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Österreichs Orden begrüßen "Mahnung und Ermutigung" des Papstes

Foto: Karin Bruder

Wien-Vatikanstadt, 06.02.2017 (dsp/KAP) Papst Franziskus' Forderung an die Orden nach Reformen und einem Blick nach vorne stößt bei Österreichs Ordensgemeinschaften auf offene Ohren. Abtpräses Christian Haidinger, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften und emeritierter Abt von Stift Altenburg, nimmt die Aussagen des Papstes als "positive Herausforderung: "Das ist die Realität, an der wir nicht mehr vorbeischauen können und auch nicht vorbeischauen wollen."

In Österreich sei man aber auf einem guten Weg: "Ich meine schon, dass wir dabei sind, die Zeichen der Zeit nicht nur zu sehen, sondern auch zu deuten und danach zu handeln", so Haidinger in einer Aussendung der Ordensgemeinschaften am Montag. "Dankbar" denke er etwa an die Entwicklungen der Vereinigung von Ordensschulen, an das gemeinsame Suchen der Ordensspitäler nach einer guten Zukunft oder an die Bereitschaft, Werke aufzugeben, "weil das heute nicht mehr die direkte Aufgabe von Ordensleuten ist".

"Beunruhigend" seien allerdings die steigenden Austrittszahlen aus Orden, wogegen die Gemeinschaften "kein Rezept" hätten. Wichtig sei deshalb, so der Vorsitzende, "bei der Auswahl zum Eintritt in eine Gemeinschaft mehr Sorgfalt zu üben und für die ersten Jahre viel mehr fordernde und fördernde Begleitung zu entwickeln". Und entlang des langen Lineals der Geschichte sei die Zahl der Ordensleute "nicht als Niedergang sondern als Rückkehr zur Normalität vor 1850 zu sehen".

Ernst nimmt die "prophetische Mahnung aber auch Ermutigung" des Papstes auch Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden. Vieles, was der Papst sage, treffe auch auf Österreich zu, "aber wir erleben auch, dass die Frische des Evangeliums keine Altersgrenze kennt".

Entmutigen lässt sich Sr. Mayrhofer auch von der rückläufigen Zahl der Ordensfrauen nicht: "Auch wenn wir weniger werden, so sind wir durch unseren Dienst, unser Wort und unser Zeugnis präsent in Gesellschaft und Kirche." Es brauche einen realistischen Blick, der die Situation der Ordensfrauen "nüchtern betrachtet" und "gleichzeitig mit der verlässlichen Führung Gottes rechnet", so Mayrhofer. 

Papst fordert Ordensgemeinschaften zu Reformen auf

Franziskus warnte am 2. Februar, dem "Tag des Geweihten Lebens", vor einer "Glorifizierung der eigenen Vergangenheit". Ordensgemeinschaften dürften den heutigen Herausforderungen nicht ausweichen, indem sie nur auf "die ruhmreichen - aber vergangenen - Taten" zurückblickten, sagte er in Rom vor Ordensleuten im Petersdom.

Orden, die sich ausschließlich auf das eigene Überleben konzentrierten, würden "reaktionär und ängstlich", so Franziskus. Eine solche Haltung führe dazu, "dass wir uns langsam und lautlos in unseren Häusern und unseren Voreingenommenheiten verbarrikadieren". Der Papst forderte die Orden zu einer Rückbesinnung auf die "prophetische Kreativität" ihrer Gründer auf. Franziskus gehört selbst dem Jesuitenorden an.

Es dürfe nicht zuerst darum gehen, Räume, Gebäude oder Strukturen zu bewahren, sagte Franziskus weiter. Entscheidend sei, das "neue Prozesse" ermöglich würden. Ausdrücklich nannte der Papst bei dem Gottesdienst mit mehreren Tausend Ordensleuten den multikulturellen Wandel, der auch die Orden betreffe.

Ältere Ordensleute, die sich allein auf das Überleben ihrer Gemeinschaften konzentrierten, verwandelten sich zu "Fachleuten des Sakralen", sagte der Papst weiter. Sie verlören die Fähigkeit zu Träumen und machten so jene Prophetie unfruchtbar, die junge Ordensleute verkünden und verwirklichen sollten