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Team der Pastoralen Dienste
Jugendvesper Stift Seitenstetten
 
 

Mit Palmsonntag beginnt die Karwoche

Palmsonntag: Prozession in St. Valentin

St. Pölten, 07.04.2017 (dsp) Ostern ist das höchste Fest im Christentum und damit der Höhepunkt im Kirchenjahr. Im Mittelpunkt steht das Gedenken an das Leiden, den Tod  und die Auferstehung Jesu Christi. Das Fest wird seit dem Urchristentum gefeiert und gilt als das ritenreichste aller christlichen Feste. Im Jahr 2017 gibt es eine Besonderheit: So feiern auch die Christen der Ostkirche das Osterfest heuer am 16. April, dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. In den meisten anderen Jahren feiert die Ostkirche, die sich großteils noch am Julianischen Kalender orientiert, an anderen Tagen.

Heilige Woche

Dem Osterfest voraus geht die Karwoche, auch "Heilige Woche" genannt. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, an dem des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht wird: "Viele Menschen breiteten auf dem Weg ihre Kleider aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf die Straße", berichtet der Evangelist Matthäus über den Ritt Jesu auf einem Esel vom Ölberg hinunter in die Stadt. Zentrale Elemente der liturgischen Feiern am Palmsonntag sind der erstmalige Bericht vom künftigen Leiden und Sterben Jesu sowie zuvor die Palmsegnung und -prozession.

In Anlehnung an die Palm- und Ölzweige - Zeichen der Königswürde, des Friedens sowie auch der christlichen Märtyrer - kommen bei der Palmprozession im deutschsprachigen Raum Palmbuschen aus Buchsbaum, Wacholder oder Weiden mit "Kätzchen" zum Einsatz. Das Aussehen der meist kunstvoll gebundenen Buschen unterscheidet sich von Region zu Region. In ländlichen Gegenden steckt man den gesegneten Palmbuschen in der Hoffnung auf eine gute Ernte in den Acker. Verbreitet ist auch der Brauch, einzelne Zweige zu Hause hinter dem Kreuz im Herrgottswinkel oder an der Haustüre zu befestigen.

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, deren Bezeichnung sich aus dem althochdeutschen "kara" oder "chara" für Klage, Kummer, Trauer ableitet. In anderen Sprachräumen heißt sie vor allem "Heilige Woche" (etwa "Holy Week", "Semaine sainte" oder "Settimana Santa").

Abendmahl und Fußwaschung

Ab Donnerstag in der Karwoche - dem Gründonnerstag - beginnen die "drei österlichen Tage" (lat. "Triduum sacrum"). Am ersten Tag gedenkt die Kirche zunächst des letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern hielt, und damit auch der Einsetzung der Eucharistie und des Priesteramtes. Als Zeichen der dienenden Liebe wusch Jesus vor dem Mahl seinen Jüngern die Füße. Diesen Brauch, der seit dem Konzil von Toledo 694 bekannt ist, wiederholen am Gründonnerstag bis heute in vielen Kirchen Priester oder Bischöfe. Nach dem Gloria-Gesang im Gottesdienst verstummen als Ausdruck der Trauer über die Gefangennahme und den nahenden Tod von Jesus sowohl Orgel als auch Glocken, zudem werden nach der Messfeier Blumenschmuck und Kerzen weggeräumt.

Zwar will der Volksbrauch, dass am Gründonnerstag bevorzugt "grüne Speisen" wie Spinat oder Brunnenkresse auf dem Tisch stehen. Der Tag dürfte jedoch seinen Namen nicht der Farbe verdanken, sondern dem althochdeutschen "Grunen" oder "Greinen", das "Weinen" bedeutet. An diesem Tag wurden die Sünder, die Buße geleistet hatten, die "Greinenden", wieder in die Gemeinde aufgenommen.

Traditionell werden am Gründonnerstag auch die "Chrisammessen" gefeiert, in denen die Salböle geweiht werden, die das ganze Jahr über bei Taufen, Firmungen, Krankensalbungen und Priesterweihen verwendet werden und auch bei der Weihe von Altären und Kirchen zum Einsatz kommen. Die Öle - zum Einsatz kommt Pflanzen- oder Olivenöl mit Duftstoffen - verweisen schon in der Bibel auf Gesundheit, Lebensfreude, Kraft und Frieden. Weil die Priester am Gründonnerstag auch die Heilige Messe in ihren Pfarren feiern, findet die Chrisammesse der Diözese St. Pölten immer bereits am Mittwochnachmittag im Dom statt.

