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Fronleichnam: Katholiken gehen "auf die Straße"

Fronleichnamsprozession

13.6.2017 (dsp/KAP) Die katholische Kirche feiert am Donnerstag das Hochfest Fronleichnam. In Österreich und mehr als einem Dutzend weiteren Ländern - darunter Portugal, Brasilien, Polen, Kroatien und mehrere deutsche Bundesländer - ist das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" ein gesetzlicher Feiertag. Zu den Festprozessionen in den heimischen Pfarren werden nach Schätzungen wieder bis zu zwei Millionen Gläubige erwartet. Im Dom von St. Pölten steht Diözesanbischof Klaus Küng der Feier des Hochfestes um 9.15 Uhr vor. Im Amnschluss an die Heilige Messe führt die Prozession mit vier Stationen durch die Innenstadt.

Zu Fronleichnam bezeugen Katholiken ihren Glauben an die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie. Der Name des Festes leitet sich ab aus dem Mittelhochdeutschen "vrone licham" - Leib des Herrn. In Prozessionen tragen Geistliche Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen. Das Brauchtum der Fronleichnamsprozessionen stammt aus dem Mittelalter.

Die Umgänge machen bis heute "ausdrücklich die Christusgegenwart sichtbar - und sie sollte sie sichtbar machen an Orten, an denen wir es nicht vermuten", beschreibt der Innsbrucker Theologe Roman Siebenrock die gedankliche Grundlage der Fronleichnamsprozessionen: "Die Prozession stellt ein öffentliches Versprechen dar, in dem die Gehenden sagen, wer sie sind, woran sie sich letztlich ausrichten, und wie sie sich zu den anderen verhalten, was also die anderen von ihnen erwarten können. Die Gegenwart Christi, die sichtbar im Zeichen des Brotes feierlich gezeigt wird, ist weder auf den Tabernakel noch auf die Kirche begrenzt."

Wie in der ganzen katholischen Welt sind die heimischen Fronleichnamsprozessionen vielfach mit farbenprächtigen populären Bräuchen verbunden. So sind bei vielen Prozessionen Kinder zu sehen, die Blütenblätter auf den Prozessionsweg streuen. In zahlreichen Orten legen die Gläubigen früh am Morgen Blumenteppiche mit mosaikartigen Mustern, Sinnbildern und Sprüchen aus Blüten.

Ursprung vor 750 Jahren

Das Fronleichnamsfest wird in der katholischen Kirche seit mehr als 750 Jahren gefeiert. Das Fest geht zurück auf Juliana von Lüttich. Die später heiliggesprochene Ordensfrau aus dem Augustiner-Orden hatte schon als junges Mädchen eine Vision, um deren Deutung sie jahrelang ringen musste: Ins Gebet versunken sah sie den Vollmond mit einem dunklen Fleck darauf - ein seltenes Himmelsphänomen, bei dem sich die Venus als schwarzer Fleck vor der Sonne entlang schiebt. Nach Gesprächen mit Theologen deutete Juliana ihre Erscheinung schließlich als Weisung Christi: Der Mond stehe für das Kirchenjahr, der Fleck aber für das Fehlen eines Festes zur Verehrung der heiligen Hostie.

Papst Urban IV. führte Fronleichnam 1264 als allgemeines Kirchenfest ein, 1317 ordnete Papst Johannes XXII. den Donnerstag als Festtag an. Schon in den 1270er-Jahren führte die erste Fronleichnamsprozession, die dem Fest sein außergewöhnliches Gepräge geben sollte, durch die Straßen von Köln. In Wien lud der Habsburger-Herzog Rudolf IV. "der Stifter" 1363 erstmals zur öffentlichen Fronleichnamsprozession durch die Stadt ein.