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KMB-Impulstag: Wirtschaft braucht wieder Moral

Altabt Gregor Henckel Donnersmarck als Referent beim KMB-Impulstag im Stift Zwettl

Zwettl, 01.03.2017 (dsp) Die Notwendigkeit einer höheren Moral in der Wirtschaft betonte Altabt Gregor Henckel Donnersmarck vom Stift Heiligenkreuz bei einem Impulstag der Katholischen Männerbewegung zum Thema „Geld in dieser Welt“ am Aschermittwoch im Bildungshaus Stift Zwettl. In der Veranstaltungsreihe für Landwirte „Verwurzelt in der Re<li>gion“ sprach Henckel Donnersmarck zu seinem jüngsten Buch „Reich werden auf die gute Art – Vermögenstipps eines Geistlichen“. Der Zisterziensermönch war vor seinem Ordenseintritt als studierter Diplomkaufmann in der Wirtschaft tätig.

Angesichts der zahlreichen Betrügereien, die in der letzten Zeit aufgeflogen sind, sei es notwendig, dass die Wirtschaft „moralisch wieder Tritt fasst“, so Henckel. Forderungen auf der Ebene der Wirtschaftsethik seien zu wenig, da diese nur einen Handlungsrahmen vorgebe, Moral hingegen fordere konkrete Taten. Eine höhere Moral sei über die Tugenden – „das Wort kommt von Tüchtigkeiten“ – erreichbar. Jeder Unternehmer brauche den Glauben, das Überzeugtsein von seinem Produkt, weiters einen „Hoffnungshorizont“ und schließlich die Liebe, „das Einstehen für den anderen“ als „Geheimwaffe aus dem christlichen Arsenal“.

Vermögen statt Mammon

Neben den so genannten Göttlichen Tugenden seien vor allem die vier Kardinaltugenden notwendig, wie Henckel ausführte. Die Tapferkeit sei notwendig, um auch bei Widerstand mutig durchzuhalten. Das Maßhalten zeige sich darin, Ressourcen nicht übermäßig zu beanspruchen. In diesem Zusammenhang verwies Henckel auf die Schöpfungsenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, die unter dem Aspekt der Humanökologie „auch eine Sozialenzyklika“ sei. Die Tugend der Gerechtigkeit sei in jedem Betrieb „nach allen Seiten“ wichtig; so müssten etwa die Preise auch für die Landwirte gerecht sein. Die Klugheit sei schließlich, das Schmieröl, das das Kugellager beweglich hält“.

Wenn es einem Unternehmer gelinge, nach diesen Grundsätzen zu wirtschaften, sei der Profit „gottgefällig“, wie Henckel betonte. Profit sei notwendig und dürfe „nicht verteufelt“ werden. Allerdings solle dieser nicht das einzige Ziel sein. „Das Geld wird zum Mammon, wenn es angebetet wird.“ Der Mammon könne für die zu einem „Vermögen“ werden, die damit Gutes zu tun „vermögen“. So sei auch der Markt etwas Nützliches, jedoch „nicht heilig“. Henckel: „Wird der Markt totalitär, zerstört er sich selbst.“ Die Wirtschaft jedes totalitären Systems werde asozial und breche in der Folge zusammen. „Der Mensch darf nicht vermarktet werden“, mahnte Henckel Donnersmarck, „er muss immer Subjekt bleiben und darf nicht zum Objekt des Marktes werden.“

Gefahren eines Bargeldverbots

In einem zweiten Vortrag über „Euro-Crash oder Bargeldverbot“ erläuterte Tobias Plettenbacher – Landschaftsökologe, Experte für komplementäre Währungen und Initiator der Zeitbank TIMESOZIAL aus Ried im Innkreis – die Gefahren einer möglichen Abschaffung des Bargeldes. Bereits in 18 EU-Ländern gebe es Beschränkungen des Bargeldverkehrs. Vorreiter der gänzlichen Abschaffung von Bargeld seien Dänemark, Schweden und – auf Druck der EU – Griechenland. In einigen Ländern sei es Händlern bereits erlaubt, die Annahme von Bargeld zu verweigern. In den Niederlanden gebe es Bargeld nur noch auf Bestellung und mit Wartezeit.

Begründungen für ein Bargeldverbot seien vor allem die Terrorbekämpfung (Geldwäsche), die Kriminalitätsbekämpfung (Raubüberfälle) sowie Verhinderung von Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit, wie Plettenbacher erklärte. Die Gefahren seien hingegen die mögliche Einführung von Negativzinsen, die nur ohne Bargeld möglich ist, lückenlose Überwachung, völlige Kontrolle und mögliche Enteignung. Ein „mögliches Szenario“ sei ein Bargeldverbot zur angeblichen „Rettung der Ersparnisse“ und die Einführung von Buchgeld als gesetzliches Zahlungsmittel.
Als eigene Handlungsmöglichkeiten nannte Plettenbacher: möglichst viel in bar zu bezahlen, selbst Barzahlung einzufordern, die Forderung von Reformen wie etwa Gemeinwohl-Ökonomie, sowie die Verwendung und Förderung von Regional- und Alternativwährungen.