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"Geht, heilt und verkündet": Missionsauftrag als Wahlspruch

Jeder Bischof wählt einen Bibelvers als seinen programmatischen Wahlspruch. "Geht, heilt und verkündet!" - unter dieses Leitwort stellt Hermann Glettler seinen Hirtendienst in der Diözese Innsbruck und bezieht sich damit auf das Matthäusevangelium (Mt 10,7f).

Diese Perikope handelt von der Auswahl der zwölf Jünger durch Jesus, die er für die Mission wie folgt beauftragte: "Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben." Glettler sieht darin den Auftrag, "sich auf den Weg zu machen, füreinander in einer herzhaften Sorge da zu sein und von der Hoffnung zu sprechen, die uns geschenkt wurde".

In einem ausführlichen Interview in der Kirchenzeitung "Tiroler Sonntag" erläuterte Glettler seinen Wahlspruch und die damit verbundene Präferenz für eine einladende, notsensible, missionarisch-bewegliche Kirche gemäß dem Motto "Aufbrechen!", das die Diözese Innsbruck zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum ausgab. Er wolle "keine Kirche von Funktionären, keine Kirche, die sich hinter Schreibtischen oder Computern versteckt", betonte der künftige Bischof.

"Sesshaftigkeit" im Sinne von Bequemlichkeit sei quer durch die Jahrhunderte für die Kirche eine Versuchung gewesen - wie schon davor für das Volk Israel, so Glettler. Aber: "Gott will, dass wir beweglich bleiben, weil er selbst höchste Lebendigkeit ist. Wir können ihn nicht festhalten und besitzen." Auch Jesus sei immer unterwegs gewesen, "das Gehen gehört zur Grundgrammatik unseres Glaubens". Konkret bedeutet dies für den Bischof etwa Interesse für das Leben der Menschen im unmittelbaren Lebensumfeld: "Kontakt aufnehmen, hingehen, anklopfen, besuchen, sich einladen lassen ... auch jene aufsuchen, die aufs Erste nicht so sympathisch sind." Die innere Beweglichkeit helfe auch, jene besser zu verstehen, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen mussten. "Ihr Schicksal muss uns doch berühren!", so Glettler.

"Heilen" als zweites Verb in der Trias seines Wahlspruches hat laut dem Bischof neben der medizinischen Bedeutung auch den Sinn, "füreinander Sorge zu tragen, heilsam füreinander da zu sein" durch Aufmerksamkeit und Hinwendung, Versöhnung und Vergebung. Auch das Gebet für andere könne "Wunder wirken". Und bei der Beichte sei es ihm ein "großes Anliegen, dieses Sakrament wieder neu mit Leben zu erfüllen". Dieses sei "leider ins Abseits gedrängt" worden - auch durch eine fehlgeleitete Praxis, wie Glettler anmerkte.

Der dritte Imperativ "Verkündet" bedeutet für den Bischof zunächst die "Predigt des alltäglichen Lebens". Glettler wörtlich: "Wenn ich gegenüber meinem Nachbarn ein ekelhafter Typ bin, dann kann ich ihm nichts von Gottes Güte erzählen." Wichtig sei darüber hinaus, in Worte zu fassen, was der Grund der Hoffnung ist, die einen gläubigen Menschen erfülle. Dies soll in "Normalsprache" erfolgen, riet Glettler, "nicht frömmelnd und nicht abgehoben theoretisch".

Wappen nimmt Bezug auf Graz und Innsbruck

Auf einem Transparent im Eingangsbereich des Innsbrucker Doms ist das Wappen des neuen Bischofs bereits seit einer Woche sichtbar. Darauf sind laut Diözese "starke und auch traditionelle Symbole erkennbar, die für die Amtsverständnis Glettlers eine besondere Bedeutung haben".

Im Wappen befindet sich mit der Brücke im oberen linken Feld der Verweis auf die Stadt Innsbruck; daneben unverkennbar der Grazer Uhrturm, das Wahrzeichen seiner langjährigen Heimat, mit einer Uhr, die auf Zehn vor Zwölf zeigt. "Es ist höchste Zeit, auf den Ruf Gottes zu hören", so die Deutung. Im linken unteren Feld des Wappenschildes findet sich die bischöfliche Segenshand, die ebenfalls auf die Herkunftsdiözese des Bischofs verweist. Daneben das verwundete Herz Jesu - als Verweis darauf, dass das Land Tirol seit 1796 dem Herzen Jesu geweiht ist.

(01.12.2017, KAP)