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Papst Franziskus in Kolumbien

Papst Franziskus ist zu seiner Versöhnungsmission in Kolumbien eingetroffen und von Hundertausenden Menschen begeistert empfangen worden.

Im Mittelpunkt seines ersten Besuchstages stehen am Donnerstag Gespräche mit Staatspräsident Juan Manuel Santos, eine Rede vor Vertretern aus Politik und Gesellschaft sowie ein großer Freiluftgottesdienst in einem Park der Hauptstadt Bogota.

 

Franziskus landete in der Nacht (mitteleuropäischer Zeit) nach gut zwölfstündigem Flug am Militärflughafen von Bogota. Wegen des Hurrikans Irma über der Karibik musste die Maschine einen Umweg nehmen. Zum Empfang hatte Kolumbiens Regierung unter anderem Teilnehmer der Friedensverhandlungen mit den Guerilla-Organisationen FARC und ELN, Vertreter der indigenen Verbände, sozialer Stiftungen, Künstler, Sportler, Gouverneure und Bürgermeister eingeladen.

 

Auf dem Vorplatz des Flughafens umging der Papst das Protokoll, als er Kriegsverwundete des Bürgerkriegs in ihren Rollstühlen sah. Bei dem ungeplanten Zusammentreffen kam es zu emotionalen Szenen. Der Papst begrüßte die ehemaligen Soldaten mit Umarmungen und schüttelte ihre Hände.

 

Eines der Kinder, die Franziskus am Flughafen begrüßten, war Emmanuel Rojas, Sohn der über Jahre entführten Politikerin Clara Rojas, einer ehemaligen Mitstreiterin der mit ihr entführten Grünen-Politikerin und Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Emmanuel wurde in der Gefangenschaft von Rojas und einem Guerillero gezeugt. Er wurde von der FARC unter bis heute ungeklärten Umständen an ein Hospital und an die staatliche Fürsorge übergeben. Erst nach ihrer Freilassung 2008 konnte Rojas ihren Sohn wiedersehen. Emmanuel übergab dem Papst als Geschenk eine Friedenstaube der Künstlerin Ana Gonzalez Rojas. "Die Taube signalisiert Frieden in Kolumbien und wir wollen, dass uns der Frieden durch Gott gegeben wird, wie es der Papst gesagt hat", erklärt der Bub anschließend sichtlich bewegt.

 

Hunderttausende auf den Straßen

 

Begleitet von hunderttausenden Menschen an den Straßen, die weiße Blumen auf das Papmobil warfen und "Es lebe der Frieden!" riefen, machte sich Franziskus im Anschluss auf den Weg in sein Quartier in der Apostolischen Nuntiatur - über die Calle 26, eine der wichtigsten Verkehrsachsen Bogotas. Während der Fahrt hielt es manche Menschen nicht hinter den Absperrungen. Zeitweise gab es für das Papamobil kein Durchkommen mehr, die Sicherheitsleute reagierten sichtbar nervös.

 

An der Nuntiatur angekommen, sprach der Papst erstmals zu den Kolumbianern. Seine Botschaft galt Jugendlichen, die unter anderem aus dem bettelarmen Stadtteil Bronx stammen und sich mit Hilfe der Kirche von der Straße zurück ins Leben gekämpft haben. Die Kids tanzen, rappen und singen für den Papst, der das sichtlich genießt. "Macht weiter so", rief Franziskus ihnen zu. Sie sollten sich unterkriegen und nicht täuschen lassen: "Lasst euch die Freude und die Hoffnung nicht stehlen."

 

"Spezielle Reise"

 

Zuvor hatte der Papst auf dem Flug von Rom nach Bogota vor mitreisenden Journalisten von einer "etwas speziellen Reise" gesprochen. Vor allem wolle er dem Land helfen, auf seinem Friedensweg voranzugehen. In Kolumbien haben sich die Regierung und die linke FARC-Guerilla nach fünf Jahrzehnten bewaffneten Kampfs auf die Umsetzung eines Friedensplans verständigt.

 

Kurz vor dem Papstbesuch einigte sich die Regierung zudem mit der zweiten Guerillaorganisation ELN auf eine einstweilige Waffenruhe. Allerdings sind Kolumbiens Bevölkerung und Kirche über den Umgang mit der militanten Vergangenheit und die gesellschaftliche Integration der ehemaligen Kämpfer tief gespalten.

 

Franziskus hatte eine Visite in Kolumbien für den Fall zugesagt, dass der Friedensprozess mit der FARC zu einem guten Ende käme. Das entsprechende Abkommen passierte Ende November das Parlament in Bogota. Es ist die 20. Auslandsreise und die 5. Lateinamerika-Reise des aus Argentinien stammenden Papstes. Vor Franziskus besuchten bereits Paul VI. (1968) und Johannes Paul II. (1986) Kolumbien.

 

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(KAP, 07.09.2017)