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Trends zur Pfarrgemeinderatswahl in der Diözese: Wahlbeteiligung stabil, mehr Frauen

Diözesane Wahlkommission

St. Pölten, 19.03.2017 (dsp) Am 19. März wählten Zehntausende Katholikinnen und Katholiken die Pfarrgemeinderäte in der Diözese St. Pölten. Nach ersten Angaben blieb die Wahlbeteiligung stabil, man rechnet sogar mit einem leichten Plus, in einigen kleineren Pfarren lag die Beteiligung bei über 90 Prozent. Weitere Trends: die Pfarrgemeinderäte werden weiblicher, die Frauenquote steigt leicht, ebenso das durchschnittliche Alter.

Zahlen & Fakten zur PGR-Wahl

Wahlberechtigte

Insgesamt waren diesmal 442.746 KatholikInnen in der Diözese St. Pölten in 420 Pfarren wahlberechtigt. Neun Pfarren verschoben die Wahl auf einen späteren Zeitpunkt. Zur Diözese gehören 501.221 Katholik/innen (Stand Jänner 2017). Durchschnittliche Zahl der Gottesdienstfeiernden am Sonntag (Zählung 2015): ca.76.500.

Vorläufiges Wahl-Ergebnis am Wahlsonntag, 19. März 2017, Stand 19 Uhr:

Da viele Pfarren die Urwahl durchführen, finden die Gespräche über die Zu- oder Absage der KandidatInnen erst danach statt und die Meldung des Ergebnisses kann sich auf die folgenden Tage verschieben.

Auszählungsstand um 19 Uhr: 65,13% der Pfarren

Wahlbeteiligung: 66.124 abgegebene Stimmen, entspricht einer Wahlbeteiligung von 21,6% (annähernd gleich dem von 2012, wir erwarten eine Steigerung aufgrund der Wahlergebnisse der Landpfarren)

Neugewählte Pfarrgemeinderäte 1.276, entspricht 34,7%

Frauenanteil: 59,68% (leicht steigende Tendenz)

Altersdurchschnitt: 48,81 (leicht steigende Tendenz)

 

Erste Wahrnehmungen und Beobachtungen zur Wahl 2017:

Die Wahl wird ernst genommen. Die vielen Anfragen im Fachbereich Pfarrgemeinderäte, die Durchsicht von Pfarrblättern und Pfarrhomepages sowie Kontakte vor Ort sind eindeutige Signale, dass die PGR-Wahl von Pfarren und pfarrlichen Mitarbeiter/innen überwiegend sehr ernst genommen wird. Es wurde sehr viel Zeit, Energie, Phantasie und Herzblut in sorgfältige Wahlvorbereitung gelegt. Im Allgemeinen haben die Pfarren die Wahlvorbereitungen sehr engagiert und professionell gemacht.

Herausforderungen und Konflikte werden nicht gemieden. Im Zuge der Wahlvorbereitungen in den Pfarren traten vielerorts auch Konflikte auf: Auch das kann als Bestätigung des Ernstnehmens der Wahl gesehen werden und ist als Zeichen für die Lebendigkeit zu sehen.

Es gab große Anstrengungen zur Mobilisierung. Viele Pfarren bemühen sich, die Wahlschwelle möglichst niedrig zu halten durch persönliche Kontaktaufnahme z.B. durch flächendeckende Hauszustellung der Stimmzettel, besondere Aktionen am Wahltag (Pfarrcafé, Wahlzuckerl,...) und durch vermehrten Einsatz der Briefwahl.

Es gibt große Bereitschaft, die eigenen Begabungen einzubringen. Das Wahlmotto „Ich bin da.für!“ rückte die Personen und ihre Begabungen in den Mittelpunkt. Durch das Motto wussten sich ChristInnen in den Pfarren persönlich angesprochen und erklärten sich bereit Verantwortung für das Pfarrleben zu übernehmen: „Ich werde gebraucht! Es kommt auf mich und meinen Beitrag an!“ Dadurch wächst die Verbindlichkeit der KandidatInnen, die sich der PGR-Wahl stellen.

Kirche braucht Orte der Nähe und Weite. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft zur Vernetzung und zum Blick über den eigenen Kirchturm hinaus. Kirche ist viel mehr als unsere Pfarre! Wir sind Kirche zusammen mit den Pfarren in der Nachbarschaft oder im Pfarrverband oder im Dekanat. Kirche ist lebendig an vielen Orten: Pfarren, Krankenhäusern, Schulen, Jugendclubs, Bildungshäusern usw. Zusammen sind wir als Kirche da für die Menschen! Pfarrgemeinderäten ist bewusster, dass es Kirche mit Orten der Nähe und mit Räumen der Weite geben muss.

