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Parallelen zwischen Apokalypse und Advent

P. DDr. Helmut Jakob Deibl  OSB

St. Pölten, 19.12.2017 (dsp) Auf adventliche Motive in apokalyptischen Texten der Bibel wies P. Helmut Jakob Deibl, Fundamentaltheologe an der Universität Wien, im traditionellen Adventgespräch des Katholischen AkademikerInnenverbandes der Diözese St. Pölten im Bildungshaus St. Hippolyt hin. Der Melker Benediktiner wies darauf hin, dass in den Schriften des Neuen Testaments die „gesamte apokalyptische Bilderwelt umgedeutet und auf Jesus bezogen“ werden.

Zwischen 200 v. Chr. und 50 n. Chr. seien apokalyptische Texte gang und gäbe gewesen, betonte der Theologe, und die Bilderwelt – etwa auch der Offenbarung des Johannes – den Menschen vertraut. Bei Jesus gebe es aber eine entscheidende Umdeutung der apokalyptischen Motive. Am Beispiel der endzeitlichen Rede im Lukasevangelium (Lk 21,5-38) zeigte Deibl, dass es sowohl bei apokalyptischen Themen als auch bei Advent und Weihnachten „um die Ankündigung eines neuen Weltzeitalters und einer neuen Weltordnung“ gehe. In der Schriftstelle fragten die Jünger zwar danach, wann dies alles geschehen werde, nicht aber was der Inhalt der neuen Ordnung sei. Diese sei nämlich „Jesus selbst“, so der Theologe.

Mitten in die apokalyptische Rede komme Trost: „Mit dem Verweis auf den Namen Jesu („Gott rettet“) wird ausgefaltet, dass dieser Name sie retten kann“, erklärte Deibl. Nicht mehr Beziehungen in Familien oder die Ordnung des Staates hätten eine letzte Bedeutung. Es gehe um die „Auflösung antiker Strukturen, die man nicht unterschätzen darf.“ Dadurch gehe auch eine große Sicherheit verloren, eine neue Ordnung bekomme jedoch Konturen: Das Christentum sei nicht an ein bestimmtes Volk, eine Sprache oder einen Staat gebunden. Es gebe zwar eine Erschütterung der gewohnten Verhältnisse, aber keine Vernichtung: „In eurem Durchhalten erwerbt ihr euer Leben.“

Fallen der Gestirne: das Ende der alten Ordnung

Das Sichtbarwerden von Zeichen an Sonne, Mond und Sternen bedeute, dass Kraft und Macht der heidnischen Götter erschüttert werde, wie der Benediktinerpater erklärte. Das Fallen der Gestirne zeige das Ende einer mythologischen Ordnung, eines Weltbildes, einer bestimmten Gesellschaftsordnung an. „Die Bilder der Gewalt werden verabschiedet und machen dem neuen Segen Platz. Nach dem Umsturz wird die Gestalt Jesu sichtbar.“ Das seien, so Deibl, auch weihnachtliche Motive: „Auch im Advent hören wir in den Lesungen apokalyptische Texte. Sie dienen dazu, den Blick auf Jesus freizumachen. Die apokalyptischen Texte verabschieden diese Bilder, und übrig bleibt Jesus, unverhüllt.“

Das Bild von den Blättern am Feigenbaum bedeute laut Deibl, dass jeder das Neue sehen könne, es brauche dazu „keine eingeweihten Zirkel und Auslegungen“. Das Königtum Gottes sei sichtbar nahe, dafür sei kein Sonderwissen notwendig; der wesentliche Umbruch sei mit Jesus bereits geschehen. Es gelte jedoch nach Jesu endzeitlicher Rede im Lukasevangelium zwei Extreme zu vermeiden: „Die einen sollen sich nicht zu sehr sorgen, die anderen sollen wachsam sein.“

Schließlich sprach Deibl die nach wie vor ungeklärte Entstehung des Weihnachtsfestes an: Eine Angebliche Übernahme des römischen Festes des Jupiter als „Sol invictus“ (unbesiegte Sonne) sei unwahrscheinlich. Es gebe nur ein paar Hinweise auf dieses Fest, das im Römischen Reich zudem nicht weit verbreitet gewesen sei. „Es muss ein besonderes menschliches Bedürfnis da gewesen sein“, betonte Deibl, „nur so konnte sich das Weihnachtsfest so schnell verbreiten.“