichte über die Ausreise von Asia Bibi ins Exil dementiert. "Das sind Fake News", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad. Informationsminister Fawad Chaudhry nannte Medienberichte über eine Flucht von Asia Bibi ins Ausland "verantwortungslos".

Die Berichte über eine Ausreise der vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochenen Katholikin waren erschienen, nachdem die Behörden die Entlassung von Asia Bibi aus dem Gefängnis in Multan und ihrem Flug zu einem "unbekannten Ziel" bekanntgegeben hatten. Wie die Tageszeitung "Dawn" berichtete, war Asia Bibi am Mittwochabend nach Islamabad geflogen und in der pakistanischen Hauptstadt zu einem sicheren Aufenthaltsort gebracht worden. Asia Bibi und ihre Familie haben Morddrohungen der Islamisten erhalten. Der radikale Islam ist in Pakistan die einflussreichste politische Kraft.

Asia Bibi war in der vergangenen Woche vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen worden und so der Todesstrafe entgangen. In den Tagen danach kam es in ganz Pakistan zu gewalttätigen Protesten der radikalislamischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) gegen den Freispruch. Nach der Zusicherung der Regierung, eine Revision des Urteils nicht zu blockieren und ein Ausreiseverbot für Asia Bibi zu verhängen, beendete die TLP zunächst die Proteste. Jedoch drohte die TLP für den Fall des Bruchs des Abkommens mit einer "Revolution".

Fragile Religionsfreiheit

Der Fall Aisa Bibi zeige deutlich, "dass gerade jetzt unsere Projektpartner in Pakistan unsere Unterstützung brauchen, damit nicht Hass und Gewalt, sondern Verständigung und gegenseitiger Respekt im Fokus bleiben", so Ziselsberger: "Seit vielen Jahren unterstützt die Caritas St. Pölten Hilfsprojekte. Dabei stehe vor allem Bildung als Schlüssel für ein friedliches Miteinander der Menschen - egal welcher Religion - im Vordergrund. Die beste Antwort den radikalen Strömungen entgegenzuwirken ist der interreligiöse Dialog und die Friedens- und Versöhnungsarbeit, die schon bisher ein wichtiger Teil der Caritas-Projekte in Pakistan waren."

Einer der Projektpartner ist die Nichtregierungsorganisation Faces. Vertreter der Organisation waren dieser Tage in Österreich. Die Christen in Pakistan lebten zunehmend in großer Angst, sagte Faces-Direktor Javaid William im "Kathpress"-Interview. Die Religionsfreiheit war in Pakistan schon immer eine sehr fragile. Doch seit Jahren sorge vor allem das Blasphemiegesetze für Diskussionen. Immer öfter, so der Vorwurf, werde es missbraucht, um gegen Andersgläubige vorzugehen oder persönliche Streitigkeiten auszutragen. "Im Prinzip reicht es schon, eine Zeitung wegzuschmeißen, denn in den Zeitungen sind in der Regel auch Koranstellen abgedruckt", so William.

Die Gewalt fanatischer Muslime richte sich aber nicht nur gegen die christliche Minderheit im Land. "Der Großteil jener, die in den vergangenen Jahren wegen Gotteslästerung angeklagt wurden, sind Muslime", berichtete William.

"Wir müssen daran arbeiten, die Einstellung der Menschen in Pakistan zu verändern", beschrieb Elaine Alam, Generalsekretärin von Faces, das Ziel der Caritas-Projekte. "Dabei geht es nicht nur um Christen. Es ist wichtig den Menschen in Pakistan zu erklären, dass alle Menschen die gleichen Rechte und die gleiche Würde haben", so Alam. 

Foto: Caritasdirektor Hannes Ziselsberger