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Bischofsvikar Reitzinger zur Pfarrentwicklung: „Mut, einen neuen Weg zu gehen“

Bischofsvikar Dr. Gerhard Reitzinger, Geistlicher Leiter der Pastoralen Dienste

St. Pölten, 15.04.2017 (dsp) Bischofsvikar Gerhard Reitzinger ist es ein großes Anliegen, dass die in der Diözese begonnene Pastoralinnovation mit Impulsen von „REBUILT“ – einer Erfolgsgeschichte einer katholischen Pfarre in den USA – fortgesetzt wird. Beim Pastoralen Studientag mit dem Pastoraltheologen Georg Plank im Herbst 2016 beschäftigten sich 56 Teilnehmer mit dem Thema „Pas­toralinnovation“. Nun fördern die Pastoralen Dienste die Teilnahme an dem „REBUILT-Erlebnistag“ in Salzburg am 10. Juni. Im Gespräch mit „Kirche bunt“ geht der Geistlicher Leiter der Pastoralen Dienste auf die aktuellen Herausforderungen in den Pfarren, auf Zukunftsvisionen und neue Wege ein.

Haben Sie Sorge um die Pfarren in der Diözese St. Pölten?

In den Pfarren ist – aus verschiedenen Gründen – vieles im Umbruch oder in Veränderung. Es gibt da erfreuliche Entwicklungen, wo Pfarren sehen, dass Zusammenarbeit im Pfarrverband auch ein Gewinn, ein Mehrwert und eine Stärkung im Glauben sein kann. Es gibt aber angesichts der weniger werdenden Gläubigen in den Pfarren  auch die Sorge: Wie lange gibt es uns noch? Und  die Sorge: Werden wir noch einen Priester haben?  Ich denke, es braucht angemessene Lösungen für die vielen verschiedenen Pfarren, die wir in unserer Diözese haben. Neue Wege und Lösungen zu finden, das ist es, was mich umtreibt und worüber ich nachdenke.

Und die Pastoralinnovation bietet solche Lösungen und neue Wege an?

Die Pastoralinnovation ermuntert dazu, woanders hinzuschauen. Oft reicht ein Blick in die Nachbarpfarre oder in die über­nächs­te Pfarre. Was notwendig ist, sind Leute, die bereit sind, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen – ich spreche da nicht nur von Priestern, sondern auch von PastoralassistentInnen, Pfarrgemeinderäten und anderen in der Pfarre engagierten Menschen. Deshalb fördere ich den Erlebnistag in Salzburg und das Buch „REBULIT“. Pastoralinnovation lebt von der Zuversicht und Hoffnung, dass es einen guten Weg geben wird. Und sie gibt neue Impulse. Das heißt nicht, dass alles neu sein muss, aber es bedeutet, dass im Grunde genommen jeder eine Erneuerung braucht. Jede Pfarre, jede Gemeinschaft, jede Gemeinde sollte sich immer wieder von neuem fragen: Was ist unsere Berufung? Was ist unser Auftrag hier vor Ort? Wer sind die Menschen, für die wir gesendet sind?

Im Buch „REBUILT“ geht es um eine amerikanische Pfarre und Georg Plank bringt auch Beispiele aus dem anglikanischen Bereich. Können diese Beispiele auf unsere Pfarren umgelegt werden?

Ich finde es sehr vorteilhaft, dass es um einen anderen Kulturkreis geht, weil man dann davor gefeit ist, einfach fertige Lösungen zu übernehmen. Es geht eigentlich darum zu schauen, was sind die Kriterien, warum etwas Neues entsteht, warum etwas gut funktioniert und wie man das auf die eigene Gemeinde anwenden kann.

Gibt es in der Diözese St. Pölten schon Beispiele für solche Innovationen?

