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Papst zur Öko-Krise: "Idee grenzenlosen Wachstums ist Lüge"

Die Idee eines unendlichen und grenzenlosen Wachstums "ist eine Lüge". Mit diesen Worten hat Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika "Laudato si" dem weltweit "vorherrschenden technokratischen Paradigma" eine Absage erteilt und eine Umkehr in Politik und Wirtschaft, aber auch im Lebensstil jedes und jeder einzelnen - ja, nicht weniger als eine "mutige kulturelle Revolution" - gefordert.

Als erster Papst stellte Franziskus im Juni 2015 Umweltschutz in das Zentrum eines Lehrschreibens, nicht ohne auf deren enge Verquickung mit Fragen von Armut, Entwicklung und Nachhaltigkeit einzugehen.

Der vom Papst kritisierte technokratische Paradigma nehme die gesamte Realität als Objekt wahr, die man grenzenlos manipulieren kann. Die von Ökonomen, Finanzexperten und Technologen so begeistert vertretene Wachstumsideologie "setzt aber die Lüge bezüglich der unbegrenzten Verfügbarkeit der Güter des Planeten voraus, die dazu führt, ihn bis zur Grenze und darüber hinaus auszupressen", so der Papst. Die an der Umweltschädigung ablesbaren Auswirkungen seien letztlich Zeichen eines "Reduktionismus ..., der das Leben des Menschen und die Gesellschaft in allen ihren Dimensionen in Mitleidenschaft zieht".

Das technokratische Paradigma tendiert nach der Beobachtung von Papst Franziskus dazu, die Wirtschaft und die Politik zu beherrschen. Die Wirtschaft nehme jede technologische Entwicklung im Hinblick auf den Profit an, "ohne auf mögliche negative Auswirkungen für den Menschen zu achten". Und als "Drama" bezeichnete der Papst den Umstand, dass die Politik sich offenbar ganz dem Diktat des "kurzfristigen Wachstums" verschrieben habe und sich mit größeren Zusammenhängen schwer tue.

Erde wird zu "unermesslicher Mülldeponie"

"Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln", beklagte der Papst "Konsumismus", "Wegwerfkultur" und Ausbeutung der Natur, die wiederum Ungleichheit und Ausgrenzung bedinge und zu Gewalt und Konflikten führe. Der Klimawandel ist für Franziskus ein wissenschaftliche belegtes Faktum und "ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen".

In "Laudato si" fordert er demgegenüber zu einem Paradigmenwechsel auf, der sich am Gemeinwohl orientiert. Gemeinwohl ist für den Papst "die Gesamtheit jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens, die sowohl den Gruppen als auch deren einzelnen Gliedern ein volleres und leichteres Erreichen der eigenen Vollendung ermöglichen". Es braucht ein neues Wirtschaftssystem, das über partizipative und demokratische Entscheidungsmechanismen den Zugang zu Ressourcen "für alle Kinder Gottes" garantiert. Bei dieser Transformation müsse das Ziel der Armutsreduktion und das Streben nach Gerechtigkeit im Zentrum stehen, betonte der Papst. Wörtlich heißt es in der Enzyklika: "Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihre Menschenwürde leben können, unvertretbar ist." Darum sei es an der Zeit, in einigen Teilen der Welt ein "Decrecimiento" - also eine Verlangsamung des Wachstums - zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann.

Politik und Wirtschaft im Dienst des Lebens

Die Politik dürfe sich nicht der Wirtschaft unterwerfen, und diese wiederum nicht dem Diktat der Technokratie. Beide - Politik und Wirtschaft - müssten sich entschieden "in den Dienst des Lebens" stellen, mahnte der Papst. Eine wirtschaftliche und technologische Entwicklung, die ausschließlich dem "Prinzip der Gewinnmaximierung" huldige und die nicht eine bessere Welt und höhere Lebensqualität hinterlasse, könne kein wirklicher Fortschritt sein. Franziskus appellierte: "Wir brauchen eine Politik, deren Denken einen weiten Horizont umfasst und die einem neuen, ganzheitlichen Ansatz zum Durchbruch verhilft, indem sie die verschiedenen Aspekte der Krise in einen interdisziplinären Dialog aufnimmt."

Auf diesem Weg seien die Religionen ein wichtiger Dialogpartner, sei doch der größte Teil der Weltbevölkerung "Glaubende", so der Papst. Dies müsse die Religionen letztlich veranlassen, auch untereinander "einen Dialog (...) aufzunehmen, der auf die Schonung der Natur, die Verteidigung der Armen und den Aufbau eines Netzes der gegenseitigen Achtung und der Geschwisterlichkeit ausgerichtet ist".

(18.08.2017, KAP)