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In der Priesterausbildung muss der Mensch als Ganzes im Zentrum stehen

Weihbischof Anton Leichtfried

Rom, 11.10.2017 (dsp) In der Priesterausbildung muss der Mensch als Ganzes im Zentrum stehen. Das hat der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried im "Radio Vatikan"-Interview betont. Leichtfried äußete sich am Rande eines Kongresses, den die Kleruskongregation dieser Tage in Castelgandolfo veranstaltete. 230 Bischöfe und Seminarleiter aus aller Welt waren eingeladen, um die im Dezember 2016 veröffentlichte vatikanische Rahmenordnung zur Priesterausbildung zu vertiefen. Am vergangenen Samstag traf Papst Franziskus die Teilnehmer der Tagung in Audienz. Wie Leichtfried im Interview hervorhob, sei auch der Kinderschutz ein zentrales Anliegen der Ausbildung.<--break->

Hier sei man in der Ausbildung auf mehreren Ebenen unterwegs; u.a. auf der psychologischen Ebene. Wenn Zweifel über die Integrität eines Kandidaten bestünden, werde auch ein Gutachten erstellt. Zugleich gehe es vor allem aber auch um Information und die Weitergabe von Erfahrungsmodellen, "damit das möglichst verantwortungsvoll geschehen kann und damit man sich auch wieder gerne mit Kindern und Jugendlichen unterhalten und auch etwas mit ihnen unternehmen kann".

Es gebe mittlerweile gute Verhaltensregeln, die den angehenden Priestern mit auf den Weg gegeben würden, "und auch ein viel stärkeres Bewusstsein dafür, dass ich mich über dieses Thema informieren muss und eine große Verantwortung habe". Hundertprozentig ausschließen könne man Missbrauch nie, aber man müsse zumindest alles menschenmögliche dagegen tun.

Mehr als Wissensvermittlung

In den Priesterseminaren sei man um eine umfassende Ausbildung bemüht, so Leichtfried weiter. "Bildung ist ja nicht nur eine Wissensvermittlung, natürlich geht es auch um Kenntnisse, aber Informationen kann ich mir heute überall besorgen. Es geht vielmehr darum, dass die menschliche Bildung, die menschliche Dimension genug Platz bekommt, die spirituelle Dimension, das Studium oder auch die pastorale Befähigung", so der Bischof wörtlich. Nachsatz: "Wir wollen insgesamt Persönlichkeiten festigen und beim Gestalten helfen."

Ihm sei es vor allem auch wichtig, dass Seminaristen "Priester erleben, die ihren Weg mit Freude machen, dass man sieht, man kann auch heute und in Zukunft gut Priester sein", so der Bischof. Er wünsche sich vor allem, "dass junge Menschen eine Berufung spüren, einen Rahmen und Menschen finden, wo sie diesem Ruf nachgehen können und ihn entfalten können".

Besonderer Wert werde in der Priesterausbildung auch auf die Gemeinschaft gelegt. "Kirche ist ja von Anfang an kein Solistenverein, sondern Gemeinschaft", sagte der Bischof. Gemeinschaft zu leben bzw. zu erfahren sei freilich für angehende Priester in Österreich nicht immer leicht. Nur noch wenige junge Männer würden ihrer Berufung zum Priestersein folgen oder diese überhaupt wahrnehmen. "Also man muss sich über jeden Kandidaten freuen, denn es gibt leider sehr wenige", so der Weihbischof. "Aber deshalb ist es auch für die wenigen wichtig, dass sie Gemeinschaft erleben."

Aus diesem Grund hätten sich drei heimische Diözesen vor fünf Jahren zur Kooperation entschieden: Die Diözesen Eisenstadt, Wien und St. Pölten arbeiten zusammen, so dass zwischen 30 und 35 junge Männer gemeinsam ausgebildet werden können. Leichtfried: "Da kann man wieder Fußball spielen, ins Theater gehen und das ist auch für die spirituelle Dimension wichtig, weil ich Gleichgesinnte treffe und auch ganz andere, so dass ich die katholische Vielfalt erlebe und den eigenen Glauben vertiefen kann."

Weihbischof Leichtfried ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Priesterausbildung zuständig. Er zeigte sich im "Radio Vatikan"-Interview vom Kongress sehr angetan. Wie er sagte, bot die Kleruskongregation an, die besten Praktiken zu sammeln, die Seminarleiter in der Priesterausbildung erprobt hätten, und sie allen anderen zur Verfügung zu stellen. An Herangehensweisen wie diesen sehe er eine "neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Vatikan und Ortskirchen verwirklicht", sagte Leichtfried. Ein "recht gutes Gefühl" nehme er aus Rom insofern mit, als Österreich viele der Neuerungen in der Priesterausbildung bereits vor Jahren eingeführt habe und auch in den Diskussionen immer wieder als erfolgreiches Beispiel angeführt werde, erklärte der langjährige Regens des Priesterseminars von St. Pölten.

Die neue vatikanische Rahmenordnung für die Priesterausbildung wurde am 8. Dezember 2016 veröffentlicht. Bereits bei ihrer Abfassung waren die Ortskirchen, die sie nun auf nationaler Ebene umsetzen müssen, maßgeblich beteiligt. Die Verantwortung für die einheitliche Ausbildung katholischer Priester liegt erst seit Jänner 2013 auf Veranlassung von Papst Benedikt XVI. bei der Kleruskongregation, davor war die Bildungskongregation zuständig.