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Bischöfe: Christen im Irak nicht im Stich lassen

Erzbischof Franz Lackner, Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Bischof Klaus Küng

Wien, 17.3.2017 (dsp/KAP) Die österreichischen Bischöfe unterstützen den chaldäisch-katholischen Patriarch Louis Sako in seinem eindringlichen Appell an den Westen, die Christen im Irak nicht im Stich zu lassen. Die Lage im Nordirak sei dramatisch und in diesen Tagen entscheidet sich, "ob die Christen in der Region eine Zukunft haben werden, wo sie seit den Anfängen der Kirche beheimatet sind", heißt es wörtlich in einer Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz.
Die Erklärungen im Wortlaut

Obwohl der IS inzwischen aus der Ninive-Ebene vertrieben wurde und die gänzliche Befreiung von Mossul immer näher rückt, stehe die Existenz der Christen vor Ort noch auf der Kippe. Wenn die Christen in der Ninive-Ebene eine Zukunft haben wollen, müssen sie möglichst rasch zurückkehren und ihre Dörfer und Städte wieder aufbauen, denn nur so können sie vor Ort auch ihre Besitzansprüche und Rechte wahren. Nicht wenige christliche Flüchtlinge haben inzwischen den Irak verlassen und sind in westliche Staaten emigriert. Die meisten Menschen wollen aber zurück in ihre Heimat.

Ein Weg dabei könnten die von Patriarch Sako vorgeschlagenen Patenschaften von Ländern der EU für konkrete Städte und Dörfer sein, um auf diese Weise beim Wiederaufbau zu helfen. Österreich sollte sich daran beteiligen und mit gutem Beispiel vorangehen, fordern die Bischöfe und weiter: "Gleichzeitig sollte sich unser Land mit allen politischen Mitteln dafür einsetzen, dass Sicherheit und Stabilität in der Region Mossul/Ninive-Ebene gewährleistet und Christen als gleichwertige Mitbürger von den dortigen politischen Autoritäten voll anerkannt werden." Schließlich gehe es darum, das verloren gegangene Vertrauen zwischen Christen und Muslimen wieder aufzubauen.

Burka unerwünscht, aber nicht generell verbieten

Ja zur Integration, aber Nein zu einem generellen Verhüllungsverbot: Diese Positionierung in ihrer Stellungnahme zum geplanten Integrationsgesetz haben die österreichischen Bischöfe bekräftigt. Sie kritisieren in ihrer Erklärung zum Thema "Gelungene Integration" gegenwärtige "Engführungen der öffentlichen Debatte auf gesetzliche Bekleidungsvorschriften" betreffend etwa islamisches Kopftuch oder Burka. Demgegenüber brauche es eine "umfassende, differenzierte und realistische Sicht" auf alle Aspekte einer nachhaltigen Integration.

Zum geplanten gesetzlichen Verhüllungsverbot begründet die Bischofskonferenz ihre bereits in der Vorwoche geäußerte Kritik: "Im Grunde geht es in dieser Frage um das hohe Gut der persönlichen Freiheit. Ihr ist im Zweifelsfall gerade in unserer Gesellschaftsordnung der Vorzug zu geben." Das Anliegen, dass Integration die Bereitschaft zur Kommunikation voraussetzt, teilen die Bischöfe mit den Worten: "Wir leben in einer Kultur des offenen Gesichts, die nicht zuletzt in diesem Punkt auch christlich geprägt ist." Vollverschleierung im öffentlichen Raum sei daher ein "gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten" , betonen die Bischöfe. Statt eines allgemeinen Verbotes schlagen die Bischöfe aber vor, klar zu regeln und zu begründen, in welchen konkreten Fällen das Gesicht zu zeigen ist, beispielsweise in der Schule und im Gericht. Zugleich müsse gewährleistet sein, dass "niemand aus welchen Gründen auch immer zu einer verhüllenden Bekleidung gezwungen" wird, "noch dazu, wenn sich dieser Zwang nur gegen Frauen richtet".

