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Bischof Küng im NÖN-Interview: „Abschied fällt nicht leicht“

Bischof DDr. Klaus Küng (Foto: Franz Schöffmann)

St. Pölten, 27.06.2018 (dsp) Bevor er am kommenden Sonntag das Amt des Diözesanbischofs von St. Pölten an Alois Schwarz übergeben wird, spricht Bischof Klaus Küng im NÖN-Interview über schwierige Zeiten und besondere Momente in seiner fast 14-jährigen Ära.

Sehr geehrter Herr Bischof. Sie werden am kommenden Sonntag das Amt als Bischof der Diözese St. Pölten an Bischof Alois Schwarz übergeben. Tun Sie das mit einem lachendem oder mit einem weinenden Auge?

Sowohl als auch: Mit einem lachenden, weil ich die Verantwortung abgeben kann und mit einem weinenden, weil jeder Abschied auch schwer ist.

Was waren die Höhepunkte in ihrer 14-jährigen Ära als Bischof von St. Pölten. Welche Momente waren die schwierigsten, die Ihnen in Erinnerung bleiben werden?

Eine besondere Freude war für mich, als ich nach einigen Jahren ohne Priesterweihe in der Diözese im Dom von St. Pölten mit reger Teilnahme des Klerus und in sehr guter Atmosphäre 5 Diakone, die alle noch unter dem früheren Regens im Seminar gewesen sind, die Priesterweihe spenden konnte. Das war für mich ein wichtiges Zeichen, dass der Heilungsprozess in der Diözese eingesetzt hat. Besonders frohe Momente waren auch die Bischofsweihe von Weihbischof Anton Leichtfried oder die Altarweihe in Maria Taferl als Abschluss der Renovierung; Schwierig war der Beginn meiner Tätigkeit in der Diözese St. Pölten als Visitator mit Schließung des Priesterseminars, die noch Bischof Krenn auf meinen Rat hin durchführte, und sehr mühsam war die kirchenrechtliche Aufarbeitung der Vorgänge im Seminar. Das hat viel Kraft gekostet.

Wo sehen Sie die großen Herausforderungen in der Kirche bzw. speziell in der Diözese St. Pölten für die kommenden Jahre?

Ähnlich wie in vielen Diözesen Mitteleuropas wird es notwendig sein eine neue Grundlage für die Seelsorge zu schaffen. Nach meiner Sicht wird es vor allem darum gehen, die christlichen Familien zu den wichtigsten Trägern der Weitergabe des Glaubens zu machen und eine Gebetsbewegung insbesondere für die jungen Generationen aufzubauen. Zur Schaffung einer neuen Grundlage gehört auch die Anpassung der Pfarrstrukturen für die heutige Zeit. Auch dem besonderen Charisma der Klöster, der Bewegungen und der Erneuerungsgemeinschaften wird eine nicht geringe Bedeutung zukommen.

Fällt Ihnen der Abschied aus St. Pölten schwer?

Land und Leute sind mir ans Herz gewachsen. Da fällt der Abschied nicht leicht.

Bevor Sie Bischof von St. Pölten wurden, waren Sie 15 Jahre lang als Bischof von Feldkirch in Ihrem Heimatbundesland Vorarlberg tätig. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen den beiden Bundesländern?

Es besteht ein beachtlicher Unterschied – das gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Politik – in der Art, wie eine Leitungsaufgabe, wenn man wirksam sein möchte, auszuüben ist. Unter den Alemannen ist die persönliche, private Initiative sehr groß geschrieben; es ist aber schwierig alle zusammen zu halten. Die Auseinandersetzungen sind im alemannischen Raum oft sehr direkt und manchmal ziemlich brutal, aber man weiß, woran man ist. Hier in Niederösterreich gilt das Prinzip Freundschaft, das sehr wertvoll ist, aber auch Gefahren in sich birgt; die Auseinandersetzungen laufen verborgener. Das hat wahrscheinlich auch mit der Geschichte zu tun.

Sie kennen Ihren Nachfolger Alois Schwarz schon sehr lange. Wie beurteilen Sie seine Arbeit in der Diözese Gurk-Klagenfurt in den letzten 17 Jahren?

Ich habe schon auch in der Vergangenheit manchmal von Turbulenzen gehört, war und bin aber der Meinung, dass solche aus der Entfernung schwer zu beurteilen sind. Bischof Alois hat seine Qualitäten und es wird gut gehen, wenn alle zusammenstehen. Die mediale Hetzkampagne gegen ihn tut mir sehr leid, weil sie für ihn sicher belastend ist und in der Diözese Verunsicherung auslöst. Letztlich sollen wir uns von solchen Kampagnen nicht zu sehr beeindrucken lassen und auf dem Weg weiter gehen, den wir vor Gott und mit dem Blick auf das Wohl der Menschen für richtig halten.

Werden Sie sich nach der Amtsübergabe auch einen Urlaub gönnen? Wo werden Sie Erholung suchen?

Zunächst werde ich übersiedeln. Für Juli habe ich zudem schon einige Verpflichtungen angenommen. Im August werde ich mir einige Wochen Erholung in Tirol gönnen, von wo aus auch die eine oder andere Fahrt ins Ländle möglich sein wird.

Sie werden dann zurück nach Wien in die Peterskirche wechseln, wo Sie bereits vor fast 50 Jahren als  Kaplan tätig waren. Welche Tätigkeiten werden Sie dort ausüben?

Ich werde zusammen mit Priestern und Laien in Gemeinschaft wohnen und als Bischof und Priester zur Verfügung stehen, auch in der Peterskirche, wo ich wieder regelmäßig Beichte hören, vielleicht auch die eine oder andere Messe übernehmen werde. Ich wurde auch schon von einem Pfarrverband unserer Diözese angefragt, ob ich mithelfen könnte. Kardinal Schönborn hat mich bereits als Firmspender der Erzdiözese Wien angefragt. Auch Bischof Benno hat mich eingeladen zu kommen. Ich freue mich auf die kommende Zeit.

Gibt es etwas, das Sie den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern zum Abschied mitgeben wollen?

Sie sollen zuversichtlich sein. NÖ ist ein schönes Land mit viel Zukunftspotential, auch in der Kirche. Es ist wichtig, dass – und ich wiederhole mich – alle mit dem Blick auf Gott und das Wohl der Menschen fest zusammenstehen und mit allen Kräften gemeinsam mit dem Bischof den Weg echter Erneuerung des Glaubens und der Kirche anstreben.

Foto: Franz Schöffmann