Aschenkreuz Dorfstetten
Altartuch mit Kreuzweg
Ministrantinnen mit Sammelwürfel der Fastenaktion
 
 

Studientag zu „Trauer in der Pfarre“: Trauernde sollen sich angenommen wissen

Sabine Holzschuh

Zwettl, 13.03.2017 (dsp) Einen Studientag zum Thema „Trauer in der Pfarre“ veranstalteten die Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten im Bildungshaus Stift Zwettl. Das Impulsreferat hielt die Regensburger Pastoraltheologin und Sozialpädagogin Sabine Holzschuh. Weiters standen Workshops zur Trauerbegleitung und Gestaltung von Abschiedsfeiern zur Auswahl.

Trauernde können sich wieder ihrem Alltag stellen, wenn sie sich angenommen erfahren – von anderen und von Gott; und wenn sie ihre Verstorbenen „aufgehoben“ wissen, betonte Holzschuh.

Der rituelle Raum mit tradierten Verhaltensweisen, Bräuchen (z.B. Trauerjahr), Riten und Gebeten (z.B. Sechswochen- und Jahresamt) um Tod und Trauer sei hilfreich, verblasse aber: So stehe etwa die Totenwache für einen konfrontativen Umgang mit dem Tod. Begreifen, dass der Verstorbene wirklich tot ist, beginne mit den Sinnen beim Anschauen und Berühren des Leichnams. Sterbegebete und Rosenkranz würden beruhigend wirken. Trauernde könnten noch etwas für den Verstorbenen tun, was Schuldgedanken vorbeugen könne, so Holzschuh. Heute würden sich oft Bestattungsinstitute im Komplettangebot um den „Todesfall“ kümmern: Waschen, Anziehen, Aufbahren und Einsargen der Leiche werden von unbeteiligten Dritten verrichtet. Der Tote werde innerhalb kurzer Zeit abgeholt, traditionelle Gebete und die Totenwache seien darum nur begrenzt möglich oder entfallen ersatzlos. Blumen und Kränze würden direkt ans Grab geliefert, der Sarg werde selten von Freunden oder Nachbarn des Verstorbenen getragen und häufig auch nicht mehr im Beisein der Trauergemeinde in die Erde gelassen, um starken Emotionen vorzubeugen. Christliche Existenz gewichtet Gemeinschaft und Individuum gleich. Demgegenüber sei auf dem florierenden „Ritualmarkt“ Individualität und persönliche Überzeugung vorrangig, die in der individuell-rituellen Gestaltung von Abschieden ihren Ausdruck findet.

Menschen wissen kaum noch, wie sich gegenüber Trauernden verhalten sollen

Ein Sozialraum tue sich auf, wenn Verwandte, Freunde, Nachbarn, Gemeindemitglieder Teilnahme bezeigen und Trost spenden, wenn Menschen damals und heute den Mut entwickeln, Trauernden zu begegnen. Kurzfristig gebe es bei einem Todesfall eine Solidargemeinschaft: In Todesanzeigen, Danksagungen und in der Teilnahme an der Bestattung werde die Zugehörigkeit zum Verstorbenen und den Hinterbliebenen ausgedrückt. Danach würden viele Trauernde allein bleiben. Menschen wüssten kaum noch, wie sie sich Trauernden gegenüber verhalten sollen.

Heilsam seien Menschen, die sich in „Mit-Leidenschaft“ ziehen lassen, sich in die Untröstlichkeit einfühlen und dabei ohne kluge Worte und hilflose Floskeln widerspiegeln: „Du hast allen Grund, so traurig zu sein.“ Trost lasse sich nicht machen, sondern er stelle sich ein. Aber Menschen könnten einen Raum eröffnen, in dem er möglich wird. Vor dem Trost-Wort steht das Tröster-Sein: „con-solare“, das lateinische Wort für trösten, heißt wörtlich: „mit dem Einsamen sein“. Schweigen kann spürbar das Da-sein ausdrücken, Schweigen löst behutsam die Einsamkeit auf und schafft Raum für Begegnung.

Wie die Jünger nach der Kreuzigung Jesu bräuchten Trauernde Begleiter, die mit ihnen auf die Suche nach Gott und Sinn gehen. Gefragt sei ein persönlicher Austausch über Glauben und Vertrauen: Erkennen sie in ihrer Lebensgeschichte Züge von Gottes Heilsgeschichte, fängt das Wort Gottes an, in ihnen zu leben. Erfahrungen, die nicht beim Tod stehen bleiben, könnten Menschen eine neue Lebensperspektive eröffnen. In Emmaus begegnet Jesus den Jüngern auf einer anderen Ebene: Er hält Mahl mit ihnen und sie „erkennen“ ihn beim Brotbrechen. Darin drückt sich seine Hingabe aus: Er selbst wird Nahrung für sie und gibt ihnen Anteil an sich. Sie sind hineingenommen in Leid und Tod, in Auferstehung und Herrlichkeit. Das geschehe in jeder Eucharistiefeier – „wirkliche“ Begegnung mit Christus im Innersten tröstet die Trauer. Durch diese Begegnung wendet sich die Trauer der Jünger: Ihr Vertrauen und Glaube an ihn ist erneuert – das lässt sie zurückkehren nach Jerusalem, von wo sie geflohen sind.