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Ökumenischer Studientag: Gottesliebe muss sich in Nächstenliebe erweisen

Foto: Ökumenischer Studientag in St. Pölten

St. Pölten, 18.11.2017 (dsp) Bei einem ökumenischen Studientag im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt unter dem Titel „Genug für alle. Die Option für die Armen in der Praxis unserer Pfarrgemeinden“ wurde Mut gemacht zum Handeln an der Basis. Grundsätzlich sei – global gesehen - genug für alle Menschen da, aber nicht bei dem Lebensstil, den wir derzeit im Westen pflegen.

Magdalena Holztrattner, die Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs, fasste den Studientag zusammen: „Genug für alle - bedeutet weniger für uns. Die biblischen Texte, allen voran Jesaja fordern, dass die Gottesliebe sich in der Nächstenliebe erweisen muss und dass Liebe politisch werden muss: Nicht mehr betteln, sondern gerechte Strukturen schaffen.“ Die „Option für die Armen" sei der rote Faden des Evangeliums. Sie rief zu einem zukunftsfähigen persönlichen Lebensstil auf, der „ein weniger als mehr" wahrnehme. Das „eigene Genug“ habe eine gesellschaftsfördernde Wirkung. Wichtig sei dabei immer wieder den Alltag zu unterbrechen, sich einmal am Tag zu fragen: "Wofür lebe ich, was will ich von Herzen gerne tun, wofür bin ich dankbar?“ Mit so einer Haltung könne die destruktive Konsumhaltung überwunden werden und Lebensfreude wachsen.
 
Der bekannte evangelische „Armutsexperte“ Martin Schenk warnte beim Thema Mindestsicherung und anderer sozialen Bereichen vor einem Angriff auf das unterste soziale Netz. Das habe ua. Auswirkungen auf die Gesundheit, wie internationale Studien zeigen würden. Solche Kürzungen müssten die Betroffenen erst wo anders wieder kompensieren, was bei einem derart geringem Einkommen schwierig sei.

Was ist überhaupt Armut? Schenk erklärte, das sei im Verhältnis zu sehen. Wer hier in Österreich 700 Euro verdiene, könne damit schwer leben, in armen afrikanischen Ländern könne der Betrag ein gutes Leben ermöglichen. Armut sei also im Kontext der Lebensverhältnisse zu sehen. Weiters sei der Aspekt der Freiwilligkeit zu sehen. Wer faste, tue das aus freien Stücken im Gegensatz zum Hungern. Außerdem sei Armut ein Mangel an Möglichkeiten und Teilhabe an der Gesellschaft. Bei Armut würden oft mehrere Faktoren hineinspielen: Schlechte oder keine Jobs, keine Wohnung, Kinder sind in schlechter ausgestatten Schulen und Armut ist krankmachend. Arme Menschen würden überdies in allen Bereichen immer am längsten warten müssen – außer auf den Tod.

Auch Karl Langer, Geschäftsführer von Emmaus St. Pölten, bekräftigte, dass es bei der Armut um ein Sammelsurium an Faktoren wie Beziehungslosigkeit, Gewalt, Sucht, Joblosigkeit oder Obdachlosigkeit gehe. Alle Menschen sollten – bei allen materiellen Aspekten - Erfahrungen wie Wertschätzung, Respekt und Anerkennung machen. Dafür bemühe sich die Emmaus-Gemeinschaft, die sich um Menschen am Rande kümmert und ihnen neue Perspektiven eröffnet. Langer ortet in der Kirche ein professionelles karitatives Handeln und einen hohen sozialen Grundwasserspiegel. Er sieht allerdings innerhalb der Pfarren auch Differenzen und meint, dass es in manchen Pfarren schwieriger sei, Mitarbeiter/innen für den Bereich Caritas als für die Verkündigung zu finden.

Der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic sagte, die sozialen Aktivitäten seien eine Frucht des Sakralen. In der orthodoxen Kirche sei das soziale Engagement nicht immer unumstritten gewesen, allerdings hätten kirchliche Vorbilder wie der heilige Basilius gezeigt, dass die Liturgie die Quelle dafür sei. Das Soziale sei Ausfluss aus der Eucharistie und aus der Liturgie. Es gebe eine organische Verbindung, so der Bischof. Freilich würden auch heute da und dort noch orthodoxe Christen die Bedeutung der sozialen Komponente der Kirche gegenüber der Gottesdienstfeier hintanstellen.

Der Studientag stand im Zeichen von Best Practice-Beispielen:
- Nothilfe in Pfarren, wie nehme ich Not wahr am Beispiel der katholischen Pfarren in Krems
- Der bekannte Waldviertler Betriebsseelsorger Karl Immervoll stellte sein Grundeinkommensprojekt vor
- Karl Langer, Geschäftsführer von Emmaus St. Pölten, berichtete über „Obdachlosigkeit – Endpunkt oder Wendepunkt?“
- Die evangelische Pfarre Stockerau berichtete über Flüchtlingsbetreuung in und mit den Pfarrgemeinden

Der Studientag baut auf dem Sozialwort von 2003 auf, bei dem der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) einen gesellschaftspolitischen Meilenstein setzte. Moderierte wurde der Studientag von Axel Isenbart, Generalsekretär der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten, und vom niederösterreichischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg. Veranstalter waren der Ökumenische Arbeitskreis NÖ-West, das Institut Fortbildung Religion – KPH Wien/Krems, das Bildungshaus St. Hippolyt und der Katholische AkademikerInnenverband. Kooperationspartner waren die Caritas der Diözese St. Pölten, die Diakonie NÖ, die Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung sowie Emmaus St. Pölten.

Foto: Ökumenischer Studientag in St. Pölten