Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

„Islam“-Ausstellung auf Schallaburg als Anstoß zum Dialog

Arabisches Zimmer, um 1900 Wien, © Wien Museum_Foto Klaus Pichler

Melk, 21.03.2017 (dsp/KAP) Dem Islam in Österreich widmet sich die neue Sonderausstellung auf der Schallaburg bei Melk. In enger Zusammenarbeit mit Experten aus Wissenschaft und muslimischen Communities gestalteten die Kuratorinnen Lisa-Noggler-Gürtler und Maria Prantl acht Kapitel, in denen jeweils aktuelle Fragen, historische Entwicklungen und unterschiedliche Sichtweisen behandelt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei aber stets die in Österreich lebenden Muslime, das tägliche Zusammenleben und die Frage, inwieweit beide Seiten voneinander profitieren.

Am Tag der Eröffnung führten Kurt Farasin, künstlerischer Leiter der Schallaburg, und die beiden Kuratorinnen durch die Ausstellungsräume und erläuterten dabei den Anspruch, als Forum des Dialogs und Plattform für eine Kultur der Begegnung zu dienen, wie es in einer Aussendung der Niederösterreichischen Landesregierung heißt.

So geht es unter dem Titel „Besprochen“ um Offenbarungstexte und ihre Übersetzung: Während ja die Bibel nicht als gesprochenes Wort Gottes, sondern als von Menschen geschrieben und daher auch als übersetzbar verstanden wird, gilt der Koran demgegenüber als „vox ipsissima“ Gottes. Dementsprechend existieren auch nur etwas mehr als 60 Übersetzungen des Koran, aber rund 3.000 Übersetzungen der Bibel in andere Sprachen.

Der Ausstellungsteil „Beseelt“ reflektiert die Ähnlichkeiten der drei Abrahamitischen Religionen, zeigt, dass es nicht „den“ Islam, sondern Dutzende Strömungen gibt, präsentiert einen Kalender der religiösen Feiertage und geleitet den Besucher mit „Allahu Akbar“-Rufen zu einem kleinen, korrekt nach Mekka ausgerichteten Gebetsraum.

„Begrenzt“ wiederum bezieht sich auf die Geographie ebenso wie auf die Religion und das tägliche Miteinander. Während der Zeit der Habsburgermonarchie, wo der Islam seit dem 16. Jahrhundert, stärker noch nach der Annexion Bosnien-Herzegowinas 1908 ein Thema war, war etwa das Bosniaken-Infanterieregiment das höchstdekorierte des Ersten Weltkrieges.

Catwalk zeigt Bandbreite an Kleidung

Im Kapitel „Bewohnt“ geht es um die Nachbarschaftsverhältnisse in Österreich. Namen auf Türklingeln stehen als Synonym für die sich wandelnde Demographie, hinter den Türen selbst verbirgt sich dann jeweils eine andere Identität und Biographie. „Bekleidet“ zeigt die durch Kleidung vermittelten Botschaften auf und den Grad der Freiwilligkeit, diese zu tragen; vor dem Hintergrund, dass es im Islam eigentlich keine eindeutigen Kleidervorschriften gibt, wurde ein Catwalk gestaltet, der zeigt, was alles möglich ist – bis hin zum osmanischen Dirndl aus Tiroler Walkstoff.

„Bedroht“ spannt in Folge einen Bogen entlang der in der Gesellschaft vorhanden Ängste – von den Kreuzzügen über die Türkenbelagerung bis hin zum aktuellen Thema Flucht. „Berufen“ stellt das Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahr 2004 und seine Umsetzung in verschiedenen Firmen und Institutionen in den Mittelpunkt. „Beliebt“ schließlich berichtet von der Faszination des Orients und von dort importierte Lebensmittel oder Objekte. Schmuckstück der Ausstellung ist ein komplett eingerichtetes orientalisches Zimmer aus der vorletzten Jahrhundertwende, das zum ersten Mal öffentlich zu sehen ist.

Folder und Ausstellungstexte sind viersprachig - Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch – abgefasst. Insgesamt 15 Kulturvermittler begleiten die Schau und bieten pro Tag drei Führungstermine. Geöffnet ist die Schau bis 5. November von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, an Wochenenden und Feiertag von 9 bis 18 Uhr.

www.schallaburg.at

Bild: Arabisches Zimmer, um 1900Wien, © Wien Museum_Foto Klaus Pichler