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Interview mit Weihbischof Anton Leichtfried zum 10-jährigen Bischofsjubiläum

Weihbischof Anton Leichtfried

St. Pölten, 08.03.2017 (dsp) „Da cor docile“ – „Gib ein hörendes Herz“ – diesen Wahlspruch wählte Anton Leichtfried, als er am 25. Februar 2007 im Dom von St. Pölten von Bischof Klaus Küng die Bischofsweihe empfing. In Kirche bunt zieht Leichtfried Bilanz und steht Rede und Antwort zu Fragen rund um sein Amt, den Herausforderungen und den „Highlights“ in den vergangenen zehn Jahren, zu den Pfarrgemeinderäten sowie den PGR-Wahlen und nicht zuletzt auch zur heutigen Situation des Priesterseminars St. Pölten, dessen Regens Leichtfried 2005 wurde.

Als Sie vor zehn Jahren Weihbischof geworden sind, haben Sie unter anderem gesagt: Ich möchte der Toni bleiben! Und sind Sie es geblieben?

Weihbischof Anton Leichtfried: Allein das war schon eine große Umstellung für mich, weil vorher praktisch alle „Toni“ zu mir gesagt haben. Heute bin ich meistens „Weihbischof Anton“. Eine grundsätzliche Frage ist ja für jeden Menschen: Wie bleibe ich derselbe – und wie lerne ich gleichzeitig etwas dazu und wachse dadurch? So hoffe ich, dass ich im Kern der gleiche geblieben bin und dass etwas dazu gewachsen ist.

Vor zehn Jahren wurden Sie mit 40 Jahren Weihbischof – damals der drittjüngste Bischof weltweit. Wie haben Sie das erlebt?

Die Ernennung zum Weihbischof kam damals für mich überraschend, und ich musste mich durchringen, dazu Ja zu sagen. Denn es bedeutet ja ein viel größeres Maß an Verantwortung und Öffentlichkeit. Dazu kam auch die lange Zeitspanne, die vor mir lag. Ich war ja sehr jung und das Amt des Weihbischofs ist nicht auf zehn oder 15 Jahre begrenzt. Vieles war am Anfang ganz neu und mir sehr fremd, z. B. das bischöfliche Gewand, Stab und Mitra. Oder auch die neue Rolle, z. B. Priesterbegräbnisse zu leiten. Es brauchte Zeit, hineinzuwachsen in dieses Amt, damit umgehen zu lernen, um es dann auch gestalten zu können. Sehr geholfen hat mir dabei, dass ich von Anfang an von Bischof Klaus und praktisch von der ganzen Diözese so gut aufgenommen worden bin.

Was waren für Sie die großen „Highlights“ in den letzten zehn Jahren?

Ich erlebe so viel Schönes, dass es mir schwerfällt, einzelne Dinge herauszunehmen. Aber bei den Pfarrbesuchen lerne ich so viele Menschen kennen, die aus dem Glauben heraus mitten im Leben stehen – „gestandene Leute“ voller Freude und Engagement. Das ist kein Einzelfall, sondern das darf ich laufend immer wieder erleben. Ein Highlight aus der letzten Zeit: die Priesterstudientagung jetzt im Februar: Etwa 120 Pries­ter sind für zweieinhalb Tage freiwillig gekommen und haben sich mit dem Thema Schöpfungsverantwortung auseinandergesetzt. Und das in einer guten Atmosphäre und in einem guten Miteinander. Ich bin sehr dankbar, was da in den letzten Jahren gewachsen ist. Eine gute Grundstimmung, dass man sich freut, wenn man die Mitbrüder wieder sieht.

Dazu kommen ja auch noch viele österreichweite Aufgaben!

Ja, da ist im Laufe der Jahre einiges angewachsen, was viel Zeit und Energie braucht – und auch viele Wegstrecken! Als Referatsbischof bin ich zuständig für das Katholische Bibelwerk, für die Theologischen Kurse, für die berufsbegleitende Ausbildung der PastoralassistentInnen, die Ständigen Diakone und die Priesterräte. Zuletzt habe ich auch noch das Referat für die Pries­terseminare dazubekommen und da vor allem die Verantwortung für das Propädeutikum, das Einführungsjahr für die neuen Seminaristen. Allein da hat es viel Arbeit gegeben bei der Suche nach einem neuen Standort und dann die Übersiedelung von Horn nach Linz. Ich bemühe mich hier um einen guten Kontakt mit der zuständigen Stelle in Rom, der Kleruskongregation. Im Dezember ist die neue „Ratio fundamentalis“ herausgekommen – weltweit die Grundlage für die Priesterausbildung. Im Vorfeld wurden unsere diesbezüglichen Anregungen in Rom wirklich gut gehört und aufgenommen.
Ein besonderes Erlebnis in der letzten Zeit war da sicherlich der Besuch des zuständigen Erzbischofs Jorge Patrón Wong. Ich habe ihn, einen Mexikaner mit chinesischen Wurzeln, drei Tage durch Österreich begleiten dürfen. Seine bescheidene und tiefverwurzelte spirituelle Persönlichkeit und die vielen Begegnungen waren sehr beeindruckend.

