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„Was ich nicht daheb’, heb’ ich nicht an“

Mag. Johann Wimmer

St. Pölten, 22.02.2017 (dsp) Im Interview mit „Kirche bunt“ spricht der designierte Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten, Mag. Johann Wimmer, wie er sich auf sein neues Amt vorbereitet und wo er die Aufgaben der Pastoralen Dienste sieht.


Sie treten mit 1. Juli das Amt des neuen Direktors der Pastoralen Dienste an. Eine große Aufgabe. Haben Sie davor Respekt?

Mag. Wimmer: Ich werde nicht mit Ehrgeiz, sondern mit einer gewissen Leichtigkeit und einem hoffnungsvollen Optimismus an dieses Amt herantreten, und ich versuche nun bis Juli langsam hineinzuwachsen und meine Aufgabe kennenzulernen. Ich werde nach dem Motto agieren: Was ich nicht daheb’, heb’ ich nicht an. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, dann ist das vielleicht ein Zeichen, dass man da loslassen muss. Aber das alles wird sich weisen. Da heißt es klug, mit Hausverstand und Achtsamkeit zu agieren. Ich habe eine Krebserkrankung hinter mir und ich habe sie hoffnungsfroh und zuversichtlich gemeistert. Der liebe Gott hat mir eine zweite Halbzeit geschenkt und diese will ich gut, achtsam und auch ein wenig anders nutzen. Und anscheinend hat diese Arbeit noch auf mich gewartet.

Gibt es etwas, worin Ihnen Ihr Vorgänger, Dr. Sepp Winklmayr, ein Vorbild ist?

Ich habe beim Gottesdienst letzten Mittwoch in der Klostergasse gesagt, dass ich mit diesem Amt quasi in die Pastoralen Dienste eingeheiratet habe – und wie bei einer Ehe auch, geht es nicht um ein Haus, eine Struktur, eine Idee, nein es geht in jeder Beziehung um Menschen. Und das ist das Erbe von Sepp: dass er in seiner pastoralen Vision einfach immer den Menschen im Blickpunkt hatte. Es ging ihm immer um den Menschen – und das wird auch für mich so sein.

Was bringen Sie ins Amt mit?

Ich war über 30 Jahre lang als Pastoralassistent in der Pfarre Gföhl, wo meine Frau auch Pfarrsekretärin ist. Gemeinsam mit Pfarrer Thomas Pichler und Pfarrer in Ruhe Hermann Zainzinger sind wir ein starkes Team. Ich kenne also die Herausforderungen, die sich in den Pfarren stellen, aus eigener, langjähriger Erfahrung. Ich kenne aber auch die Situation in der Diözese gut. Speziell seit meiner Ausbildung zum Organisations- und Gemeindeberater im Rahmen der Kirche habe ich in der Begleitung dieser Beratungsprojekte Dynamiken in der Diözese kennengelernt, auch die von Pfarrverbänden. Man kriegt mit, was hilft und was gar nicht mehr hilft.

Und was hilft?

Es geht um Rahmenbedingungen, damit Leute vor Ort gute Arbeit leisten können. Ich spreche da bewusst von Leuten vor Ort, weil Priester gibt es wenige, und Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten sind auch zu wenig. Man merkt, dass die Partizipation immer wichtiger wird, dass Menschen sich beteiligen können. Sie wollen ihre Pfarre nicht im Stich lassen – das sind speziell die Pfarrgemeinderäte, die die Verantwortung spüren: Wir kriegen keinen Pfarrer mehr und wenn die Pfarre irgendwie überleben will, müssen wir hingehen und Hand anlegen.

Und da sehen Sie eine Aufgabe der Pastoralen Dienste?

Ja, denn es geht um Vernetzungsarbeit, um Entwicklung von pastoralen Werkzeugen, die in diesem Wandlungsprozess unterstützend und hilfreich sind. Für mich gilt der Grundsatz des Zweiten Vatikanischen Konzils: Die Kirche ist Zeichen und Werkzeug für die menschgewordene Liebe Gottes. Ein Zeichen darf nicht im Weg stehen, es hat Dienstfunktion und ist nicht Selbstzweck. Die Kirche als Zeichen darf den Weg zu einem erfüllten Leben zeigen, so wie Jesus es uns verheißt und nicht den Weg verstellen. Ein Werkzeug muss funktionieren. Ich ärgere mich, wenn ein neu gekauftes Werkzeug nach kurzer Zeit nicht mehr funktionstüchtig ist. Die Kirche darf in ihrer Gemeinschaft, in ihrer Struktur, in ihrem Programm und in ihrer Vision ein scharfes, gutes, funktionstüchtiges Werkzeug Gottes sein. Das ist für mich Herausforderung und Programm für die Leitung der Pastoralen Dienste mit all ihren Bereichen und Mitarbeitern. Übrigens das wichtigste Zeichen und das wichtigste Werkzeug ist immer der Mensch, das bin ich selber. Ich selbst bin die Botschaft, die die Menschen zuerst lesen.

Zurück zu Ihrer Pfarre Gföhl. Was war Ihnen in Ihrer Arbeit dort wichtig?

Mir war einfach wichtig, dass Gemeindeleben Freude macht. Es gibt so einen kleinen Satz in der Organisationstheorie, der besagt: Das Wie bestimmt das Was. Wie man etwas angeht auch mit welcher Haltung, hat eine enorme Auswirkung auf das, was rauskommt. Unser Pfarrhof hat eine offene Tür, da sind Leute gern gesehen und willkommen. So gibt es bei uns um 10 Uhr einen Kaffee und wer zufällig da ist, wird dazu eingeladen. Wir bemühen uns um eine Anerkennungskultur für MitarbeiterInnen, aber auch um eine Fehlerfreundlichkeit – man muss nicht perfekt sein, das geht übrigens nur mit viel Humor. Was in Gföhl auch besonders ist: Es gibt den Gospelchor Vielklang, den meine Frau leitet und wo ich im Tenor singe. Über diesen Chor wird viel von dieser Freude, Begeisterung, dieser leidenschaftlichen Spiritualität spürbar und das ist ansteckend. Wir haben am vergangenen Freitag beim Gedenkkonzert für Sepp Winkl­mayr gesungen. Dass sich das nun so fügt, dass ich da beim Gedenkkonzert für meinen Vorgänger mitsingen durfte, das hat mich und viele andere sehr berührt.

Was ist Ihr Wunsch – wie sollen die Pastoralen Dienste ausschauen, wenn Sie in knapp sieben Jahren in Pension gehen?

Da geht es mir weniger um Äußerlichkeiten oder um Zahlen, dass es z. B. weniger Kirchenaustritte gibt, sondern um eine innere Gestimmtheit, dass das, was wir tun, ein gutes Werkzeug ist und auf das hinzeigt, was uns trägt: nämlich die menschgewordene Liebe Gottes. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sagen können: Wir konnten etwas dazu beitragen, dass sich die Pfarren und die Diözese in diesen Zeiten, in der sich so viel verändert, positiv weiterentwickelt haben.

Was bedeutet der Glaube für Sie?

Das ist der Urgrund meines Lebens. Der Glaube trägt und hält mich. Gerade in meiner Erkrankung – da hatte ich einen Traum, da war gerade das Evangelium, wo Petrus aufs Wasser geht und quasi ertrinkt. Ich habe von diesem Wasser geträumt und da war ein riesiges Netz, das mich getragen und gehalten hat – und das ist so mein Bild: Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hände.

Sonja Planitzer, Kirche bunt

Foto: Schlager