Diakonenweihe 2018 in der Stiftskirche Melk
Pfarrmedienwettbewerb 2018
Dank-Kampagne für Bischof Klaus Küng
 
 

Bildungshaus St. Benedikt: Seitenstettner Ärztin berichtete über ihr Wirken im Gaza-Streifen

Foto: Michaela Fried, Martin A. Fellacher, Josef Buchberger, Altabt Berthold Heigl OSB (Stift Seitenstetten)

Seitenstetten, 22.02.2018 (dsp) „Ihr Freunde lasst es mich einmal sagen: Gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehen. Mit meinen Wünschen, mit meinen Ängsten und Fragen, fühle ich mich nicht allein, gut euch zu sehen“. So begann Michaela Fried, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, im diözesanen Seitenstettner Bildungszentrum St. Benedikt ihren Bericht mit Lesung aus ihren Tagebucheinträgen über ihren erneuten Einsatz am Gaza im November 2017.

Als Ärztin und Therapeutin arbeitete die langjährige Pfarrgemeinderätin und Friedensaktivistin dort einige Wochen mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie zitierte P. Mario da Silva, der in der Kirche zur Hl. Familie in Gaza City vielen Menschen Hoffnung gibt und meinte, dass es schwierig sei, an die Zukunft zu denken. Es sei notwendig, die Gegenwart lebbar zu machen, da heute 70 Prozente von 1,9 Mio. Menschen am Gaza auf humanitäre Hilfe angewiesen seien.

Nirgendwo habe Michaela Fried die blindmachende Gewalt deutlicher gesehen als im Gazastreifen. Gewalt durch die ständige Unterdrückung von außen (durch die israelische Besatzung) und gewalttätige Konflikte im Inneren des Landes (durch die Hamas). Darunter habe die Zivilbevölkerung zu leiden. Arbeitslose Familienväter, beengte Wohnverhältnisse, Armut, zu wenig Trinkwasser und durch Stromknappheit verdorbene Nahrung würden ein Leben in Würde unmöglich machen. Die Folge davon seien Gewalt im ganzen Land, die sich täglich, stündlich an einem Funken entzünden könne. Gewalt, die sich aus dem makro-politischen System in das System Schule fortsetzt  und in der Familie, der kleinsten politischen Einheit, nicht Halt mache. „Überall ist Trauma, kranke Kinder, Totgeburten, keine entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten“, berichtet sie und meint, dass im Gaza eine der dramatischsten humanitären Krisen herrsche.

Das „Pädagogisches Institut für Neue Autorität PINA“ bietet ein Netzwerk für engagierten Menschen, die sich gesellschaftspolitisch - über Partei-, Konfessions- und andere Grenzen hinweg - engagieren möchten. Als Obfrau dieses Institutes möchte die Ärztin mit „Bridges for Hope and Peace“ gemeinsam mit einem Team vor Ort friedensstiftende Maßnahmen setzen, wo diese gebraucht werden. Basis für dieses Handeln sei der "Gewaltfreie Widerstand" aus Haim Omers "Neuer Autorität".

Sie sei überzeugt, dass Konflikte nur gelöst werden können, wenn wir ihren systemischen Kontext im Auge behalten. Dies gelte für innerfamiliäre Situationen ebenso wie für Probleme in größeren Zusammenhängen. Mit den 7 Säulen der Neuen Autorität Präsenz, Selbstkontrolle, Netzwerk, Widerstand, Beziehungsgesten, Transparenz und Wiedergutmachung setzt sie einen wichtigen Beitrag, um wieder Würde in den Alltag und Hoffnung zu geben.
 
Michaela Fried meinte weiter, dass der erste Weg der Traumatherapie sei, einen sicheren Ort zu haben, bei den Menschen zu sein und zuzuhören. Dazu sei es notwendig, über die therapeutische Arbeit mit den Frauen den Weg aus der Gewaltspirale einzuleiten. Ihr Motto sei: „Ich möchte Zeugnis ablegen, vor allem aber Menschen in Kriegsgebieten, unter Belagerung und auf der Flucht eine Stimme geben.“

Ein berührender und aufrüttelnder Abend, an dem die vielen Besucher/innen dankbar bekundeten, froh zu sein, mit Michaela Fried eine so wichtige glaubwürdige Botschafterin zu kennen, die Brücken zu Hoffnung und Frieden und einem Leben in Würde baut (Möglichkeiten der Förderung  - ideell, finanziell und personell - unter b4hp.org).

Foto: Michaela Fried, Martin A. Fellacher, Josef Buchberger, Altabt Berthold Heigl OSB (Stift Seitenstetten)