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"Marshall-Plan" für Christen im Irak

Einen neuen "Marshall-Plan" für die christlichen Dörfer in der Ninive-Ebene im Nordirak fordert das Hilfswerk "Kirche in Not". Unter Bezugnahme auf das europäische Wiederaufbauprogramm, das 1948 nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA zur Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilität vieler europäischer Staaten initiiert wurde, brauche es nun auch entsprechende Maßnahmen in den vom IS befreiten Regionen.

P. Andrzej Halemba, Nahost-Experte des katholischen Hilfswerks, hat dieser Tage die befreite Region besucht und nun die internationale Gemeinschaft zur Hilfe aufgerufen, wie die Stiftung "Pro Oriente" berichtet.

Um die Situation richtig einschätzen zu können, sei einer der wichtigsten Schritte eine erste Beurteilung des Ausmaßes der Zerstörung. "Kirche in Not" unterstützt lokale christliche Gruppen, damit eine professionelle Beurteilung vorgenommen werden kann. Tausende Dossiers mit Fotos, Beschreibungen der Zerstörung und einer Aufstellung der geschätzten Kosten für den Wiederaufbau würden zusammengestellt, hieß es. Mit Hilfe von Satellitenbildern identifiziere ein Team jedes Haus in jedem Dorf in der befreiten Ninive-Ebene. Die Häuser gehörten Mitgliedern der syrisch-katholischen Kirche, der syrisch-orthodoxen Kirche und der chaldäisch-katholischen Kirche. "Einige Dörfer sind gemischt. Wir reden hier von rund zehn Dörfern", so P. Halemba.

Neben dem Bericht über die Zerstörung brauche es ein Programm zur Beschaffung von Geldmitteln für den Wiederaufbau der Dörfer. "Kirche in Not" werde den Wiederaufbau fördern, "wir müssen dabei jedoch mit anderen Wohltätigkeitsorganisationen zusammenarbeiten. Alleine ist das nicht zu schaffen", so P. Halemba.

Es müssten aber auch die rechtlichen und politischen Fragen geklärt werden. Dazu gehöre beispielsweise die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Christen im Irak und die Beteiligung der irakischen Regierung am Wiederaufbau. Die Regierung sei für die Schaffung von Strukturen und Arbeitsplätzen verantwortlich, sie müsse aber auch dafür sorgen, dass die Sicherheit der Christen in ihren Dörfern gewährleistet ist. Das sei von "entscheidender Bedeutung" angesichts der schrecklichen Erfahrungen, mit denen die Christen in der jüngsten Vergangenheit konfrontiert waren. Auch auf internationaler Ebene sollte auf diesen Marshall-Plan für die Ninive-Ebene aufmerksam gemacht und für entsprechende Hilfsprogramme gesorgt werden.

"Trotz der vielen dringenden Fragen, die einer Klärung bedürfen, sind die Menschen bereit, in ihre Dörfer zurückzukehren", so das Resümee Halembas nach seinem Lokalaugenschein vor Ort. Die "dringenden Fragen" beziehen sich u.a. auf die Problematik der illegalen Aneignung von verlassenen Häusern, eine Untersuchung des möglichen Einsatzes chemischer Waffen bei der Zerstörung christlicher Häuser und die anhaltende Furcht der Christen vor mangelnder Sicherheit, vor der Gewalt isolierter Kämpfer und islamistischer Fundamentalisten, die nicht wollen, dass die Christen zurückkehren.

P. Halemba nahm eine wesentliche Änderung in der Haltung der Vertriebenen wahr: "Wir haben im November eine erste Befragung durchgeführt, um herauszufinden, ob sie in ihre Dörfer zurückkehren wollen. Wir stellten fest, dass die Menschen noch zu viel Furcht hatten - angesichts der andauernden Kämpfe in Mossul, aber auch wegen der Möglichkeit, dass sich in diesem Gebiet noch Terroristen verstecken. Und schließlich gab es auch Bedenken hinsichtlich der Erziehung der Kinder. Diese erste Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass nur wenige zurückkehren wollte. Bei meinem jetzigen Besuch wurde mir gesagt, dass mehr als fünfzig Prozent der Binnenflüchtlinge zur Rückkehr bereit sind. Und diese Zahl nimmt zu".

(03.02.2017, KAP)