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Gutes Leben in Österreich, gutes Leben in Guatemala

Welthaus-Gäste

St. Pölten, 03.05.2017 (dsp) Hilda Elizabeth Cabrera López und Elvis Santiago Morales Sican, Gäste von Welthaus der Diözese St. Pölten, informierten über die Voraussetzungen für gutes Leben in ihrem Land Guatemala. Sie erzählen auf ihrer Tour durch NÖ, wie sie sich in ihren Organisationen für ein würdiges Leben der benachteiligten Mehrheitsbevölkerung einsetzen.

Sie fordern Mitsprache und Teilhabe an Bildung, Gesundheit, Justiz und Kultur. Sie schlagen alternative Wirtschaftssysteme vor, die die Umwelt schützen und zu einem guten Leben für alle Menschen beitragen. Umgekehrt berichtete Axel Isenbart, diözesaner Leiter des Bereichs Gesellschaftliche Verantwortung, darüber, was wir in Österreich unter dem Thema gutes Leben verstehen.

Isenbart meinte, hierzulande werde die Frage nach dem guten Leben selten gestellt, es werde selten thematisiert. Wir seien hier in einer guten Situation, etwa puncto Sicherheit oder Wohlstand. Dennoch würden ihm die Menschen hier nicht sonderlich glücklich erscheinen, das sage laut Isenbart auch der Weltglücksindex. Viel zu oft ginge es nur um die Steigerung von Einkommen. Das Bruttosozialprodukt sei also nicht der einzige Maßstab, um den Erfolg eines Landes zu messen. Seit 2012 veröffentlichen die Vereinten Nationen jährlich einen Bericht, der Glück als Messgröße für Fortschritt und Ziel der Politik definiert. Isenbart erinnerte an eine Aussage in der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, in der dieser dazu aufrief, gut leben zu lernen und nicht auf Konsum versessen zu sein.

Die beiden Guatemalteken priesen Österreich als Land, in dem der Reichtum besser verteilt sei als in ihrem Heimatland. Dort gebe es einige Reiche und viele Arme, die kaum Grundbesitz hätten. Die Regierung unterstütze Großunternehmen und das Land sei patriarchalisch strukturiert, weiters mache den Menschen die schwache Währung und die geringe Kaufkraft zu schaffen. Materielles wie Nahrung sei zwar Grundvoraussetzung für ein gutes Leben, aber es mache nicht zufrieden. Es brauche dafür auch Spiritualität und Geistliches.

Die Kirche habe einen wichtigen Beitrag zum Versöhnungsprozess in den Jahren nach dem Bürgerkrieg geleistet, so  López und Sican. Die Pfarren stellten weiters eine Infrastruktur zur Verfügung, die es ermögliche, Menschen nach Naturkatastrophen gut zu helfen. Sie würdigen auch Erzbischof Álvaro Ramazzini, der sich für die Rechte der Kleinbauern einsetze.

Wie kann man als Österreicher/in helfen? Isenbart und die Gäste aus Guatemala stimmen überein, dass Fair Trade-Produkte zu kaufen den Kleinbauern am besten helfe. Die Welthaus-Gäste dankten auch den Österreichern und der katholischen Kirche für deren Unterstützung bei diversen Projekten. Konsumenten sollten sich weiters informieren, ob ihre Einkäufe nicht dazu führten, dass etwa Anbaugebiete für die Bevölkerungen armer Länder verloren gingen.

Hintergrund zu den Welthaus-Gästen

Ein erfülltes Leben für Frauen – dafür setzt sich Hilda Elizabeth Cabrera López ein, wenn sie in Workshops die Konflikte in Gemeinden bespricht. Denn in Guatemala haben sich das Schweigen und die Angst als Überlebensstrategie durchgesetzt. Bildung, Beratung und Traumabewältigung ist für junge indigene Frauen ein Weg, um ihren Lebensweg selbst zu bestimmen. Lopez lebt in Guatemala Stadt und ist die Programmkoordinatorin von MIRIAM, einer Organisation zur Förderung der Aus-, Fach- und Weiterbildung von indigenen Frauen. Sie ist Soziologin und war selbst Stipendiatin von MIRIAM, die von der Katholischen Frauenbewegung und von der Dreikönigsaktion unterstützt wird.

Elvis Santiago Morales Sican aus San Lucas Tolimán, ist für die Beratung und Begleitung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zuständig. Als Agraringenieur ist er überzeugt, dass der Erhalt alten Wissens und traditioneller Praktiken in der Landwirtschaft eine Lösung für die anhaltende Armut und Unterernährung am Land ist. „Denn“, so Elvis Morales, „wir wurden geschaffen, um glücklich zu sein.“ Das „Bauern- und Bäuerinnen-Komitee des Hochlands“, kurz CCDA, ist Vorreiter der Biolandwirtschaft und des Ökotourismus in der Region. Von Kursen in ökologischer und biodynamischer Landwirtschaft bis hin zum Widerstand gegen die aktuelle Bergbau-Politik basieren alle Themen der Organisation auf dem Konzept des Guten Lebens „Utz K’aslemal“. Das CCDA ist Partnerorganisation von Horizont3000 und der Dreikönigsaktion.

Der designierte Direktor der Pastoralen Dienste, Hans Wimmer, dankte den Nachkommen der Maya für deren Besuch und würdigte deren soziales Engagement. Die Welthaus-Gäste verbringen eine Woche in der Diözese St. Pölten, in der sie Pfarren, Welthausläden und Schulen besuchen – etwa in Ottenschlag, Euratsfeld oder Zwettl.