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Papst setzt auf Nächstenliebe gegen Gewalt

Am zweiten und letzten Tag seines Besuchs in Ägypten hat Papst Franziskus bei einer Messe zu einer "Kultur des Dialogs, des Respekts und der Brüderlichkeit" aufgerufen. "Der einzige erlaubte Extremismus für Gläubige ist die Nächstenliebe", sagte er am Samstagmorgen bei der Feier in einem Stadion im Osten der ägyptischen Hauptstadt.

Jegliche andere Art von Extremismus "kommt nicht von Gott und gefällt ihm nicht", sagte der Papst vor rund 15.000 Gläubigen. Die ägyptischen Christen rief Franziskus drei Wochen nach den blutigen Anschlägen auf koptische Kirchen im Land mit mehr als 40 Toten zur Feindesliebe auf. Dies sei die Stärke der Christen und ein Schatz.

Beim Gottesdienst gab es strenge Sicherheitsvorkehrungen. Weite Bereiche der Zuschauerränge blieben gesperrt. Als der Papst vor Beginn der Messe eine Rundfahrt auf einem Golfwagen unternahm, schirmten ihn zwei Dutzend Sicherheitskräfte vor direkten Kontakten mit den Gläubigen weitgehend ab.

Bereits am Freitag hatte Franziskus alle Religionen zum gemeinsamen Kampf gegen Terror und Gewalt aufgerufen. Zusammen mit dem Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, verurteilte er Hass und Extremismus im Namen der Religion. Zugleich forderte er den Einsatz für Menschenwürde, Menschenrechte und Religionsfreiheit.

Trotz der Terrorgefahr verzichtete der Papst auf ein gepanzertes Fahrzeug und fuhr wie üblich in einem Kleinwagen durch Kairo. Franziskus ist erst der zweite Papst der Neuzeit, der das arabische Land besucht. Beobachter werteten die Reise als wichtigen Impuls für den Dialog zwischen Vatikan und islamischer Welt.

Ökumenische Erklärung mit Tawadros

Franziskus traf auch den ägyptischen Präsidenten al-Sisi und das Oberhaupt der koptischen Christen, Patriarch Tawadros I. Mit ihm zusammen unterzeichnete er eine ökumenische Erklärung. Darin wird das Leiden verfolgter Christen aller Konfessionen als "Zeichen und Werkzeug der Einheit" bezeichnet. Außerdem erinnerte der Papst an die koptischen Terroropfer: "Eure Leiden sind auch unsere Leiden, und ihr unschuldiges Blut vereint uns."

Franziskus hob auch die zentrale Rolle Ägyptens im Kampf gegen Extremismus und Gewalt im Nahen Osten hervor. Die Regierung habe die einzigartige Aufgabe, den Frieden in der Region zu stärken, sagte der Papst bei einem Treffen mit al-Sisi.

Großscheich al-Tayyeb rief dazu auf, Religion von einem falschen Verständnis zu reinigen, das sich auf sie beruft und "kleine Gruppen" zur Gewalt verführe. Er wandte sich zugleich gegen eine Verunglimpfung des Islam. Man könne nicht eine ganze Religion für die Taten einer fanatischen Minderheit verantwortlich machen.

Die internationale Friedenskonferenz war ein christlich-muslimisches Gipfeltreffen, wie es zuvor noch nie stattgefunden hatte. Denn außer dem Papst waren auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, Patriarch Bartholomaios I., sowie Spitzenvertreter der katholischen und orthodoxen Kirchen im Nahen Osten gekommen. Das Besondere war nicht zuletzt, dass die Einladung von muslimischer Seite ausging.

(29.04.2017, KAP)