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Gefangenenseelsorger Wansch: 50. Weihnachtsfeier in der Justizanstalt St. Pölten

Prälat Josef Wansch

St. Pölten, 21.12.2017 (dsp) Zum 50. Mal feiert Prälat Josef Wansch am Donnerstag mit den Insassen der Justizanstalt St. Pölten die Weihnachtsfeier. Zelebriert wird der Gottesdienst von Weihbischof Anton Leichtfried. Seelsorger Wansch hat viel erlebt in dieser Zeit.

Wie können Sie als Seelsorger Menschen in Gefängnissen helfen, die oft kaum mehr Perspektiven haben?

Wansch: In Jesus ist die befreiende und heilende Liebe Gottes Mensch geworden. Das soll der Priester im Gefängnis ansatzweise erfahrbar machen. Unsere Aufgabe – zusammen mit Justizbeamten und den Fachdiensten – ist es, den inhaftierten Menschen ernstzunehmen. Weiters stehen wir ihnen in der Einsamkeit und Isolation bei und lassen sie spüren, dass sie nie ihre Würde als Mensch verlieren – was auch immer gewesen sein mag. Nicht zu trösten sind wir vorerst da, sondern die Verzweiflung und Trostlosigkeit der hilfesuchenden Gefangenen im seelsorglichen Gespräch zuzulassen.

Was geben Sie inhaftierten Menschen mit?

Trotz ihrer sehr schwierigen und einengenden Lebenssituation sollen Gefangene „Ja“ zu ihrem Leben sagen und ihr Leben wieder sinnvoll erfahren können. Wir sollen sie ermächtigen, ihr Leben nach ihren eigenen Möglichkeiten selbst in die Hand zu nehmen. Weiters wollen wir ihnen helfen, die tragfähigen Bindungen und Kontakte zu ihren Familien und Freunden zu bewahren und zu stärken.

Welche spezielle Bedeutung haben Priester im Gefängnis?

Ganz entscheidend ist das Klima in einer Justizanstalt. Dem Priester fällt eine wichtige Rolle dabei zu, auch im höflichen Umgang mit allen im Strafvollzug Tätigen. Gott ist ein Freund des Lebens, jedes Leben hat seinen Sinn. Die Gefangenen sollen selber Freunde des Lebens werden – ihres eigenen Lebens, aber auch des Lebens der anderen. Sie sollen zu ihrer Schuld stehen und wieder Verantwortung übernehmen und neu anfangen. Wir ermutigen sie, trotz aller Enttäuschungen und Scham und Scheu das Netz früherer Beziehungen und Freundschaften aufrechtzuerhalten. Die Gefangenen dürfen sich auch trotz negativer Erfahrungen nicht aufgeben.

Was erwartet man noch von Priestern?

Wir nehmen die Gefangenen als Menschen an und gehen auf jeden Einzelnen zu und wir gehen auf seine spezielle Situation ein. An Mangel an guten Kontakten kann ich mich nicht beklagen. Wir wollen die Insassen auch auf die Freiheit vorbereiten, in St. Pölten ist dabei die Emmaus-Gemeinschaft ein wichtiger Partner. Ich persönlich möchte mich auch bei den Bischöfen bedanken, die die Gefangenenseelsorge in den vergangenen Jahrzehnten immer unterstützt haben.

Wie bedeutsam ist Weihnachten für Gefangene?

Da möchte ich einen Strafgefangenen zitieren, der einmal sehr traurig geschrieben hat: „Weihnachten ist für mich das furchtbarste Fest des Jahres. Da spüre ich, wie viel mir fehlt, vor allem die Familie. Ich erlebe, wie arm ich bin, ich habe nichts zu verschenken, bin immer nur auf andere angewiesen. Mir wird klar, wie finster und dunkel es in mir ist.“

Wie gehen Sie mit der Schuld von Verbrechern um?

Verbrecher werden nicht geboren, es gibt keine „kriminelle Erbmasse“, kein „Gesetz des Bösen“. Es gibt aber leider sehr viele psychisch kranke Menschen, die in die „Mühlen der Strafgesetze“ kommen. Ich zitiere den berühmten Jugendseelsorger Don Bosco, der gesagt hat: „Das Beste, was wir auf der Welt tun können, ist Gutes tun, fröhlich sein, und die Spatzen pfeifen lassen.“ Das fasst vieles zusammen, was wir tun können.

Welche Botschaft können Sie Gefangenen noch mitgeben?

Auf einer CD der Justizvollzugsanstalt heißt es im ersten Lied: „Die Gott lieben, werden leuchten wie die Sonne, die aufgeht mit aller Pracht.“ Der Text stammt von einem Insassen. Auch die Bibel ist uns eine große Hilfe, so steht in Psalm 69,34: „Denn der Herr hört die Armen und verachtet seine Gefangenen nicht.“ Und der heilige Paulus nannte sich selbst der „Gefangene Jesu Christi“ (Epheser 3,1)

Wie erleben Sie die Gottesdienste?

Die 20-30 mitfeiernden Gefangenen bei den Gottesdiensten – zu Weihnachten sind es natürlich weit mehr - sind alle sehr aufmerksam und aufgeschlossen. Die Inhaftierten wollen Gott begegnen und mit sich selbst ins Reine kommen – auch durch den Empfang des Bußsakramentes.