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Juristenmesse in Altenburg: Von der Duldung zur Toleranz

Altenburg, 26.09.2017 (dsp) Bei der Juristenmesse des Katholischen Akademikerverbandes im Stift Altenburg referierte der Wiener evangelische Kirchenhistoriker Prof. Rudolf Leeb über die Entwicklung des Toleranzgedankens in der abendländischen Gesellschaft. Anlass war das Reformationsjahr, das an 500 Jahre Thesenanschlag am Tor der Wittenberger Schlosskirche erinnert.

Prof. Leeb spannte einen weiten Bogen von der Antike, dem Römischen Reich, über das Mittelalter, die Reformation bis ins Heute. Obwohl in der Antike die Gesellschaft recht tolerant gewesen sei – viele Kulte existierten nebeneinander – sei die Anerkennung des Staatskultes von Bedeutung gewesen, da es eine Frage der Loyalität zum Staat bedeutet habe. Als das Christentum zur Staatsreligion avancierte, sei es damit zum Garant für das Wohl des Staates geworden. Häretische Gruppen seien mit der Zeit verschwunden, aber bis zum 11. Jahrhundert habe es keine Hinrichtung von Ketzern gegeben, sondern nur Verbannungen.

Ab der Jahrtausendwende sei das Ketzertum zum Massenphänomen geworden und Kirche und Staat hätten zusammen gearbeitet. „Die Kirche stellte Ketzerei fest und der Staat vollstreckte das Urteil. Warum? In den Augen des Staates stellte Ketzerei ein gesellschaftliches Problem dar, weil es die Einheit des Staates gefährdete“, so Leeb.

Eine Wende habe sich Ende des 15. Jahrhunderts mit dem 1. Religionsfriede von 1484 zwischen Katholiken und Hussiten abgezeichnet, was aber nicht einer religiösen Übereinkunft entsprungen sei, sondern der Tatsache geschuldet war, dass keine Seite den Krieg gewinnen konnte. Die beginnende Reformation habe das Reich vor große Herausforderung gestellt – immer noch galt: Ein Reich – eine Religion. Martin Luther, selbst noch 1521 als Ketzer verurteilt (aber vom Landesherrn geschützt), habe die gewaltsame Verurteilung der Ketzerei abgelehnt. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 gewährleistete Frieden im Reich mit der Übereinkunft, dass der Landesherr die Konfession bestimmt „Wessen die Herrschaft – dessen die Religion“.

Im 17. Jahrhundert kam es durch die „Aufklärer“ zu Toleranzgedanken, die sich auch gesetzlich niederschlugen, z.B. im Toleranzedikt 1781 von Josef II. Doch was verstand man damals unter Toleranz? Anfangs nichts weiter als „Duldung“. Weitere Rechte, wie öffentlicher Kirchenbau und die Entwicklung einer echten Religionsfreiheit etablierten sich erst im 19. Jahrhundert.

Heutzutage würden in Europa verschiedene Modelle der Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen bestehen. Angesichts der gegenwärtigen Migrationsbewegungen stünden die Staaten vor der Herausforderung diese Zusammenarbeit neu zu überdenken.

Die Juristenmesse lockte viele Interessierte ins Stift Altenburg, wo als erster Höhepunkt eine Festmesse mit Abt Thomas Renner gefeiert wurde. Besonderer Dank galt den beiden Musikerinnen Martina Daxböck, Gesang und Angelika Beroun-Linhart an der Orgel.

Vor dem Referat hielt Superintendent Lars Müller-Marienburg ein erstes Resümee zum Reformationsjahr. Für ihn sei klar: „Kirchen geht es nicht um die Masse, sondern um Beziehungen.“ Sehr beeindruckt hätten ihn die vielen Anfragen aus dem katholischen Raum, zu hören, was die anderen von der evangelischen Kirche wollen, einfach die vielen ökumenischen Begegnungen.

Foto: Michael Schwarz, Leo Dirnegger, Lars Müller-Marienburg, Angelika Beroun-Linhart, Vorsitzende des Katholischen Akademikerverbandes, Referent Prof. Rudolf Leeb, Johannes Kranner