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Papst: Kein Zurück zur alten lateinischen Messe

Papst Franziskus hat eine Rückkehr zur alten lateinischen Messe ausgeschlossen. Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sei "unumkehrbar", sagte er vor Teilnehmern einer liturgiewissenschaftlichen Tagung in Rom. Allerdings gelte es Oberflächlichkeiten und entstellende Praktiken zu beenden.

Dies heiße jedoch nicht, die Entscheidungen der Reform generell zu überdenken, sondern deren zugrundeliegenden Gründe ins Bewusstsein zu heben.

Auf die von seinem Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) gewährten Erleichterungen für Gottesdienste nach dem Messbuch von 1962 ging Franziskus in seiner Ansprache nicht ein. Vor zehn Jahren, am 14. September 2007, wurde die auch als "tridentinische Messe" bekannte Liturgie als "außerordentliche Form" des römischen Ritus wieder zugelassen.

Franziskus nannte die liturgische Bildung eine immer neue Herausforderung für Kleriker und Gläubige. Die Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil sei die "Frucht eines langen Weges". Darauf würden die vorangehenden sogenannten "Liturgischen Bewegungen" - in Österreich gilt hier Pius Parsch (1884-1954) als wichtigster Wegbereiter - deuten würden.

Päpste bauten "Weg in die Zukunft"

Seine Vorgänger seien weise genug gewesen, keine Schnellschüsse in die Wege zu bringen, sondern einen Weg in die Zukunft aufzubauen, sagte der Papst. Er nannte an dieser Stelle Pius X. (1903-1914), der Änderungen in der sakralen Musik und der Messordnung für den Sonntag einführte. Dieser Papst hatte auch eine Kommission für die "Generalreform der Liturgie" einberufen und es sei ihm bewusst gewesen, dass dies eine "große und gleichzeitig schwierige Aufgabe" sei.

Auch auf Pius XII. (1939-1958) ging Franziskus ein und erwähnte dessen Enzyklika Mediator Dei sowie die Gründung einer Studienkommission für die Überprüfung des Psalters, der Bedeutung des eucharistischen Fastens und der Benützung der gesprochenen Sprache im Messritus. Auch seine Reform zur Ostervigil und der Karwoche dürften nicht vergessen werden, so Franziskus. Pius XII. hatte die über Jahrhunderte am Karsamstagmorgen gefeierte Auferstehungsmesse in die Osternacht verlegt, weiters auch den Gründonnerstags-Gottesdienst auf den Abend und die Feier des Leidens und Sterbens Jesu in den Nachmittag des Karfreitag, zu den "angemessenen Stunden".

Konzil wollte "lebendige Liturgie"

Das Zweite Vatikanische Konzil sei somit die "Phase der Reife" dieser Reformvorhaben gewesen, erklärte Franziskus. Die hier beschlossene Liturgiereform habe den konkreten Bedürfnissen der Gläubigen entsprochen, damit eine "lebendige Liturgie" für die gesamte Kirche gelebt werden konnte. Großes Anliegen sei es dabei gewesen, den Gläubigen eine aktive Rolle zu geben und ihn nicht einfach als "fremden Zuschauer" in der Kirche aufzunehmen. Die Liturgie sei von ihrer Natur Liturgie des Volkes und nicht des Klerus, betonte der Papst. "Es ist das Handeln Gottes selbst für sein Volk, aber auch das Handeln des Volkes, das Gott, der spricht, hört und mit Lob antwortet".

Der vom Konzil in Gang gesetzte Prozess brauche jedoch Zeit und er sei noch nicht abgeschlossen, bemerkte Franziskus. Unter anderem seien auch Gehorsam und eine bedachte Anwendung der Bestimmungen seitens der Geistlichen wie der anderen Mitwirkenden nötig. Die Motive der damaligen Entscheidungen müssten heute "wiederentdeckt" werden. Zugleich seien die reformleitenden Prinzipien zu verinnerlichen, aber auch "die Disziplin und die Regeln zu beachten".

Als besonderen "Reichtum" in der katholischen Kirche würdigte Franziskus die verschiedenen Riten und Gebete in den verschiedenen kirchlichen Traditionen und Ostkirchen.

(KAP, 26.08.2017)