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Betriebsseelsorge Waldviertel startet Crowdfunding-Kampagen für neues Grundeinkommensprojekt

Logo Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel

Heidenreichstein, 18.01.2018 (dsp) „Immer mehr Menschen haben in diesem System keine Chance. Und was sie gerne tun würden ist nicht gefragt.“ Daher stelle sich die Betriebsseelsorge Obereres Waldviertel folgende Frage: „Was möchtest du von Herzen gerne tun? Es ist die Frage Fähigkeiten von Personen, die unsere Gesellschaft bereichern könnten.“ Und der langjährige Betriebsseelsorge Karl Immervoll fragte weiter: „Können Herzensangelegenheiten die Welt verändern?“

Unter diesem Titel gab es ein Philosophisches Café. Dort entstand der Gedanke, dass es möglich sein müsste, arbeitssuchenden Menschen, die einen Kurs des AMS machen müssen, vielleicht schon den 3. Berufsorientierungskurs, eine Alternative zu bieten: ein halbes Jahr sich mit etwas zu beschäftigen, das sie wirklich von Herzen gerne tun möchten!

Die Idee faszinierte, wurde in ein Konzept verfasst und erfolgreich verhandelt. Immervoll: „Zwar gibt es kein Geld dafür, aber wir dürfen das als Kurs anbieten und Menschen rund um Heidenreichstein dazu einladen. Das AMS unterstützt die TeilnehmerInnen. Einzige Bitte: Entscheide dich und formuliere: Was möchtest du von Herzen gerne tun? Der große Vorteil: das gilt für alle ohne irgendeine Vorbedingung.“

Von der Idee zum Modell

Heli war von Anfang dabei, er wollte sich in der Bibliothek engagieren. Michaela, Textilarbeiterin in der vor einiger Zeit in Konkurs gegangen Fabrik, die eine behinderte junge Frau in Pflege genommen hat, absolvierte gleichsam eine „Ausbildung“ in einer geschützten Werkstätte. Josef kam aus seinen vier Wänden heraus und machte sich beim Fußballverein nützlich. Und natürlich waren auch Grete, Fred und Petra von der Partie. Nach und nach kamen andere dazu. Wir kannten sie alle ja schon lange. Aber vom ersten Augenblick der „Maßnahme“, die individuell begonnen werden kann und 6 Monate dauert, wird jede Person von uns persönlich begleitet. Die Idee wurde zu einem Erfolgsmodell: Für alle war das halbe Jahr viel zu schnell um, denn es stärkte ihr Selbstbewusstsein und gab ihrem Leben Sinn. Einige bekamen durch ihre Tätigkeit einen Arbeitsplatz, andere durchbrachen ihre soziale Isolation und bekamen eine Aufgabe unter Menschen. Die Zeit der Maßnahme verging, der Kontakt blieb.

Der Unterschied

Was war nun das völlig andere in dieser Maßnahme? Die TeilnehmerInnen hatten keinen Druck mehr sich bewerben zu müssen. Alle waren schon seit Jahren Arbeit suchend und bewarben sich bei den in Frage kommenden Betrieben immer wieder erfolglos. „Und auch wenn es oft passiert, es gibt keinen Gewöhnungseffekt. Jede Ablehnung ist ein Schlag in die Magengrube!“, so Immervoll.

Nun bekamen sie für das was sie taten Anerkennung. Auf einmal war es kein Blödsinn mehr, für den sie Zeit vergeudeten statt zu „arbeiten“, sie konnten darauf hinweisen, dass dies eine ganz legale Sache im Rahmen des AMS ist, so etwas wie ein Kurs eben. Vor allem konnten sie etwas ausprobieren und entwickeln!

Arbeit neu definiert und Schritt in Richtung Grundeinkommen

Jeder Mensch habe Fähigkeiten, viele lägen brach. Arbeit bedeute, diese Fähigkeiten zu entwickeln und sie mit anderen Menschen zu teilen, das heißt sie in die Gesellschaft einzubringen. Das sei die Grundlage für das Experiment. Die positiven Erfahrungen ermutigen die Betriebsseelsorge die „Maßnahme“ auf 18 Monate auszudehnen. Etwa 1 Prozent der Heidenreichsteiner Bevölkerung soll einbezogen werden, Menschen, die wenig bis gar keine Chancen mehr auf diesem Arbeitsmarkt haben. Es sei eine einmalige Chance für die Region. Und es gebe zwei Forschungsziele:

Wie verändert sich die Situation der Einzelpersonen? Und wie wirkt sich das auf eine von der Krise geprägten Stadt wie Heidenreichstein aus, wenn Menschen, die durch Langzeitarbeitslosigkeit in sozialer Isolation sind, nun gemeinnützig tätig werden.

Das Grundeinkommensprojekt zeigt schon erste Erfolge, benötigt nun aber jede Unterstützung für eine wissenschaftliche Studie.

Dafür wurde bei
https://www.startnext.com/sts-grundeinkommensprojekt
ein Projekt angelegt, auf das die Betriebsseelsorge aufmerksam machen möchten. Hier finden sich Informationen rund um das Grundeinkommensprojekt in Heidenreichstein und die Möglichkeit für die wissenschaftliche Studie zu spenden. Dafür wurde eine Crowdfundingkampagene gestartet.

Weitere Beispiele:

Grete ist nach einem schweren Unfall gehbehindert. Sie geht mit Krücken, mit dem Auto kann sie selbst nicht fahren, das Einsteigen in Busse schafft sie ohne Hilfe nicht. Vorher hat sie in einer großen Firma im Büro gearbeitet. Die Firma hat sie gekündigt. Sie schreibt durchaus mit Erfolg Gedichte und Kurzgeschichten.

Fred, Mitte 50, ist gelernter Werkzeugmacher. Nach der Scheidung hatte er Probleme mit dem Alkohol und ist total ins Abseits gerutscht. Er hat sich wieder gefangen, ist trocken, lebt in seinem kleinen bescheidenen Haus – allein. Sein großes Hobby ist das Reparieren jeglicher Gegenstände und Geräte. Als Werkzeugmacher hat er keine Chance mehr, das Programmieren von CNC - Maschinen ist an ihm vorübergegangen.

Petra ist eine junge Mutter. Auf Grund einer Schwangerschaft musste sie ihr Studium aufgeben. Seither hat sie noch drei weitere Kinder geboren. Petra hat eine besondere Gabe auf Menschen zuzugehen, besonders auf Kinder. Den Freiraum, den sie mit Schule und Kindergarten an manchen Vormittagen hat gibt ihr nicht die Chance auf eine Erwerbsarbeit.
 
Möglichkeit, das Projekt zu unterstützen:

https://www.startnext.com/sts-grundeinkommensprojekt