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Nach 15 Jahren ist das Buch fertig: „Bischof Altmann und sein Doppelstift“

Foto (Markus Haslinger): Stift Göttweig

Paudorf, 28.11.2017 (dsp) Nach 15 Jahren Arbeit liegt jetzt das Buch „Altmann – Bischof von Passau und Gründer des Doppelstifts Göttweig“ vor. Es informiert erstmalig umfassend über  den einzigen als Heiligen verehrten Bischof der österreichischen Donaulande und das Frauenkloster, dessen erste Kirche St. Blasien als einzige eines früheren Doppelstifts in NÖ heute noch existiert.

Grußworte lieferten der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Altlandeshauptmann Erwin Pröll, Hans-Josef Becker, em. Erzbischof von Paderborn, Heinrich Mussinghoff, em. Bischof von Aachen, Wilhelm Schraml, em. Bischof von Passau sowie „Hausherr“ Abt Columban Luser.

Der Göttweiger Mönch, der um 1135 Altmanns Biographie verfasste, wollte damit „ein Licht, das lange schon unter dem Scheffel verborgen ist, kommenden Jahrhunderten als Leuchte vor Augen stellen“. Altmann war einer der am besten vernetzten Adeligen seiner Zeit

Das vom Paudorfer Pfarrer Pater Udo Fischer im Namen des Pfarrgemeinderates herausgegebene Buch enthält seine durch Recherchen erweiterte Dissertation sowie den Artikel einer irischen Universitätsprofessorin zum Göttweiger Inklusen Johannes, der den Rat zur Umwandlung des Stiftes in eine Benediktinerabtei gegeben hat, und Beiträge von Archäologen und Restauratoren der Kirche St. Blasien.

Das reich bebilderte Buch hat das Format des „Pfarratlas“ (2002), jedoch mehr Seiten – exakt 484. „Es wird jedem interessierten Pfarrangehörigen gratis zur Verfügung gestellt – mit der Bitte um eine Spende für die Erneuerung des  vorderen Kirchendachs von St. Blasien“, so Pater Udo.

Die wichtigsten Ergebnisse von P. Udo:

Der Göttweiger Berg ist seit der Jevišovice-Kultur (3.000 - 2.500 vor Chr.) periodisch besiedelt. Vorchristliche Kultstätten werden auf ihm vermutet. Das älteste, 2007 gefundene Kultobjekt stammt aus der Zeit um 700 vor Chr.

Im 9. Jahrhunder war Göttweig ein markanter Grenz-Berg des umfangreichen Salzburger Besitzes im niederösterreichischen Zentralraum. Da aus dieser Zeit die ersten archäologischen Funde bei den Kirchen St. Georg und St. Erentrudis stammen, dürften diese Gotteshäuser spätestens unter Erzbischof Dietmar (873-907) errichtet worden sein.

Paudorf mit Berg Göttweig

Ermöglicht wurde Göttweigs Gründung durch die Übergabe des Lehens Paudorf mit dem namengebenden Berg durch die Formbacher von Radlberg an Bischof Altmann, dessen Passauer Besitz Mautern nördlich angrenzte.

Doppelkloster

Er gründete das Chorherrenstift Göttweig als Doppelstift mit St. Maria als Männer- und St. Blasien als Frauenklosterkirche. Wer mönchisches Leben noch radikaler leben wollte, fand Unterschlupf in den Behausungen für Inklusinnen (bei St. Georg) und Inklusen (bei St. Maria).

Göttweigs Umwandlung in eine Benediktinerabtei drei Jahre nach Bischof Altmanns Tod überrascht. Sie muss als kirchenpolitischer Akt der Existenzabsicherung gewertet werden – vor allem gegenüber Altmanns Nachfolgern, den Passauer Bischöfe. Treibende Kraft dürften die Formbacher Vögte, seine Verwandten, gewesen sein.

Frauenkloster bei St. Blasien

Das an der Kirche St. Blasien im Fladnitztal gegründete, nach 1250 auf den Berg verlegte und 1557 - ein Jahr nach dem Aussterben des Männerklosters - nach St. Bernhard bei Horn verlegte Frauenkloster war durch die Jahrhunderte ein bedeutender Teil des vom Abt geleiteten Doppelkonvents.

Dass der Nonnenkonvent des Göttweiger Doppelstifts im Gegensatz zu beinahe allen übrigen niederösterreichischen Klöstern die Jahrhunderte überdauerte, lag nicht zuletzt an dessen großzügiger materieller Absicherung durch die böhmische Herzogin Gerbirg, Schwester Markgraf Leopolds II., die nach dem Tod ihres Gatten Borivoy II († 1124) dem Kloster beitrat und 1142 hier starb.

Kaiserin Agnes und Frau Ava

Für Bischof Altmann und indirekt auch für sein Stift Göttweig hatte Kaiserin Agnes eine große Bedeutung. Sie ernannte ihren Hofkaplan 1065 zum Bischof von Passau, wirkte bei dessen Gründung des Stifts St. Nikola bei Passau mit und war im Investiturstreit dessen hervorragende Unterstützerin gegen ihren eigenen Sohn, König Heinrich IV.

Indizien weisen darauf hin, dass die mit der ersten Dichterin in deutscher Sprache gleichgesetzte Inklusin Ava ihr Leben nicht in Melk oder Klein-Wien bei Göttweig, sondern auf dem Göttweiger Berg an der Kirche St. Georg beschlossen hat.

