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Dogmatiker: Religion und Naturwissenschaft kein Widerspruch

Rektor Univ.-Prov. Dr. Franz Gruber

St. Pölten, 21.02.2017 (dsp) Ein „Krieg“ zwischen Naturwissenschaften und Religion, zwischen Wissen und Glauben sei „sinnlos“, weil es sich um zwei unterschiedliche Perspektiven auf die Wirklichkeit handle. Das betonte der Dogmatiker und Rektor der Katholischen Privatuniversität Linz, Franz Gruber, bei der Priesterstudientagung im Bildungshaus St. Hippolyt. Es gebe zwei Möglichkeiten auf die Welt zuzugehen, „beide haben ihre Stärken und Schwächen“. Es gelte jedoch, immer wieder zu überprüfen, „wo ist das Reich des Glaubens und wo das Reich des Wissens, und welche Tendenzen bestehen, die Grenzen zu verschieben“, so Gruber.

Nach dem Dogmatiker gelte es zu unterscheiden zwischen „Verfügungswissen“ einerseits und „Orientierungswissen“ andererseits. Das erstere umfasse die Technik, Naturwissenschaften, Organisations- und Administrationswissen und beschreibe die Welt „aus der Perspektive der 3. Person“. Unter „Orientierungswissen“ verstehe man hingegen das Wissen und die eigene Identität, Sinnwissen sowie moralisches Wissen. Dieser Bereich der „1. Person-Perspektive“ werde vor allem durch die Geisteswissenschaften, Kunst und eben Religion abgedeckt.

Die naturwissenschaftliche Sichtweise liefere Antworten auf das Wie der Naturprozesse, wie Gruber ausführte. Sie sei „beobachtend, erklärend, quantitativ“ und beschreibe eine „Es-Welt“. Auf der anderen Seite beantworte die religiöse Einstellungsweise die Fragen nach dem Warum und dem Wozu der Welt, sei „teilnehmend, sinnverstehend, qualitativ“ und beschreibe eine „Wir-Welt in einer Kommunikationsgemeinschaft“. Gott sei empirisch nicht erkennbar, sondern nur „an-erkennbar“ aus der Perspektive der 1. Person: „Gott ist kein Objekt der Natur.“

Idealerweise sollten sich beide Sichtweisen auf die Welt ergänzen und nicht bekämpfen. Auch das autonome Nebeneinander gegensätzlicher Methoden sei nicht fruchtbringend. So seinen heute vor allem zwei Modelle zum Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie aktuell: das Dialogmodell mit Parallelen in den Methoden und das Integrationsmodell mit „systematischen Synthesen“, so Gruber. Grenzen der Naturwissenschaften zeigten sich besonders an Fragen wie denen nach den Anfangsbedingungen des Universums, dem Ursprung der Naturgesetze oder den Bedingungen, die Leben ermöglichen.