Am 19. März sind Pfarrgemeinderatswahlen. Eine wichtige Wahl?

Eine treffende Beschreibung von Pfarre ist für mich „Gemeinschaft von Gemeinschaften“. Die Pfarrgemeinderäte haben dabei die wichtige Aufgabe der Vernetzung. Nicht dass man ihnen die ganze Arbeit zuschiebt, sondern dass sie das viele Gute, das geschieht, zusammentragen, so dass es wirksam werden kann für die ganze Pfarre. Natürlich sollen auf diese Weise auch die Sorgen, Einzelschicksale und pastoralen Herausforderungen ihren Platz in der Pfarre erhalten. Bei den Pfarrbesuchen erlebe ich dankbar, wie viele Menschen da so viel Zeit, Ideen und Gebet einbringen. Wahrlich eine Freude!
Für den 19. März ist meine Bitte: Möglichst viele sollen wählen, damit die Kandidatinnen und Kandidaten viel Unterstützung erhalten und somit Rückenstärkung und Schwung als eine gute Basis für die kommenden Jahre!

Hat man als Weihbischof genügend Kontakt zu den Menschen?

Ich freue mich über die vielen Kontakte und gleichzeitig ist es immer zu wenig! Wie kann ich gut in Kontakt sein mit 422 Pfarren und 500.000 Katholiken? Im Unterschied zu einem Pfarrer habe ich natürlich nicht den kontinuierlichen Kontakt mit einer Pfarre. Als Weihbischof besuche ich viele Pfarren und da gibt es sehr viele Begegnungen – manche ganz kurz und zufällig, andere geplant und in Gruppen, manche auch länger und vertieft. Eine andere Ebene sind die Begleitung von Einkehrtagen und Kurz-Exerzitien, auch für Diakone oder Priester. Hier gibt es Zeit für längere Einzelgespräche, ich nehme teil an Freud und Leid, an Schicksalsschlägen und an der Dankbarkeit der Menschen.

Sie haben die Leitung des Priesterseminars in einer sehr schwierigen Phase übernommen. Wie sehen Sie die Situation des Seminars heute, wo die Seminaristen nicht mehr in St. Pölten ausgebildet werden?

Seit fünf Jahren arbeiten wir, aufgrund der geringen Zahl von Seminaris­ten, in der Priesterausbildung mit Eisenstadt und Wien zusammen im Projekt „Drei Seminare unter einem Dach“. Diese nicht leichte Entscheidung hat sich in der Zwischenzeit sehr bewährt und soll auch fortgeführt werden. In einer Gemeinschaft von 30 Seminaristen ist das Grundgefühl ein anderes und Ausbildungsgruppen und -schritte sind leichter und effektiver zu gestalten. Und die zukünftigen Priester erleben und erlernen konkreter die Vielfalt von katholischen Spiritualitäten.

Und wie stellt sich für Sie die Situation an der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) dar?

An der PTH gibt es erfreulicherweise wieder mehr Studenten: An die 20 sind in diesem Jahr neu dazugekommen. Es geht jetzt verstärkt in die religionspädagogische Richtung und damit auch konkreter in Richtung der diözesanen pastoralen Erfordernisse. Die gesamte Bildungslandschaft in Österreich ist derzeit in einem großen Umbruch – unsere Hochschule kann da in Zukunft noch sehr viel Gutes leisten!

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Auf diese Frage habe ich erst kürzlich geantwortet: Ich bete darum, dass wir Christen dazu beitragen, dass alle Menschen in unseren Pfarren und Ortschaften – wer auch immer da lebt – zum Sinn ihres Lebens finden, zu Freude, Tiefe und Weite und zu ihrer Verantwortung. Ich bete darum, dass ich und wir genügend dankbar sind. 

Interview: Sonja Planitzer