Uralte Altmanen-Sippe

Die vorliegenden Recherchen erlauben die Schlussfolgerung, dass Bischof Altmann zwar – wie die Vita Altmanni schreibt – aus Sachsen stammt, jedoch erst sein Großvater Graf Altmann dort nach der Heirat Hathewigs von Ölsburg sesshaft wurde. Altmann entstammt großväterlicherseits einer weitverzweigten alemannischen Sippe, die sich bis in die Zeit der Merowinger und Karolinger zurückverfolgen lässt und auch früh in Bayern Fuß gefasst hat. Erstmals wird ein Altmann 728 im Elsaß fassbar.

Altmanns Vater wurde ermordet

Bischof Altmanns Vorfahren haben die sächsischen Stifte Steterburg und Ölsburg gegründet.
Als des Bischofs Vater darf jener „junge Altmann“ gelten, der mit und für Bruno von Braunschweig, dem ersten Gemahl der Kaiserin Gisela († 1043) gekämpft hat und zu Beginn der 30er Jahre des 11. Jahrhunderts ermordet wurde. Über die Grafen von Ölsburg war Bischof Altmann verwandt mit Bischof Bernward von Hildesheim (993-1022), Erzbischof Erkanbald von Mainz (1011-1021), Bischof Meinwerk von Paderborn (1009-1036) – dessen Domschule er besuchte und leitete – sowie mit Bischof Benno von Meißen (1066-1106), einem Kampfgenossen im Investiturstreit.

Über Mutter mit Formbachern verwandt

Als Altmanns Mutter darf eine dem Namen nach unbekannte Schwester Ellis von Reinhausen vermutet werden, dessen beide Enkeln, die Formbacher Ulrich und Hermann von Radlberg, Altmann zu den ersten Vögten des Stiftes Göttweig auserkoren hat. Bischof Udo von Hildesheim (1079-1114) war ein Cousin mütterlicherseits.

Über die Formbacher war Altmann auch mit dem von ihm geweihten Erzbischof Thiemo von Salzburg (1090-1102) und mit Bischof Adalbero von Würzburg (1045-1090) versippt.
Es war wohl nicht nur Altmanns religiöser Eifer, sondern auch sein familiäres, kirchliches und politisches Netzwerk, das Gregor VII. und Urban II. veranlasste, den Bischof von Passau - und nicht etwa seinen Metropoliten Erzbischof Gebhard von Salzburg -  für 15 Jahre zum päpstlichen Legaten für Deutschland zu ernennen und mit der Leitung der Kirchenreform zu betrauen.

Beiträge:

Pater Udo Fischer:
Bischof Altmann von Passau und sein Doppelkloster an der Donau
* Der Berg Göttweig von der Altsteinzeit bis zur Völkerwanderung
* Die Besiedelung durch Slawen und Bayern und die Einverleibung der Region um den Göttweiger Berg in das Reich der Franken
* Das Salzburger Hochstift in der Karolingischen Mark an der Donau
* Ungarnzeit, Ottonische Mark an der Donau und Neuorganisation des kirchlichen Lebens
* Bischof Altmann von Passau
* Bischof Altmanns Herkunft und Familie
* Das Geburtsjahr von Bischof Altmann
* Bischof Altmanns pastorale Initiativen
* Die Wahl des Berges Göttweig
* Bischof Altmanns erste Kirchweihe auf Göttweig: St. Erentrudis
* Die Verehrung der Heiligen Erentrudis
* Die Salzburger Lehen zwischen Wölbling und dem Göttweiger Berg
* Paudorf zwischen Salzburger Lehen und Göttweiger Berg
* Andere mögliche Besitzer des Berges Göttweig
* Gebhard von Salzburg, Altmann von Passau und Adalbero von Würzburg
* Der Heilige Blasius - Bindeglied der Kirchenreformer
* Altmanns Wahl von Heiligen und Tagen
* Die Umwandlung des Chorherrenstiftes Göttweig 1094 in ein Benediktinerkloster
* Frauen zur Zeit der Kirchenreform
* Das Frauenkloster in Klein-Wien
* Der Nonnenkonvent des Göttweiger Doppelstifts
* Das Göttweiger Doppelkloster im Spiegel der Confraternitätsurkunden und der Nekrologe
* Fest des Hl. Altmann
* Fest des Hl. Blasius
* 400 Jahre Reformationsaltar von St. Blasien

Dagmar Ó Riain-Raedl:
Der irische Inkluse Johannes in Göttweig

Jasmine Wagner:
Die archäologischen Grabungen in der Filialkirche St. Blasien

Friederike Novotny und Michael Spannagl:
Anthropologische Untersuchung der Skelettreste der Grabung Klein-Wien

Margit Blümel und Katja Unterguggenberger:
Untersuchungsbericht  zu den historischen Fassungen bzw. der gotischen Gestaltung des Innenraums von St. Blasien

Monika Küttner:
Gotisches Wandbild „Christus und die 12 Apostel“

Paul Mitchell:
Die Keramik der Filialkirche St. Blasien

Natascha Müllauer:
„Ainer Edlen Frauen ainen Wammas...“ - Eine Weste aus Klein-Wien

Christian Binder:
St. Blasien: Romanische Putz- und Malereifragmente

Kinga Tarcsay:
Die Glas und Knopffunde aus der Filialkirche St. Blasien


Zu bestellen:

Hier kann das Buch kostenlos bestellt werden: 3508 Paudorf, Hellerhofweg 7; 02736/340; pfarre-paudorf@mx.at
 
Foto (Markus Haslinger): Stift Göttweig