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Asyl: Bischof Küng und Caritas in "Sorge um Verlust des Augenmaßes"

Bischof Klaus Küng besucht Übergangsklasse mit jugendlichen Flüchtlingen

St.Pölten, 06.04.2018 (dsp) Sorge über die derzeit stattfindenden Abschiebungen von gut integrierten Flüchtlingsfamilien, die bereits seit einigen Jahren in Österreich leben, hat der St. Pöltner Bischof Klaus Küng geäußert. Er habe gerade in den letzten Tagen von mehreren Pfarren, die Flüchtlinge aufgenommen und liebevoll betreut haben, "Hilferufe empfangen", sagte Küng am Freitag bei einem gemeinsamen Besuch mit dem St. Pöltner Caritasdirektor Hannes Ziselsberger in einer von der Caritas betriebenen "Übergangsklasse" mit jungen Flüchtlingen. Beide appellierten an Gesellschaft und Politik, "das Augenmaß nicht zu verlieren", heißt es in einer Caritas-Aussendung.

Mit dem Besuch hätten Küng und Ziselsberger auf diesen Umstand - die Abschiebung gut integrierter Flüchtlinge - hinweisen wollen. Passender Schauplatz dafür war die Übergangsklasse mit 18 Schülerinnen und Schüler aus sieben Nationen - der Großteil kommt aus Syrien und Afghanistan - im St. Pöltner Bildungszentrum für soziale Gesundheits- und Sozialberufe. Im Mittelpunkt steht dort laut Caritas das Erlernen der deutschen Sprache, es gebe aber auch Unterricht in Gegenständen wie Ethik, Geschichte, Mathematik oder Sport. "Einige der Schülerinnen haben in ihren Herkunftsländern keine Schule besucht und erst in Österreich Schreiben und Lesen gelernt", teilte die Caritas mit.

Bischof Küng habe sich von der "oft schwierigen Lebenssituation" der jungen Menschen persönlich ein Bild machen wollen. Er stellte gegenüber den Schülerinnen und Schülern klar, "dass wir Menschen in Not immer helfen werden". Der Caritas sei er sehr dankbar, dass sie am Höhepunkt der Flüchtlingswelle in Absprache mit dem Land Niederösterreich diese Initiative gestartet und in den beiden Jahren seit Bestand dieses Kurses hervorragende Arbeit geleistet habe.

"Von heute auf morgen außer Landes"

Bischof und Caritasdirektor trafen dabei einige Jugendliche, die ganz konkret von Abschiebungen betroffen sind - "entweder weil sie sich selbst in einem laufenden Asylverfahren befinden und jederzeit mit einem negativen Bescheid rechnen müssen oder weil sie miterleben, wie Mitschüler und Freunde, nach jahrelangen Integrationsbemühungen, von heute auf morgen außer Landes gebracht werden", wie die Caritas mitteilte. Küng nannte es "sehr bedauerlich", wenn bereits gut integrierte Personen das Land verlassen müssten.

Caritasdirektor Ziselsberger unterstrich diese Aussage. Es sei für ihn "unverständlich und bitter, dass gut integrierte Menschen aus den Pfarrhöfen oder Wohnungen heraus abgeschoben werden". Die politisch Verantwortlichen rief er auf, differenziert auf die einzelnen Fälle hinzusehen. Ein möglicher Lösungsansatz sei für ihn, das humanitäre Bleiberecht "großherziger anzuwenden" - wie zuletzt auch von Kardinal Christoph Schönborn gefordert. Vor den Schülerinnen und Schülern der Übergangsklasse sagte Ziselsberger, es sei für ihn "absolut unverständlich, dass derzeit junge, arbeitswillige Flüchtlinge, denen Österreich mittlerweile zur Heimat geworden ist, abgeschoben werden".