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Bundespräsident Van der Bellen bei Papst Franziskus

Papst Franziskus hat den österreichischen Bundespräsident Alexander Van der Bellen in Audienz empfangen. Die beiden tauschten sich am Donnerstag in einem privaten Gespräch im Apostolischen Palast im Vatikan 25 Minuten lang aus. Van der Bellen beeindruckte dabei besonders, wie der Papst die Menschen anspricht.

"Ein hoch intelligenter Mann, der mit seinen Formulierungen Bilder schafft, die die Menschen ins Herz treffen", sagte der Bundespräsident im Anschluss vor Journalisten in Rom. "Davon können wir Politiker viel lernen", meinte er. Wenn man die Spiritualität erlebe, die Franziskus verkörpert, "dann merkt man, dass man das doch vermisst hat über die Jahre", sagte Van der Bellen. Wirtschaftswissenschaftler wie er müssten viel abstrakter denken; da gehe ihnen etwas ab.

"Natürlich" habe er Franziskus auch zu einem Besuch nach Österreich eingeladen, so der Bundespräsident. Da das Land - verglichen mit anderen Staaten - aber keine so brennenden Probleme habe, werde der Papst, der an die Ränder geht, wohl so schnell nicht nach Österreich kommen. "Er reist dort hin, wo es brennt", sagte Van der Bellen. Das Verhältnis zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl sei aber ausgezeichnet.

Auch der Vatikan berichtete im Anschluss an die Audienz von "herzlichen Gesprächen" Van der Bellens mit dem Papst, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem vatikanischen "Außenminister" Erzbischof Paul Gallagher, bei denen die "guten Beziehungen und die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich hervorgehoben" worden sei.

Im Fokus der Begegnungen habe die Verteidigung der unantastbaren Würde des Menschen, Förderung einer Kultur der Begegnung und die Sorge um die Pflege der Schöpfung gestanden, hieß es im offiziellen vatikanischen Pressekommunique. Man habe zudem die Rolle der internationalen Gemeinschaft bei der Suche nach friedlichen Lösungen für die anhaltenden Konflikte in verschiedenen Regionen der Welt sowie das gemeinsames Engagement für eine atomwaffenfreie Welt bekräftigt.

Einigkeit zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl bestehe auch bei der Abschaffung der Todesstrafe, berichtete Bundespräsident Van der Bellen. Der jüngste UN-Atomwaffenverbotsvertrag, dem Anfang Juli in New York 122 Staaten zugestimmt haben, ist unter maßgeblicher Beteiligung österreichischer Diplomaten entstanden. Zur Abschaffung der Todesstrafe hatte sich der Papst vor einigen Wochen ausführlicher geäußert. In einer Rede zum 25-jährigen Erscheinen des katholischen Weltkatechismus hatte er gefordert, die Verurteilung der Todesstrafe im Katechismus solle noch entschiedener gefasst werden.

Wie Van der Bellen sagte, sei es im Gespräch mit Kardinalstaatssekretär Parolin vor allem um konkrete außenpolitische Themen gegangen. Sorge bereite beiden Seiten der Stillstand in der Ukraine oder das "entstehende Vakuum in Bosnien-Herzegowina", das zunehmend von türkischen und arabischen Institutionen gefüllt werde.

Natürlich habe man auch über Europas Probleme und den Umgang mit Flüchtlingen und Migranten gesprochen. Dabei gestand Van der Bellen, auch er selbst verstehe nicht ganz, weshalb es heute viel mehr Unsicherheit und Ablehnung gebe als etwa 2015, "als wir echte Probleme mit den Flüchtlingen hatten". In den Folgejahren hätten sich die Asylbewerberzahlen doch jeweils halbiert.

Mit dem Papst habe er außerdem die Thematik des Klimawandels besprochen, der diesem sehr am Herzen liege. "Die Katholiken sprechen da auch von der Bewahrung der Schöpfung. Das ist auch so ein Ausdruck, der ins Herz geht, nicht so kopflastig ist wie der Begriff Umweltschutz", sagte der Bundespräsident.

In den Vatikan wurde Van der Bellen u.a. von seiner Frau Doris Schmidauer, Bundesminister Harald Mahrer (VP) und auch vom Künstler Andre Heller begleitet. Franziskus, der als junger Mann eine Zeit lang in Deutschland Theologie studiert hatte, begrüßte Van der Bellen auf Deutsch und sagte: "Leider brauche ich für unser Gespräch einen Dolmetscher".

Van der Bellen schenkte dem Papst zwei Laibe Tiroler Bauernbrot. Der passende Brotkasten aus Holz wurde in einer Behindertenwerkstatt im Tiroler Kaunertal gefertigt, wo Van der Bellen aufgewachsen ist. Beim Anblick des Brotes sagte Franziskus: "Das müsste man jetzt brechen und teilen", tat es aber nicht. Er selber schenkte dem Bundespräsidenten einen bronzenen Olivenzweig sowie die deutsche Ausgabe seiner Schreiben "Evangelii Gaudium", "Laudato si" und "Amoris laetitia".

Für Donnerstagnachmittag war ein Besuch des Bundespräsidenten beim Malteserorden in dessen Zentrale auf dem römischen Aventin-Hügel vorgesehen. Dort wird er mit Großkanzler Abrecht Freiherr von Boeselager sowie dem Statthalter des Großmeisters, Fra Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, zusammentreffen. Am Abend besucht der Bundespräsident die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio im Stadtteil Trastevere. Im Gespräch mit deren Leitung will er sich über die Arbeit der Gemeinschaft mit Flüchtlingen und Migranten informieren.

Der frühere Grünen-Politiker Van der Bellen, der als evangelischer Christ vor Jahrzehnten aus der Kirche ausgetreten ist, hatte sich im Vorfeld des Besuchs beim Papst mehrfach anerkennend über Franziskus geäußert. Unter anderem beeindruckten ihn die Haltung des Papstes etwa in der Flüchtlingsfrage, Friedenspolitik und Todesstrafe, zum Zusammenhalt Europas und Umweltschutz sowie zur sozialen Gerechtigkeit. Es handle sich dabei um "sehr wichtige Signale für uns, unabhängig, ob man der katholischen Religionsgemeinschaft angehört oder nicht".

Van der Bellen ist der fünfte österreichische Bundespräsident, der den Vatikan besucht hat. Zuvor waren Franz Jonas (1971), Kurt Waldheim (1987), Thomas Klestil (1994) und Heinz Fischer (2006 und 2014) in offizieller Mission zum Sitz des Bischofs von Rom gereist.

(KAP, 16.11.2017)