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Johanna Mikl-Leitner: „Ich bete jeden Tag“

Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner

St. Pölten, 01.07.2017 (dsp) Seit gut zwei Monaten ist Mag. Johanna Mikl-Leitner die erste Frau an der Spitze im Land Niederösterreich. Im Interview mit Kirche bunt nimmt die Landeshauptfrau Stellung zu den Themen Glaube und Religion, Islamismus und Terroranschläge, aber auch zur Leitkultur und zur Atmosphäre im Land. Ganz wichtig ist Mikl-Leitner aber vor allem eines: ihre Familie. Trotz der knapp bemessenen Zeit genieße sie das Familienleben, sagt die ÖVP-Politikern und betont: „Schon bei meinen Eltern, die immer viel gearbeitet haben, war die gemeinsame Zeit das Wertvollste, und diese Zeit gilt es gut zu nutzen.“

Sie sind seit 19. April nun Landeshauptfrau von Niederösterreich. Hat sich Ihr Leben in dieser Zeit verändert?
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: Mein Terminkalender ist schon immer reichlich gefüllt. Sei es in meiner Zeit in der Bundes- oder in der Landespolitik. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, aber jetzt gilt meine volle Konzentration wieder Niederösterreich und den Menschen in diesem Land. Daher bin ich noch mehr im Land unterwegs und es macht mir große Freude, mit den Menschen direkt in Kontakt zu kommen.

War es ein Ziel von Ihnen, Landeshauptfrau zu werden?
Mikl-Leitner: In der Politik ist es zwar wichtig, Zukunftsvisionen zu haben, aber mehr für den Bereich, für den man verantwortlich ist und weniger für die eigene Person. Die Menschen erkennen sehr schnell, ob sich jemand für seine Aufgabe oder für sich selbst einsetzt.

Was sehen Sie derzeit als Landeshauptfrau als Ihre größte Herausforderung an?
Mikl-Leitner: Die Digitalisierung, also der technologische Fortschritt, ist unsere größte Herausforderung. Wir wollen die Chancen und Möglichkeiten, die darin liegen, so nutzen, dass sie Land und Menschen am Weg nach vorne helfen und zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen. Darüber hinaus setzen wir etwa Schwerpunkte im Bereich der Mobilität oder im Sozialbereich. Wir werden mit dem Sozialen Alltagsbegleiter ein neues Berufsbild einführen, womit Menschen, die auf Hilfe im Alltag angewiesen sind, Unterstützung bekommen.

Als erste Frau an der Spitze des Landes Nieder­ös­terreich – wie wichtig ist Ihnen die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und dass Frauen in Spitzenpositionen – auch im Land Niederösterreich – vertreten sind?
Mikl-Leitner: Wir sind heute in einer Zeit, in der vieles in Veränderung und Bewegung ist. Immer mehr Frauen tragen in Spitzen­positionen Verantwortung – das gilt für die Politik wie auch für die Wirtschaft und andere Institutionen. Und ich bin davon überzeugt: Mehr Frau tut allen Bereichen im Land Niederösterreich gut.

Das Kreuz im Klassenzimmer oder das Baden mit Burkini im öffentlichen Bad – wo sehen Sie als Landeshauptfrau da die Position von Niederös­terreich?
Mikl-Leitner: Niederösterreich ist ein weltoffenes und tolerantes Land, das sich zugleich seiner Wurzeln und Grundwerte bewusst ist. Das christliche Brauchtum wird daher hoch gehalten und das Kreuz in den Klassenzimmern nicht angegriffen. Es ist ein wichtiges Symbol für unseren Kulturraum. In der Debatte um Burkini in einem öffentlichen Bad oder Vollverschleierung im öffentlichen Dienst ist mir eines wichtig: Ich verwehre ich mich als Frau und Mutter zweier Töchter gegen jede Form von Unterdrü­ckung. Für mich und viele andere Frauen, die sich seit Jahrzehnten für mehr Gleichberechtigung einsetzen, ist das ein zentrales Anliegen!