Ich denke da z. B. an die Angebote von Kinderbibeltagen, die an vielen verschiedenen Orten in unserer Diözese angeboten und gut angenommen werden, wie z. B. die Kinderbibelwoche in St. Pölten. Auch die „Nacht des Feuers“ ist ein Beispiel, was aus einer neuen Ini­tiative in kurzer Zeit werden kann – da nehmen heuer über 1000 Firmlinge daran teil. Innovativ ist es auch, wenn ein Pfarrer sagt: Mir ist es wert, dass ich in eine gute Predigt am Sonntag etwas investiere. Eine gute Predigt muss authentisch sein und die Menschen berühren – denn die Predigt entsteht in den Köpfen und Herzen der Menschen und nicht auf dem Papier. Ich bin überzeugt: Wie Verkündigung insgesamt in den Pfarren stattfindet, darin liegt viel innovatorisches Potenzial. Da geht es auch darum, dass man jene Menschen in den Blick nimmt, die nicht oder nur selten da sind. Eine Innovation kann z. B. auch sein, dass es vor den Gottes­diens­ten bei den Kirchentüren jemanden gibt, der zu den Gläubigen einfach sagt: „Grüß Gott! Herzlich willkommen!“

Gibt es etwas, was allen Innovationen gemeinsam ist?

Was ich letztes Jahr gelernt habe ist, dass man für Innovationen Freiräume schaffen muss. Wenn man eingedeckt ist, kann nichts Neues entstehen. Deshalb muss man oft Dinge abgeben, damit man Platz für etwas Anderes, Frisches, Neues macht. Konkret kann das bedeuten, dass eine Pfarre nicht immer alles wie schon seit Jahren anbietet. Pfarren können auch Kooperationen suchen. Was allen Innovationen gleich ist, ist dieser Mut, neue Wege zu gehen und es auch in Kauf zu nehmen, dass der eine oder andere Weg nicht zum erwünschten Erfolg führt.

Es gibt viele hoch motivierte Gläubige in der Diözese – das hat sich nicht zuletzt am Studientag im Herbst gezeigt. Was macht die Diözese, um diese Menschen zu unterstützen?

Ich glaube, dass diese Motivation gefördert wird, indem konkrete Angebote gesetzt werden, z. B. durch die nun geförderte Teilnahme am Studientag in Salzburg. Mir ist aber schon bewusst, dass es viele gute Ideen gibt, die einfach verhungern, weil das Handwerkzeug fehlt. Deshalb wollen wir in Weiterbildung und in PGR-Klausuren investieren. Innerkirchlich müssen wir auch schauen – bei allen Regeln, die beachtet werden müssen – wie man es lernen kann, etwas Neues zuzulassen.

Rebuilt-Erlebnistag

Father Michael White und der Theologe Tom Corcoran sind für ihr Buch „REBUILT – Die Geschichte einer katholischen Kirche“ über die Grenzen der USA hinaus bekannt geworden. Darin beschreiben sie, wie sie aus ihrer schrum­p­fenden Pfarrgemeinde in Baltimore eine lebendige, gesunde Pfarre gemacht haben. Über ihre Aktivitäten und Konzepte werden die Autoren beim „Rebuilt-Erlebnistag“ am 10. Juni in Salzburg berichten. Die Pas­toralen Diens­te übernehmen für Interessierte aus der Diözese St. Pölten einen Gutteil der Teilnehmergebühren.
Die Anmeldung für die geförderte Teilnahme muss über die Pastoralen Diens­te bei Frau Bayrhofer (E-Mail: i.bayrhofer@kirche.at; Tel. 02742 324 3331) erfolgen. Im Selbstkostenpreis von 20 Euro sind neben der Teilnahme am Erlebnistag auch das Buch „REBUILT“ und das Mittagessen enthalten (eigene Anreise).
Anmeldeschluss: 8. Mai. Achtung: Begrenzte Teilnehmerzahl.
Infos: www.pastoralinnovation.at oder www.visionen-brauchen-handwerk.de