Leiden und Tod Jesu

An die Gefangennahme, Verurteilung und schließlich Hinrichtung Jesu wird am Karfreitag erinnert. Für die Evangelischen der höchste Feiertag im Jahr, gilt der Karfreitag in der katholischen Kirche neben dem Aschermittwoch als einer der beiden strengen Fast- und Abstinenztage. Wie auch am Karsamstag, gibt es zudem keine Eucharistiefeier, sondern am Nachmittag zur Stunde der Kreuzigung Jesu (15 Uhr) einen Wortgottesdienst mit Kommunionfeier. Im Mittelpunkt steht dabei die Leidensgeschichte Jesu, die Kreuzverehrung sowie das große Fürbittgebet für die Kirche und die ganze Welt. Die liturgische Farbe Rot verweist auf das Martyrium und Opfer, jedoch auch auf die Königswürde Jesu.

Der Karsamstag - Gedächtnistag der Grabesruhe Jesu - ist der stillste Tag im Kirchenjahr. Es finden keine Gottesdienste statt und auf den Altären stehen weder Kerzen noch Blumen. Die karge Ausgestaltung der Kirchen weist auf das Leiden und den Tod Jesu hin, zudem gedenkt die Kirche auch der Schmerzen seiner Mutter Maria. In zahlreichen Pfarren gibt es den Brauch, tagsüber ein "Heiliges Grab" mit einer Darstellung des Leichnams Jesu aufzustellen und beim ausgesetzten Allerheiligsten eine Totenwache abzuhalten.

Das Licht siegt

Mit dem Karsamstag endet die Fastenzeit und auch die Karwoche. Das in der Nacht zum Ostersonntag - der Osternacht - angesetzte eigentliche Osterfest ist vor dem Hintergrund der Pessach-Feier entstanden, mit dem die Juden an den Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei Ägyptens erinnern. Bereits im 6. Jahrhundert begann die Osterliturgie in den Abendstunden des Samstags.

Die Osternacht beginnt mit einer Lichtfeier, bei der zunächst vor der Kirche das Osterfeuer und die neue Osterkerze mit einem Lob- und Dankgebet gesegnet werden. Das Feuer gilt dabei als Symbol für die Sonne, die erst Leben ermöglicht, die Kerze für Jesus Christus. Anschließend folgt die Prozession in die noch unbeleuchtete Kirche, bei der der Priester oder Diakon dreimal "Christus das Licht" (Latein: "Lumen Christi") ruft, während er mit der Osterkerze zum Altar schreitet. Die Gemeinde antwortet darauf "Dank sei Gott" ("Deo Gratias"). Gleichzeitig wird das Licht der Osterkerze an die Gläubigen weitergereicht, wodurch sich der Kirchenraum feierlich erhellt. Es folgt das feierliche "Exultet" - das Loblied auf die Osterkerze.

Im weiteren Verlauf der Feier ruft die Gemeinde in sieben Lesungen aus dem Alten Testament die großen Stationen der Heilsgeschichte in Erinnerung. Mit dem "Gloria" erklingen erstmals Orgel und Glocken wieder und nehmen den letzten Rest von Dunkelheit weg. Nach dem Evangelienbericht über die Auffindung des leeren Grabes und der Kunde des Engels von der Auferstehung - Jesu Auferstehung selbst ist in der Bibel nicht direkt "beschrieben" - gibt es in etlichen Kirchen Erwachsenentaufen, gefolgt von der Tauferneuerung aller anwesenden Gläubigen. Am Ende der Feier steht die Weihe mitgebrachter Speisen der Gläubigen.

Vorbild für jeden Sonntag

Mit dem Ostersonntag beginnt die 50-tägige Osterzeit, die bis Pfingsten andauert. Die Liturgie dieses Tages entspricht im Wesentlichen jener aller anderen Sonntage, an denen ebenfalls an die Auferstehung Christi gedacht wird. Üblich ist allerdings eine besonders festliche Gestaltung - oft mit Chor- und Orchesterbegleitung - der Gottesdienste. Die Osterkerze wird erneut entzündet und steht bis Pfingsten beim Ambo, von dem aus das Evangelium verkündet wird. Auch noch am Sonntag und am zweiten Ostertag, dem Ostermontag, können die Gläubigen ihre mitgebrachten Speisen zum Altar bringen, wo sie geweiht werden.

Eine Besonderheit stellt am Ostersonntag der vom Papst in Rom ausgesprochene Segen "urbi et orbi" dar, der sonst nur zu Weihnachten und direkt nach seinem ersten öffentlichen Auftritt als neugewählter Papst erteilt wird. Mit dem seit dem 13. Jahrhundert gebräuchlichen Segen, der heute meist von der Loggia über den Portalen des Petersdoms aus erteilt wird, ist nach katholischer Lehre für alle, die ihn hören, sehen oder guten Willens sind, unter gewöhnlichen Bedingungen ein vollkommener Ablass der Sündenstrafen verbunden. Er kann im Radio, Fernsehen oder auch über das Internet gültig empfangen werden.