Anschläge in Brüssel, London, Manchester... Da­hinter stehen islamistische Attentäter. Wie gefährlich schätzen Sie – auch als ehemalige Innenminis­terin – die Gefahr eines Anschlages in Niederösterreich ein?
Mikl-Leitner: Terroranschläge sind nirgend­wo auszuschließen. Wir dürfen diese Regelmäßigkeit an Anschlägen in Europa aber nicht einfach so hinnehmen, sondern müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um dem Terror mit aller Kraft und geschlossen entgegenzutreten. Das ist eine gemeinsame Kraftanstrengung – nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt.

Haben Sie den Eindruck, dass das gesellschaftliche Klima in Österreich bzw. Niederösterreich rauer geworden ist?
Mikl-Leitner: In Zeiten, wo die Welt brüchiger wird, dürfen wir am Weg nach vorne nichts von dem verlieren, was uns über Jahrzehnte stark gemacht hat – unseren Zusammenhalt. Sei es der Zusammenhalt unter Freunden und in Familien, unter Ehrenamtlichen und in Vereinen, unter den Generationen, in den Dörfern bis hin zur Landespolitik – wir müssen weiterhin auf das Miteinander im Land setzen. Denn im Miteinander steckt der Treibstoff für die Antworten auf neue Herausforderungen in neuen Zeiten. 

Immer wieder gibt es in Österreich eine Debatte über die Leitkultur. Was hält eine Gesellschaft zusammen? Welchen Anteil hat da für Sie das christlich-jüdische Erbe?
Mikl-Leitner: Pfarren und Gemeinschaften aller Konfessionen bilden überall wichtige Strukturen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Darüber hinaus sind die Stifte in Niederösterreich geistige Kraftquellen für uns und Teil unserer Kulturidentität. Denkmäler wie Pfarrkirchen und Stifte sind gebaute Geschichte, legen Zeugnis ab über unsere Vergangenheit, stiften Identität für unser Land und bedeuten Wurzeln in unserer Zeit.

Ihr Vorgänger, Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll, hat sich nicht nur für den Erhalt zahlreicher kirchlicher Kulturgüter in Niederösterreich eingesetzt, sondern er hat sich auch immer wieder für Niederösterreich als ,,christliches Land“, für den Glauben und dessen Präsenz im öffentlichen Raum und für die christlichen Werte in der Gesellschaft stark gemacht. Wie wichtig ist Ihnen der Glaube?
Mikl-Leitner: Unser Land wurde auf den christlichen Grundwerten aufgebaut. Das ist Teil unserer Identität. Und in diesem Geiste werden wir Niederösterreich auch in die Zukunft führen – ohne Diskriminierung, sondern im friedlichen und guten Zusammenleben mit anderen Konfessionen.

Beten Sie manchmal, wenn es schwierige Entscheidung zu treffen gilt?
Mikl-Leitner: Der Glaube spielt in meinem Leben natürlich eine Rolle. Ich bete jeden Tag vor dem Schlafengehen und bedanke mich.

Wie sehen Sie das, wenn sich Kirchenvertreter zu politischen Themen äußern?
Mikl-Leitner: Vertreter der Kirchen können sich, wie alle anderen, jederzeit zu allen Themen äußern – natürlich auch zur Politik. Es gibt wahrscheinlich sogar Bereiche – wie etwa die Religionsfreiheit oder die Bedrohung durch islamistischen Terror – zu denen sich Kirchenvertreter im Rahmen ihrer Funktionen äußern müssen.

Sie sind seit vielen Jahren im politischen Geschäft – das bedeutet auch, dass Sie viel unterwegs sein müssen. Wie viel Zeit bleibt da für Ihre Töchter bzw. Familie?
Mikl-Leitner: Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie ist mir sehr wichtig. Rad fahren und Inlineskaten oder Spaziergänge mit unserem Hund Milou stehen da am Programm. Meine Familie ist für mich Rückhalt und Kraftquelle zugleich. Trotz der knapp bemessenen Zeit genießen wir unser Familienleben. Mir sind daher vor allem der Zusammenhalt in der Familie und die Geborgenheit für unsere beiden Töchter wichtig. Schon bei meinen Eltern, die immer viel gearbeitet haben, war die gemeinsame Zeit das Wertvollste, und diese Zeit gilt es gut zu nutzen.

Interview: Sonja Planitzer