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"Die Armen sind kein Problem, sondern eine Ressource"

Christian Köstler von der PfarrCaritas, Diözesanbischof Klaus küng, Caritasdirektor Hannes Ziselsberger

St. Pölten, 11.11.2017 (dsp) Unter dem Motto „Liebt nicht mit Worten, sondern in Taten“, hat Papst Franziskus heuer zum ersten Mal den Welttag der Armen ausgerufen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz wiesen Bischof Klaus Küng und Caritasdirektor Hannes Ziselsberger darauf hin, dass jeder siebte Mensch in Österreich von Armut betroffen ist. Die Caritas bittet aber nicht nur um Spenden, sondern zeigt auch Möglichkeiten der konkreten Hilfe auf.

Der Platz der Kirche ist an der Seite der Armen. – Diese Überzeugung prägt den „Welttag der Armen“, den Papst Franziskus jetzt für die Kirche eingeführt hat und der heuer erstmals weltweit am 19. November begangen wird. Die österreichischen Bischöfe haben dazu festgelegt, dass der „Welttag der Armen“ in allen Pfarrgemeinden Österreichs durchgeführt wird. Er steht unter dem Motto „Liebt nicht mit Worten, sondern mit Taten“.

„Dieser Welttag der Armen will die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen“, betonte Bischof Klaus Küng. Gleichzeitig ergehe diese Einladung an alle Menschen, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit, „damit sie sich als konkretes Zeichen der Brüderlichkeit für das Teilen mit den Armen in jeder Form der Solidarität öffnen. „Es ist der große Wunsch von Papst Franziskus, dass dieser neue Welttag zu einem starken Aufruf für unser gläubiges Gewissen wird, damit wir immer mehr davon überzeugt sind, dass Teilen mit den Armen es uns ermöglicht, das Evangelium in seiner tiefsten Wahrheit zu verstehen“, so Bischof Küng. „Die Armen sind kein Problem. Sie sind vielmehr eine Ressource, aus der wir schöpfen können, um das Wesen des Evangeliums in uns aufzunehmen und zu leben."

„Die Caritas der Diözese St. Pölten ist ein wesentlicher Teil der diözesanen Aufgabenstellung im Bereich der Diakonie. Die diözesane Caritas steht den Pfarren zur Seite, um auf Not vor Ort eine Antwort zu suchen und zu finden“, sagte Caritasdirektor Hannes Ziselsberger. Hand in Hand können Pfarren und Diözesancaritas Not sehen, handeln und damit lindern. Pfarrgemeinden seien für viele gesellschaftliche Herausforderungen verlässliche Partner und oft das verlässlichste soziale Netzwerk in den Ortschaften. „In dieser Zeit der Angst, der Unruhe und der Ungewissheit können wir mit Aggression, Ausgrenzung, Hass und Gewalt reagieren, oder mit Zuwendung, Achtsamkeit oder Liebe. Wir Christen können eine klare Botschaft der Zuwendung, der Achtsamkeit und der Liebe vermitteln“, so Ziselsberger.

Die Caritas übersetze diese Haltungen „sehr klar, in dem wir uns an die Seite derer stellen, deren Freiheit durch ungerechten Zwang eingeschränkt ist, deren Menschenwürde missachtet wird und die auf Grund fehlender Mittel nicht die Chance haben, ein Leben in Fülle zu leben", erklärte der Caritasdirektor. „Wir stellen uns sehr bewusst an die Seite jener etwa 14 % der Bevölkerung, die von Armut bedroht sind.“ Das sind immerhin etwa 1,2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher. Darunter sind etwa 289.000 Kinder, 424.000 Männer und 495.000 Frauen. Die Caritas stellt sich auch sehr bewusst an die Seite von Ein-Eltern-Haushalten oder Mehrpersonenhaushalten mit drei Kindern, denn diese haben mit 39 % bzw. 23 % ein besonders hohes Armutsgefährdungsrisiko. Die Caritas stellt sich auch besonders an die Seite jener 366.000 Personen oder 4 % der Bevölkerung, die als manifest arm gelten.

Das passiert am Welttag der Armen in Pfarren
  • Teeausschank: Nach dem Gottesdienst wird in vielen Pfarren bei heißem Tee zur Begegnung am Kirchenplatz oder im Pfarrhof eingeladen.
  • Teeverkauf: In rund 50 Pfarren wird auch der sogenannte Caritas-Tee (ein Produkt von Sonnentor) um € 3,50 zum Verkauf zu Gunsten der Caritas Inlandshilfe angeboten.
  • Besuche: Die Teebeutel mit dem Caritastee sollen nicht nur auf die Sammlung aufmerksam machen sondern sie sind auch eine Einladung an alle Kirchenbesucher, einen vielleicht schon lange geplanten Besuch bei alten, kranken oder einsamem Menschen in der Nachbarschaft oder in der Verwandtschaft zu machen.
  • Warenkörbe für Menschen in Not: Am 19. November wird auch in manchen Pfarren dazu aufgerufen haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel als Sachspenden in einen bereitgestellten Warenkorb zu geben. Die gesammelten Sachspenden werden dann entweder direkt in der Pfarre von der Pfarrcaritas an bedürftige Menschen verteilt, oder sie werden an einen Somamarkt oder eine Teamtafel zur Verteilung weitergegeben.
  • Besuch von pflegenden Angehörigen oder trauernden Menschen: Der Welttag der Armen ist für einige Pfarrcaritasgruppen Anlass,  pflegende Angehörige oder trauernde Menschen in der Pfarre zu besuchen und damit Anteil an ihrem Leben und ihrer Situation zu nehmen.
  • Einladung zum Essen: Papst Franziskus möchte heuer auch viele Pfarrgemeinden ermutigen, rund um den Welttag der Armen, Menschen in unterschiedlichen Notsituationen zum gemeinsamen Essen oder zum Pfarrkaffe in die Pfarrgemeinschaft einzuladen.