Die Bedeutung des Pfarrgemeinderates

Die Pfarrgemeinderatswahl zeigt nur die Spitze des Eisbergs: ChristInnen geben der Kirche ihr Gesicht, sie sind bereit, mit ihren Fähigkeiten und Interessen Pfarrgmeinde vor Ort entscheidend mitzugestalten. Kirche ist nicht in erster Linie eine Organisation für sich, sondern eine große Bewegung von Menschen die bereit sind, im sozialen Gefüge der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen für ein solidarisches, friedliches und zukunftsfähiges Miteinander der Menschen.

Der Pfarrgemeinderat ist das zentrale Gremium, das für das Leben und die Entwicklung der Pfarrgemeinde Verantwortung trägt. Er ist der wichtigste Kommunikationsknotenpunkt und Beratungsort an dem die Fäden was Seelsorge, Pfarrleben und Projekte in der Pfarre betrifft zusammenlaufen. Sein Zustandekommen ist ein Zeichen der Lebensfähigkeit einer Pfarrgemeinde.

Zusammen mit dem Pfarrer gestalten gewählte Frauen und Männer das Pfarrleben als Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Gläubigen. Der Pfarrgemeinderat ist sichtbarer Ausdruck der Beteiligung des Kirchenvolkes und ein wichtiges Stück gelebter Demokratie in der Kirche. Inmitten der Veränderungen und Umbrüche, denen die Kirche gegenwärtig ausgesetzt ist, kommt den neu gewählten Pfarrgemeinderäten eine wichtige Rolle zu.

Durch neue Herausforderungen werden sie stärker in die Leitungsverantwortung einsteigen müssen: Wie wollen wir morgen Kirche vor Ort leben? Wohin führt der Weg unserer Pfarrgemeinde? Pfarrgemeinderäte sind in Zukunft als Räte und Entscheider gefragt, es braucht gute, tragfähige Richtungsentscheidungen auf diese wichtigen Fragen.

Pfarrgemeinderäte sind die stabilen Verantwortungsträger vor Ort, um den Zusammenhalt und das Wachstum im Glauben zu fördern. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe in unseren Dörfern und Städten. So wird Kirche als Volk Gottes unterwegs in der Gesellschaft wirksam.

Bischofsvikar Gerhard Reitzinger, Leiter der Pastoralen Dienste St. Pölten und Peter Haslwanter, Referent für Pfarrgemeinderäte der Diöezese St. Pölten, betonen in einer gemeinsamen Stellungnahme:

Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Verantwortung des Volkes Gottes und seiner Mitglieder, also aller getauften Christ/innen, für die Verwirklichung der Sendung der Kirche neu in Erinnerung gerufen. Papst Franziskus fordert diese Umgestaltung der Kirche, gerade auch der Pfarren, sehr deutlich ein: „In jedem Fall sind wir alle gerufen, den anderen ein klares Zeugnis der heilbringenden Liebe des Herrn zu geben, der uns seine Nähe, sein Wort und seine Kraft schenkt und unserem Leben Sinn verleiht.“ (Evangelii gaudium, Nr. 121).

Pfarren und Pfarrverbände gehören zur Grundstruktur der Diözese. Sie sind wichtige Knotenpunkte im Netzwerk der Seelsorge. Sie bilden Orte der Nähe und eröffnen Räume mit weiten Horizonten. Das Leben der Pfarrgemeinden braucht die Mitarbeit vieler Christ/innen, sichtbar in den vielfältigen haupt- und ehrenamtlichen Diensten. Beteiligung ist das Schlüsselwort für das Verständnis von Kirche vor Ort und für die Pfarrgemeinderatswahl.

Die Wahl der Pfarrgemeinderäte unterstreicht, dass lebendige Kirche vor Ort in den Pfarrgemeinden für einen großen Teil der wahlberechtigten Katholik/innen in der Diözese sehr wichtig ist. Die PGR-Wahl ist ein wichtiges pastorales Ereignis in der Diözese und in den Pfarren: Es geht um die wichtige Fragen, was der christliche Glaube und die Gemeinde mit dem Menschsein zu tun haben. Ob und wie der Glaube und die christliche Gemeinde für die Menschen heute lebensdienlich sind.

Foto: Diözesane Wahlkommission