Die Kirche und zahlreiche engagierte Christen trügen sehr viel zur konkreten Hilfe für Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge bei, wiesen die Bischöfe hin. Im Bereich der Grundversorgung würden Pfarren und Ordensgemeinschaften gemeinsam mit der Caritas viel leisten, es gebe Initiativen wie etwa Integrations- und Sprachpatenschaften. Die Bischofskonferenz ermuntert zum persönlichen Kontakt mit Flüchtlingen und Zuwanderern, denn: "Persönliche Begegnung ist der vielversprechendste Weg für eine nachhaltige Integration, und die Bischöfe danken allen, die dazu bereit sind und für das vielfältige Engagement." 

Bischöfe fordern Hilfen für Menschen mit Down-Syndrom

Österreichs Bischöfe haben zu mehr Wertschätzung und Hilfen für Menschen mit Down-Syndrom aufgerufen: Menschen mit Trisomie 21 sollten "eine vitale Rolle in unserem Leben und unserer Gemeinschaft spielen". Aus Anlass des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März mahnten die Bischöfe zugleich von bedrohlichen Tendenzen einer "latent vorhandenen eugenischen Grundhaltung" in der Gesellschaft. Diese sei zutiefst abzulehnen.

Ausdrücklich loben die Bischöfe die gerade in der Steiermark anlaufenden Wettkämpfe "Special Olympics": Sie machten deutlich, wie viel Lebensfreude und Teamgeist Menschen mit Down-Syndrom haben können und zu welchen sportliche Leistungen sie fähig sind. Inklusion sei eine "Bereicherung für jede Gemeinschaft und Gesellschaft", da jedes Leben wertvoll und jeder Mensch ein Geschenk ist, zitieren die heimischen Kirchenspitzen Papst Franziskus, der kürzlich eine "Special Olympics"-Abordnung empfangen hatte.

Im klaren Widerspruch dazu steht für die Bischöfe, dass bei den Schwangerenuntersuchungen immer mehr nach Menschen mit Down-Syndrom "gefahndet" wird - "vielfach mit subtilem Druck auf die Frauen". "Behinderung wird dabei als Störfaktor für ein geglücktes menschliches Leben abqualifiziert und gleichzeitig wird das scheinbare Ideal eines 'genetisch unauffälligen Kindes' geschürt", kritisieren die Bischöfe. Die sich zunehmend ausbreitende Fortpflanzungsmedizin und deren "Geschäft mit den Hoffnungen der Menschen" fördere diese Entwicklung.

"Agenda 2030"-Umsetzung und Druck auf Duterte

In der Erklärung über "Nachhaltige Entwicklung" erinnern die Bischöfe, dass sich am 27. März das Erscheinen von "Populorum progressio", der wegweisenden Enzyklika zur kirchlichen Soziallehre und zur Entwicklungszusammenarbeit von Papst Paul VI., zum 50. Mal jährt. Sie erinnern weiter, dass Papst Franziskus im September 2015 die UNO in New York besuchte, als die Staatengemeinschaft den Beschluss zur "Agenda 2030" fasste.

Mit dem im gleichen Jahr 2015 erschienenen Lehrschreiben "Laudato si" habe Franziskus die bedrängenden globalen Fragen im Blick auf die Umwelt und Armut in das Zentrum gerückt. Es gehe dabei um die weltweite "Sorge um das gemeinsame Haus", die für die Menschheit zur Schicksalsfrage werden kann, heißt es in der Erklärung.

Die Bischöfe wenden sich in einer weiteren menschenrechtsrelevanten Erklärung gegen die Wiedereinführung der 2006 abgeschafften Todesstrafe auf den Philippinen und unterstützen den Widerstand der Philippinische Bischofskonferenz, die in einem Hirtenwort die grundrechtswidrigen Maßnahmen unter Präsident Rodrigo Duterte kritisiert habe. Die diskutierten Vorschläge stünden im Widerspruch zu internationalen Menschenrechtsstandards und bedrohten zudem Kinderrechte.

Die österreichischen Bischöfe unterstützen das Eintreten der philippinischen Kirche für Gerechtigkeit und ersuchen die politischen Verantwortungsträger in Österreich, sich dafür einzusetzen, dass Menschenrechte auf den Philippinen geachtet werden. "Die Bundesregierung und europäischen Institutionen werden dringend gebeten, alle zur Verfügung stehenden diplomatischen und politischen Mittel zu nutzen, um internationale Aufmerksamkeit auf diese Menschenrechtsverletzungen zu lenken", heißt es im Text.

Die Erklärungen im Wortlaut