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Diözesanmuseum: Neues Buch zu mittelalterlichen Glasgemälden in NÖ

Mitarbeiter des St. Pöltner Diözesanmuseum vor einer Glasmalerei

St. Pölten, 10.05.2017 (dsp) Im St. Pöltner Diözesanmuseum wird am Mittwoch, 17. Mai, um 17 Uhr ein neues Buch über mittelalterliche Glasgemälde in Niederösterreich präsentiert. Bei der mittelalterlichen Glasmalerei handelt es sich um eine besonders gefährdete Kunstgattung.

Sammlungsbestände

Der vorliegende Band des Österreichischen Corpus Vitrearum stellt die Fortsetzung von zwei bislang erschienenen Teilbänden zu den mittelalterlichen Glasgemälden in Niederösterreich (1972 und 2015 im Böhlau-Verlag erschienen) dar. Der Schwerpunkt der Bearbeitung liegt diesmal auf dislozierten Beständen in in- und ausländischen Sammlungen.

Burgen als Gesamtkunstwerke

Im 19. Jahrhundert galten mittelalterliche Glasmalereien als begehrte Sammlungsobjekte von Burgherren. So gab Kaiser Franz II./I. um 1800 den Auftrag Glasgemälde von unterschiedlichen Kirchen und Klosteranlagen anzukaufen, um sie in die Fenster seiner damals als Gesamtkunstwerk errichteten Franzensburg in Laxenburg einzubauen. Sie waren ein wichtiges Stimmungsmittel, um in der als „Ritterveste“ bezeichneten Burg das Mittelalter gewissermaßen auferstehen zu lassen. Im vorliegenden Band konnte erstmals für einige dieser Bestände ihre bisher ungeklärte Provenienz nachgewiesen werden, darunter von Standorten, die heute nicht mehr existieren, wie etwa die Maßwerkreste des späten 14. Jahrhunderts aus dem Stift Säusenstein.

Im Fall der späthistoristischen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten Burganlage von Kreuzenstein war es Johann Nepomuk Graf Wilczek, der mittelalterliche Glasgemälde unterschiedlichster Provenienz für die Räume seiner Burg erwarb. V. a. im Historismus bildeten mittelalterliche Glasgemälde einen besonderen Sammlungsschwerpunkt, da sie zur Vorstellung mittelalterlicher Burgenausstattungen gehörten. Auf der Burg Kreuzenstein befinden sich etwa bedeutende, auf Umwegen aus Stift Heiligenkreuz gekommene Scheiben des 13. Jahrhunderts.

Museen als sichere Aufbewahrungsorte

Darüber hinaus wurden im 19. Jahrhundert Restbestände aus niederösterreichischen Kirchen aus Schutzgründen ausgebaut und in Museen zur sicheren Aufbewahrung überstellt. Auf diesem Wege kam etwa die wichtige Zimelie der Stephanusscheibe aus Eggenburg, das einzige erhaltene Werk der monumentalen Glasmalerei aus dem Kontext der Donauschule, in das Diözesanmuseum von St. Pölten. In das Stadtmuseum von Wiener Neustadt gelangten wiederum zwei historisch bemerkenswerte Glasbilder aus der Stadtpfarrkirche von Ebenfurth.
Im vorliegenden Buch werden auch niederösterreichische Bestände vorgestellt, die sich heute in ausländischen Museen befinden (Genf, Nürnberg), und stilistisch der so genannten Herzogswerkstatt beziehungsweise ihren Nachfolgern zugeordnet werden können.

Fragmente einer Kulturlandschaft

Abschließend werden zwei Bestände aus dem Burgenland vorgestellt – die einzigen in diesem Bundesland in situ verbliebenen Glasgemälde in Rust sowie zwei Stifterscheiben am Übergang zur Renaissance auf Burg Forchtenstein.

Systematische Dokumentation

Alle Glasgemälde sind in einem Katalog systematisch dokumentiert. Besonders wertvoll erweisen sich dabei die Erhaltungsschemata, welche die Unterscheidung der Originalsubstanz von teilweise schwer erkennbaren Ergänzungen ermöglichen. Die den Katalogtexten vorangestellte kunsthistorische Analyse umfasst detaillierte ikonographische, stilistische und technische Untersuchungen, die mithilfe einer großzügigen Bebilderung die künstlerische Qualität der behandelten Werke veranschaulichen.

Corpus Vitrearum Medii Aevi

Das „Corpus Vitrearum Medii Aevi“ (CVMA) ist ein wissenschaftliches Unternehmen zur Erforschung und Publikation der weitgehend unbekannten und auch in der Forschung wenig berücksichtigten mittelalterlichen Glasmalerei. Österreich zählte 1952 zu den Gründungsmitgliedern des CVMA, des ersten auf internationaler Basis organisierten Forschungsunternehmens der Kunstgeschichte, das sich heute aus zwölf europäischen Ländern sowie den USA und Kanada zusammensetzt.

Die Tatsache, dass es sich bei der mittelalterlichen Glasmalerei um eine besonders gefährdete Kunstgattung handelt, verleiht diesem Inventarisationsvorhaben Dringlichkeit. Die wissenschaftliche Bestandsaufnahme und aufwändige Dokumentation erfolgt seit der Nachkriegszeit im Zusammenhang mit den vom Bundesdenkmalamt durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen, darunter etliche im vorliegenden Band behandelte Restaurierungskampagnen (Burg Kreuzenstein, Burg Forchtenstein, Rust).

Die Forschungsergebnisse erscheinen in der nach europaweit einheitlichen Richtlinien gestalteten Publikationsreihe des CVMA unter Mitwirkung des internationalen Kunsthistorikerkomitees unter dem Patronat des Union Académique Internationale. Die Publikationen der österreichischen CVMA-Reihe werden gemeinsam vom Bundesdenkmalamt und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben. Bislang sind in der auf acht Bände projektierten Reihe fünf Bände erschienen.

Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich
Günther Buchinger, Elisabeth Oberhaidacher-Herzig, Christina Wais-Wolf
Corpus Vitrearum Medii Aevi – Österreich Band V,2
Böhlau-Verlag 2017

Foto: Mitarbeiter des St. Pöltner Diözesanmuseum vor einer Glasmalerei