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Sonderausstellung von Promi-Architekten im Stift Altenburg eröffnet

Foto (Stift Altenburg/Margarete Jarmer): Abt Thomas Renner und Landesrat Ludwig Schleritzko eröffneten die Sonderausstellung

Altenburg, 04.05.2017 (dsp) Bis 26. Oktober 2017 präsentiert das Benediktinerstift Altenburg unter dem Titel „Retroperspektive. Architekturprojekte im historischen Kontext“ eine umfassende Werkschau der Projekte des berühmten Architekten-Teams Christian Jabornegg und András Pálffy. Bekannte Projekte von ihnen sind u.a. das österreichische Parlament, der St. Pöltner Domplatz oder eben Stift Altenburg.

Anhand von 41 Modellen aktueller und bereits umgesetzter Projekte wird die Auseinandersetzung der Architekten mit historischer Bausubstanz erstmals in dieser Ausführlichkeit in Österreich gezeigt. Eröffnet wurde die Sonderausstellung von Abt Thomas Renner und Landesrat Ludwig Schleritzko.

Stift Altenburg bildet mit den von Jabornegg & Pálffy geplanten Bereichen der Altane und der neu gestalteten Kellergeschosse nicht nur den Rahmen für die Ausstellung, sondern wird gleichsam auch selbst zum Objekt der vorgestellten Planungsmethode.

Die Ausstellung ist bis 26. Oktober 2017 täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr im Rahmen der Stiftsbesichtigung zugänglich.

Ausstellungsführungen mit Christian Jabornegg und András Pálffy am 24.6. und am 16.9.2017, jeweils um 15:00 Uhr, Treffpunkt im Foyer, Teilnahme mit einer gültigen Tageskarte kostenlos.

Weitere Infos: kultur.tourismus@stift-altenburg.at und www.stift-altenburg.at

Foto (Stift Altenburg/Margarete Jarmer): Abt Thomas Renner und Landesrat Ludwig Schleritzko eröffneten die Sonderausstellung

Fachliche Ausstellungsbeschreibung von Jabornegg & Pálffy:

Die im Rahmen der Ausstellung Retroperspektive im Stift Altenburg präsentierten Projekte von Jabornegg & Pálffy widmen sich mit ihrem thematischen Schwerpunkt vor allem der Auseinandersetzung mit historischer Bausubstanz. Der Umgang mit dieser Bauaufgabe ist bereits seit 1992 kontinuierlich im Arbeitsspektrum der Architekten präsent und bildet sich in der Ausstellung mit 41 Modellen ab. Dazu zählt aktuell auch die Generalsanierung des österreichischen Parlaments.

Ein Projekt wird ausschließlich über mehrere Modelle dokumentiert, in denen die einzelnen Bauphasen nachvollziehbar zusammengefasst sind. Auch wenn die Projekte den unterschiedlichsten Formen der Nutzung zugeordnet werden können, so bleibt ihr gemeinsamer Nenner die Anordnung innerhalb eines historischen Kontextes. Als große Klammer für diese Form der Auseinandersetzung lässt sich auch der Begriff der „Retroperspektive“ in Ansatz bringen, zumal er Perspektive als einen Prozess versteht, der nicht nur nach vorne schaut, sondern für die eigene Bedeutung auch den Blick zurück benötigt.

Architekturen wurden im Laufe ihrer Geschichte seit ihren Anfängen immer wieder zu neuen räumlichen Zuständen verändert, erweitert, überformt, und ergänzt. Diese Tatsache spiegelt sich, den jeweiligen Ansprüchen der Zeit folgend, in einem Gebäude wider, sei dies in Form veränderter Raumzuschnitte oder in einer neuen Oberflächentektonik. Die Gründe, ein historisches Raumgefüge zu erhalten oder dieses zumindest in Teilbereichen zu modifizieren, können auf die unterschiedlichsten Anlässe zurückgeführt werden.

Die architektonische Auseinandersetzung mit einer solchen Aufgabenstellung mag von ihrem Zugang her durchaus von pragmatischer Natur sein und sich an ökonomischen, terminlichen oder baulichen Möglichkeiten orientieren und aus solchen Gründen einen Neubau ausschließen. Die pragmatischen Motive können auch noch von einem konservatorischen Aspekt überlagert werden, der den möglichen Umgang mit den vorhandenen Räumen regelt, dabei aber auch wesentlich einschränkt.

In der Gesamtbewertung eines baulichen Gefüges wird dieses häufig von der Denkmalpflege zur Textsorte „Dokument“ erklärt. Eine genaue, reflektierende Lektüre dieses Textes ist die Voraussetzung dafür, räumliche Sequenzen in der Folge um- oder weiterschreiben zu können. Die aktuell oft gebrauchte Terminologie des „Weiterbauens“ entspricht durchaus dieser Forderung. Das Weiterbauen gründet aber stets auf einer topografischen oder objekthaften Gegenwart und damit auch auf einer Realität, der wir uns in keiner Weise entziehen können.

Der explizite Bezug zum Umfeld wird damit auch zur wesentlichen Grundlage des architektonischen Planens, das sich auf diese Weise in klar definierte räumliche, soziale und wirtschaftliche Strukturen einfügt und erst innerhalb dieser Gegebenheiten mit all ihren Gegensätzen und Widerständen seine tatsächliche Bedeutung erfährt. Es ist damit nicht mehr die Aura einer objekthaften Präsenz, die im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht, sondern vielmehr das tatsächliche Potential eines Eingriffes in seine Umgebung. Das Ergebnis dieser Bemühungen resultiert letztlich in einer Eigenständigkeit und Spezifizität, sodass es nur mit erheblichen Einschränkungen wiederholbar ist. Die Kopie wird auf diesem Weg schnell zum Zitat, aus dem die ursprüngliche Bedeutung schwer herauszulösen und zu entziffern ist. Eine dieser Aufgabenstellung folgende Praxis kristallisiert sich aber auch mehr und mehr als radikale Freiheit heraus, die es zulässt, nicht nur das Neue hinzustellen, sondern auch das Alte weiterzubauen.

Die Bedeutungen auf einen klaren Nenner zu bringen und gleichzeitig deren räumliche Qualitäten zur Entfaltung bringen zu können ist der Aspekt, der zum Ausgangspunkt wird, um typologisch klare, jedoch hochspezifische Lösungen innerhalb eines Kontextes zu erarbeiten. Die Präzision im Verhältnis von Inhalt, architektonischer Form und ihrer Materialität wird zur bestimmenden Referenz essentieller Aussagen, unabhängig vom Format der jeweiligen Handlung.

Auf dieser Grundlage verdichten sich Programm, räumliche Qualität und konstruktive Logik zu einer Sprache, die auch in gänzlich unterschiedlichen Aufgaben konsequent eingesetzt werden kann. Das Stift Altenburg, ausgezeichnet mit renommierten Architekturpreisen, fasst, außerhalb der Grenzen eines Modelles, exemplarisch mit seinem Umbau die Planungsmethode von Jabornegg & Pálffy erlebbar zusammen.